Angespanntes Klima:Eltern klagen über Gewalt an Mittelschule

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Angespanntes Klima: Ein ruhiges Bild gibt die Mittelschule nachmittags nach außen hin ab. Weniger ruhig soll der Alltag dort laut einiger Eltern für viele Schüler ablaufen.

Ein ruhiges Bild gibt die Mittelschule nachmittags nach außen hin ab. Weniger ruhig soll der Alltag dort laut einiger Eltern für viele Schüler ablaufen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Prügeleien, aggressives Verhalten von Schülern wie Lehrern und Mobbing sollen in Olching alltäglich sein. Das Schulamt kündigt an, die schweren Vorwürfe zu prüfen

Von Julia Bergmann, Olching

Schläge, Mobbing und Naziparolen auf dem Pausenhof sowie aggressives Verhalten einzelner Lehrern gegenüber Schülern: Davon berichten Eltern, deren Kinder die Amperschule in Olching besuchen. Einer von ihnen ist Hans-Dieter Fuchslocher, der seine Tochter aus diesem Grund von der Schule genommen hat. In einem Offenen Brief hat sich der 57-Jährige an Schulleitung, Schulamt und Öffentlichkeit gewandt. Denn die Zustände an der Amperschule hält er für unzumutbar.

Obwohl Fuchslochers Tochter immer gerne die Schule besucht hatte, klagte die Zehnjährige bald nach dem Übertritt von der Grund- auf die Mittelschule häufig über Bauchschmerzen oder andere Beschwerden, auch ihre Noten wurden zunehmend schlechter. Als der Vater wiederholt nachhakte, vertraute sich ihm die Tochter schließlich an. Sie berichtete von aggressiven Lehrern, prügelnden Schülern und chaotischem Unterricht. Es habe oft eine halbe Stunde gedauert, bis in die Klasse Ruhe eingekehrt sei. Für Fuchslocher war klar, seine Tochter sollte nicht länger die Olchinger Mittelschule besuchen. Auf ihrer neuen Schule habe sich seine Tochter erholt, es gebe keine vergleichbaren Probleme mehr und die Zehnjährige habe wieder Lust aufs Lernen, berichtet der Vater.

Die Vorwürfe, die Fuchslocher in seinem Brief erhebt, gehören aber für viele andere Schüler offenbar noch immer zum Schulalltag. Aus dem Kreis des Elternbeirats wird mehrfach bestätigt, dass derlei Fälle an der Olchinger Schule keine Seltenheit seien. Immer wieder würden sich Eltern an den Beirat wenden. So soll eine Schülerin über Monate hinweg massiv gemobbt worden seien, ein Bub soll so hart mit dem Kopf gegen die Tafel geschlagen worden seien, dass er blutete und abgeholt werden musste. Eine andere Schülerin sei mit verdreckter und zerstörter Kleidung nach Hause gekommen, ein Mitschüler hatte sie offenbar während der Pause malträtiert. Lehrer sollen Schüler im Unterricht regelmäßig anbrüllen. Geschriene Sätze wie "Halt die Fresse!" sollen keine Seltenheit sein. Auch der Krankenwagen müsse häufig zur Mittelschule ausrücken.

Viele Eltern hatten zunächst die Hoffnung, der Elternbeirat könne gemeinsam mit der Schulleitung nach einer Lösung suchen, doch es sei nicht eingegriffen worden, erzählt eine Mutter. Die Schulleitung verdränge die Beschwerden nur und beteuere immer wieder, von derlei Vorfällen nichts zu wissen, betonen mehrere Eltern. Aus dem Kreis des Beirats heißt es, dass selbst das Schulamt nach zahlreichen Beschwerden nicht eingegriffen habe. Ihre Namen möchten die Betroffenen nicht in der Zeitung lesen, weil sie Nachteile für ihre Kinder fürchten, die die Schule immer noch besuchen.

Mit den massiven Vorwürfen konfrontiert, verweist die Schulleitung auf das Schulamt. Weil die Situation derzeit dort geklärt wird, wolle man sich nicht zur Sache äußern. Schulamtsdirektorin Bettina Betz beteuert, von den Vorwürfen bisher nichts gewusst zu haben. Betz ist seit Mai 2017 im Amt. "Seitdem hat es von Seiten der Eltern keine Beschwerde gegeben", sagt sie. Über die Zeit davor könne sie keine Aussage treffen.

Viele der Eltern betonen ausdrücklich, dass nur wenige der Lehrer an der Schule durch massives Fehlverhalten auffallen würden. Eine Mutter findet: "Die Lehrer und auch die Schulleitung ist überfordert." Sie meint, es sollte mehr Schulpsychologen oder Sozialarbeiter geben, die den Lehrern bei Problemen zur Seite stehen. "Kinder sind überall gleich", findet eine der Mütter. "Sie testen in diesem Alter ihre Grenzen aus", sagt sie. Auch die ein oder andere Rangelei auf dem Pausenhof hält sie für normal. Problematisch sei aber, wenn keiner der Lehrer einschreite, wenn solche Rangeleien eskalierten. Konflikte auf aggressive Art auszutragen, würde dann zur Normalität für die Kinder. An der Mittelschule fehle es einfach an Struktur und Ordnung, findet sie.

Das Schulamt hat die Schulleitung und einzelne Lehrer mittlerweile dazu aufgefordert, Stellungnahmen zu den jeweiligen Vorwürfen abzugeben. Weil diese noch nicht vorliegen, will sich die Schulamtsdirektorin noch nicht ausführlich dazu äußern. "Wir müssen die Angelegenheit objektiv klären", sagt sie.

Dass es an der Olchinger Mittelschule übermäßig viele Rettungseinsätze gegeben hätte, bezweifelt Betz. Eine Sprecherin des Landratsamts sagt, dass die Häufigkeit der Einsätze an der Amperschule schätzungsweise mit denen an anderen Schulen vergleichbar seien. Konkrete Zahlen kann sie allerdings nicht nennen. Die Schulamtsleiterin meint, dass das Schulamt bezüglich der restlichen Vorwürfe früher eingegriffen hätte, wenn sich der betroffene Vater bei ihnen gemeldet hätte. "Wir können nur handeln, wenn wir von konkreten Fällen wissen", sagt Betz. "Auch im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es ein Netz von Schulpsychologen und Beratungslehrern, die nicht an die jeweiligen Schulen angebunden sind", sagt Betz. Diese sollen helfen, derlei Konfliktsituationen an aufzulösen.

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