Die Dauerläuferin Anja Kobs hat ihre erfolgreiche Sportkarriere fast beendet; jedenfalls die als Wettkampfläuferin über die lange Marathonstrecke und die langen, flachen und bergigen Distanzen. „Fast“ bedeutet, dass sie ihre Ausdauerfähigkeit nun für die Unterstützung der Hospizbewegung einsetzen will. Die Allingerin wird im kommenden Jahr eine Hospiztour durch Deutschland unternehmen – mit dem Fahrrad. Das Ziel: möglichst viel Geld für diese Einrichtungen einsammeln. Sponsoren sind willkommen.
Der eng getaktete, jährliche Wettkampfkalender mit allen dafür notwendigen Trainingsphasen ist passé. Anja Kobs war im durchaus fortgeschrittenen Sportlerinnenalter noch WM-Teilnehmerin im Berglauf für Deutschland, konnte den Marathon unter drei Stunden laufen und war in ihrer Altersklasse fast immer die schnellste Frau im Feld. Sie könnte sich nach 20 Jahren Leistungssport auch mal länger aufs Sofa legen und chillen. Doch das ist überhaupt nicht ihr Ding. „Im Dezember werde ich 50. Wenn es gut geht, habe ich noch dreißig oder vielleicht etwas mehr Jahre vor mir, die ich aktiv gestalten kann“, sagt sie nachdrücklich. Man glaubt es ihr sofort.

Der Sport wird für sie weiterhin eine bestimmende Rolle spielen, als Trainerin, als Motivationsrednerin, als Läuferin und Radrennfahrerin. „Das Radfahren und Laufen mache ich dann für mich selbst“, bekräftigt Kobs, die gerade von einem 30-Kilometer-Traillauf aus dem Allgäu zurückkommt. Den hat sie trotz eines Knorpelschadens im Knie absolviert. „Ein Arzt hatte mir im Februar gesagt, mit dem Knieschaden könnte ich nicht mehr laufen“, erzählt sie. Es zeige sich aber, dass es geht.
Radfahren geht auf alle Fälle. Auf ihrer geplanten 30-Tage-Radtour im kommenden Jahr will sie 15 Hospizeinrichtungen in Deutschland besuchen. „Nicht jeden Tag eine, das stehe ich mental dann doch nicht durch“, sagt Kobs. „Zwischendurch brauche ich immer einen Fahrtag, um wieder Energie zu tanken.“
Fahrtag bedeutet, dass sie dann etwa 150 Kilometer im Sattel sitzt. 3000 Kilometer peilt sie insgesamt an, die sie bewältigen will. Sie wird vor dem Hospiz in Germering starten. Dem ist sie seit mehreren Jahren als Hospizhelferin verbunden und auch als Spendensammlerin bei sportlichen Benefizveranstaltungen. „Dann geht es quasi im Uhrzeigersinn durch den Westen Deutschlands bis ganz in den Norden, und dann über Berlin wieder nach Hause“, beschreibt sie ihre Reisepläne. Welche Hospizeinrichtungen in welchen Städten sie besuchen wird, steht noch nicht fest.
Sicher ist aber, dass der Brucker Landrat und Präsident des Bayerischen Landkreistags, Thomas Karmasin, die Schirmherrschaft der Benefiztour übernommen hat. „Wir sprachen über mein Karriereende, darüber, wie sehr Leistung unser Leben prägen kann – und warum bewusstes Loslassen oft der Anfang von etwas Neuem ist“, berichtet sie von dieser Begegnung mit dem Landrat. Ob Karmasin bei der Sponsorensuche behilflich sein wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls soll möglichst viel Geld per Fundraising und durch Sponsoren eingesammelt werden. „Ich stelle mir etwa fünf Hauptsponsoren vor“, wünscht sich Anja Kobs. Einen Radsponsor hat sie bereits. Die Bike-Box in Emmering hat ihr das passende Fahrrad in Aussicht gestellt.
Bei einer Radtour an der Ostsee von Flensburg nach Stralsund hat Kobs kürzlich bereits erfolgreich geprobt. 750 Kilometer in fünf Etappen und insgesamt 32 Stunden im Sattel hat sie gut überstanden. „Die Ostsee hat mich begeistert, aber ich würde trotzdem immer die Berge wählen. Sie bieten für mich noch mehr Abwechslung, sind sportlich anspruchsvoller und meist ruhiger“, resümiert sie.
Anja Kobs arbeitet derzeit an einem Buch mit stark autobiografischen Zügen
Bis die Hospiztour im Frühjahr 2027 losgeht, arbeitet Kobs noch an ihrem Buch mit dem Arbeitstitel „Vom Burnout zur Bestform“, das starke autobiografische Züge tragen wird. Nach einer intensiven internationalen Berufsphase und dem Leistungssport sieht sie sich jetzt im „dritten Teil ihres Lebens“. Kobs ist entschlossen: „Ich möchte Dinge voranbringen, ich bin ein umtriebiger Mensch. Als Kind hat meine Oma schon gesagt, ich hätte Hummeln im Hintern.“
Als ausgebildete Hospizhelferin ist sie mit der Endlichkeit des Lebens sehr vertraut. „30 schöne Sommer und auch 30 Winter habe ich noch“, sagt sie, da müsse noch was gehen. Da passt ihre persönliche Lebensmaxime sehr genau: „Das Leben ist zu kurz für Eintönigkeit. Qualität vor Quantität.“

