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Analyse der Kommunalwahlen im Landkreis:Vater, Sohn, Ehemann

Familienbande und Namensbonus: Der Ausgang der Kommunalwahlen zeitigt so manches kuriose Ergebnis

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Axel Lämmle hat durchaus einen Namen in der Fürstenfeldbrucker Kommunalpolitik, saß für die SPD in Stadtrat und Kreistag, kandidierte als Oberbürgermeister. Vor einiger Zeit wechselte er zur Linken. Eine Überraschung ist es deshalb nicht, dass ein bekannter Name durch die Möglichkeiten des bayerischen Wahlsystems nach vorne schnellt. Doch Lämmle verkündete am zweiten Tag nach der Wahl, das Mandat nun doch nicht annehmen zu wollen. Es ist eine der Kuriositäten, vielleicht auch der Enttäuschungen, die die Kommunalwahl 2020 hervorgebracht hat.

Bestimmte Kandidaten mit bis zu drei Stimmen auszustatten, davon machen Wähler immer wieder Gebrauch. Und so kann man auch bei Fürstenfeldbrucks Alt-OB Sepp Kellerer von einer Art Prominentenbonus sprechen, nachdem er von Platz 70, dem Ende der Kreistagsliste, auf Platz 34 vorgehäufelt wurde und am Ende fast genauso viele Stimmen, nämlich um die 30 000, erhielt wie sein Sohn Martin. Beide Kellerers schafften es damit nicht in den Kreistag, was im Falle des Seniors durchaus erwünscht war, nachdem er dem Gremium 48 Jahre lang angehört hatte. Mit seiner neuerlichen Kandidatur wollte er der CSU-Liste noch zu Stimmen verhelfen, mehr nicht.

Auch Franz Höfelsauer, als wieder eingesetzter Kreishandwerksmeister und früherer Inhaber einer Bäckerei mindestens so bekannt wie als CSU-Stadtrat, wurde von den Brucker Wählerinnen und Wählern - wie schon 2014 - mit deutlich mehr Stimmen ausgestattet, als Listenplatz 14 hätte vermuten lassen, und holte das zweitbeste Einzelergebnis für seine Fraktion. Auch bei der Besetzung des Kreistags brachten die Wähler die vorgegebene Listenrangfolge der CSU durcheinander. Auf Platz 37 gesetzt hätte Engelbert Jais nicht wirklich eine Chance gehabt, in das Gremium einzuziehen, zumal die CSU fünf Sitze verlor und nun nur noch über 26 verfügt. Doch den Metzerinnungs-Obermeister aus dem Adelshofener Ortsteil Luttenwang kennt man im ganzen Landkreis, und so wurde Jais auf Platz 15 vorgehäufelt. Oder Peter Falk. Der SPD-Fraktionssprecher im Kreistag rutschte durch den Wählerwillen von Platz 51 auf 16 vor. Für eine weitere Wahlperiode reichte das bei gerade mal sieben SPD-Mandaten freilich nicht. Falk hatte selbiges aber auch nicht wirklich beabsichtigt.

Dass dem Wähler die Person gerne m al wichtiger ist als die Partei, zeigt Markus Droth. Der wechselte von der CSU zu den Freien Wählern und schaffte nun den Wiedereinzug in den Brucker Stadtrat - mit dem mit Abstand besten FW-Ergebnis.

Bisweilen tauchen ganze Familienbande auf den Kandidatenlisten auf. Gerne wird auch auf hinteren Plätzen mit ihnen aufgefüllt, mancherorts aber durften sich Verwandte auch echte Chancen ausrechnen, nun gemeinsam Politik zu machen. So wie in der CSU-Hochburg Jesenwang, wo Erwin Fraunhofer als Bürgermeister wiedergewählt wurde und sein Sohn Markus nun als Gemeinderat einsteigt. Oder in Emmering, wo Michael Schanderl, der 18 Jahre lang für die Freien Wähler als Bürgermeister wirkte, künftig nur noch einfacher Gemeinderat sein, dabei aber Verstärkung durch seinen Sohn Valentin erhalten wird. Nur im Kreistag hat es nicht geklappt: Dort wird Michael Schanderl senior zwar weiterhin sitzen, nicht aber sein ebenfalls kandidierender Sohn Michael junior, der bisher Gemeinderat war. In Emmering finden sich überhaupt viele Familienbande, die der Öls zum Beispiel. Werner Öl ist seit Jahren als CSU-Gemeinderat im Geschäft, an seiner Seite Sohn Tobias und Nichte Sarah Kumeth. Die Konstellation bleibt gleich, nur Sohn Sebastian verpasste den Einzug knapp.

Auch Ehepaare wirken gemeinsam in manchen Gemeinderäten. So in Grafrath, wo Thomas und Begona Prieto Peral neu für die Grünen ins Gremium rücken. So auch in Schöngeising. Dort traten die Grünen erstmals an und sind nun unter anderem mit dem Schauspielerpaar Barbara Lackermeier und Gerhard Jilka vertreten. In Landsberied gehen künftig die Brüder Johannes und Michael Bals gemeinsam als Gemeinderäte für die CSU/Wählerdorfgemeinschaft ans Werk.

Am wenigsten in die Quere kommen dürften sich bei ihrer Tätigkeit in der Kommunalpolitik die Kennerknechts. Markus Kennerknecht wurde in Grafrath als parteifreier, auf der CSU-Liste kandidierender Bürgermeister bestätigt, seine Frau Sieglinde zieht für die Dorfgemeinschaft Hattenhofen am Wohnort in den Gemeinderat ein. In Eichenau müssen die Heilmeiers von nun an getrennte Wege gehen. Spitzenkandidatin Angela Heilmeier darf weitermachen, ihr Ehemann Bernd schaffte es trotz aussichtsreichen Listenplatzes drei nicht wieder. Er musste Markus Wendling den Vortritt lassen, den die Wähler von Platz 15 aus in den Gemeinderat schickten.

© SZ vom 23.03.2020
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