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An Silvester:Böllern ohne Grenzen

Vorreiter: Zweimal haben die Puchheimer auf einer gemeinsamen zentralen Veranstaltung Silvester gefeiert.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ein zentrales Silvesterfeuerwerk wird es weiter nur in Puchheim geben. Nach Germering sprechen sich auch Gröbenzell und Olching gegen eine solche Veranstaltung zum Jahreswechsel aus

Mit lauten Böllern und fulminanten Feuerspielen haben die Menschen bereits in vorchristlichen Zeiten den Jahreswechsel gefeiert. Die akustischen und optischen Signale sollten nach heutiger Interpretation böse Geister vertreiben. In modernen Zeiten wird das Abfeuern von Raketen und Böllern zunehmend kritisch gesehen: Feinstaub, Müll, Umweltverschmutzung und Geldverschwendung führen Kritiker des Silvesterfeuerwerks an. Um zudem erinnern sie auch an die Tiere, die Jahr für Jahr unter der ohrenbetäubenden Lichterorgie leiden. Die Stadt Puchheim veranstaltet deshalb seit zwei Jahren ein zentrales Feuerwerk. Es kommen rund 800 Besucher, die Kosten betragen rund 10 000 Euro. Andere Kommunen im Landkreis tun sich aber schwer, dem Beispiel zu folgen. Der Gemeinderat in Eichenau hat seine Entscheidung vertagt. Germering - und nun auch Gröbenzell und Olching haben sich bereits entschieden: Die Mehrheit der Mandatsträger lehnt ein zentrales Silvesterfeuerwerk ab. SZ

Zu viel Aufwand

Gröbenzell - "Eine zentrale Licht- und Lasershow im Herzen von Gröbenzell" zum Jahreswechsel, das ist der Wunsch von Marianne Kaunzinger. Die Fraktionsvorsitzende der UWG, der Unabhängigen Wählergemeinschaft in Gröbenzell, zu der auch Bürgermeister Martin Schäfer gehört, hatte im Namen ihrer Fraktion beantragt, dass die Mitarbeiter der Rathausverwaltung herausfinden sollen, wo und wie eine derartige zentrale Licht- und Lasershow in der Gröbenbach-Gemeinde realisiert werden könnte.

Ihr gefalle der Gedanke, dass eine größere Zahl Gröbenzeller gemeinsam Silvester feiere, vielleicht auf dem Rathausplatz. "Und wenn es nur hundert Gröbenzeller sind", argumentiert sie in der Sitzung des Gemeinderates. Zumindest diese Menschen würden wohl privat keine Böller mehr abfeuern. So dass man dem eigentlichen Anliegen der UWG - die Zahl der Feuerwerke zu verringern, um die Umwelt von Müll, Lärm und Feinstaub zu entlasten - schon ein Stückchen näher kommen würde.

Martin Runge (Grüne) findet es "großartig, dass so ein Antrag ausgerechnet von der Vorsitzenden des Schützenvereins kommt". Womit er das Gremium erheitert. Allerdings bezweifelt er, dass so ein gemeindlich organisiertes Event den Abschuss privater Böller wesentlich verringern würde. Denn dass es als Gemeinde nicht möglich ist, ein allgemeines Feuerwerksverbot für ganz Gröbenzell zu erlassen, darüber waren sich die Gemeinderäte einig. Auch Michael Schweyer (CSU) kann sich nicht vorstellen, dass eine solche Veranstaltung maßgeblich zur Verringerung der abgefeuerten Böller und Raketen beitragen könnte. Schließlich "muss man nicht ballern, wenn man nicht will". Er vermutet, dass vor allem Menschen zu der Gemeindefeier kommen würden, die sowieso kein Feuerwerk machten.

Peter Falk weist noch auf einen anderen Aspekt hin: "Man muss schauen, was wirklich Gemeindeaufgaben sind", warnt er. Und erinnert daran, dass der Gemeinderat vor gerade mal einer Stunde einen Nachtragshaushalt verabschiedet hat, weil die jüngsten Steuerschätzungen deutlich niedriger ausfallen. Das kommunale Budget sei also begrenzt. Und auch personell ist das Rathaus nicht gerade üppig ausgestattet. "Wir haben viele offenen Stellen", er warne davor, den Rathausmitarbeitern "schon wieder eine neue Aufgabe ans Bein zu binden". Mit Blick auf die Gesamtsituation betont der Finanzreferent: "Das halte ich für völlig unangebracht in diesen Zeiten."

"Der ganze Feinstaub ist immens", gibt Monika Baumann (Grüne) zu Bedenken. Deshalb wolle sie den Antrag unterstützen und sie sei zuversichtlich, dass sich "irgendjemand in der Gemeinde schon finden wird", der die Organisation übernehmen könne. Klaus Coy (FDP) bekennt, in der Frage "zerrissen wie ein Knaller" zu sein. Eigentlich sei es einen Versuch wert. Doch zum jetzigen Zeitpunkt könne die Gemeinde das einfach nicht leisten. "Da muss ein Umdenken stattfinden", ist das Fazit von Bürgermeister Martin Schäfer. Der Antrag wird gegen die Stimmen von Kaunzinger, Baumann und Cordula Braun (UWG) abgelehnt. Ariane Lindenbach

Keine Aufgabe der Stadt

Olching - Ein zentrales Feuerwerk am Silvesterabend wird in Olching nicht stattfinden. Das beschloss der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit. CSU, Freie Wähler und FDP lehnten das Vorhaben kategorisch ab. "Die Leute würden sich dadurch nicht vom Böllern abhalten lassen", begründete Gerlinde Zachmann von der FWO.

Angeregt hatte das Vorhaben Alfred Münch, Referent für Stadtentwicklung, Energie und Umwelt. Die Stadt schlug vor, das Event zusammen mit einem privaten Veranstalter zu organisieren. Ein Gastronom hatte laut Bürgermeister Andreas Magg bereits Interesse bekundet. Dieser sollte in einem Zelt eine Veranstaltung organisieren. Das Feuerwerk selbst wollte die Stadt ausrichten. Geplant waren auch eine Umzäunung sowie Sicherheitspersonal, um private Böller oder Alkoholkonsum unter Jugendlichen zu verhindern. Auch ein Shuttleservice war im Gespräch.

Insgesamt 10 000 Euro hatte die Stadt für die Veranstaltung veranschlagt: 5000 Euro für das Feuerwerk selbst und etwa 8000 Euro für die Einzäunung und den Sicherheitsdienst. Letztere Kosten würde man sich aber mit dem Veranstalter teilen, erklärte Magg.

Private Silvesterraketen sollten nicht verboten werden. Die zentrale Veranstaltung sollte jedoch eine attraktive Alternative bieten, sodass einige Einwohner auf private "Knallerei" verzichten und sich stattdessen das große Feuerwerk ansehen. Die Anzahl an Böller in Olching könnte auf diese Weise insgesamt zurückgehen, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzende Marina Freudenstein, die die Idee befürwortet. Die Lärmbelastung für Kinder und Tiere nehme dadurch ab, Feuerwehren würden weniger beansprucht und das Gemeinschaftsgefühl in Olching würde dadurch gestärkt, hieß es in der Vorlage. Vor allem habe ein zentrales Feuerwerk aber Vorteile für den Klimaschutz, so Münch. Durch die geringere Zahl an Böllern bilde sich weniger Feinstaub. Auch die Menge an Müll - in der Stadt entstehen am Silvesterabend rund drei Kubikmeter Abfall - würde sich reduzieren. Olching orientiert sich mit der Idee an Puchheim, das seit zwei Jahren ein zentrales Feuerwerk ausrichtet.

CSU, Freie Wähler und die FDP lehnten das Konzept jedoch ab. Sie bezweifelten, dass ein zentrales Feuerwerk zum gewünschten Ergebnis führt. "Die Menschen haben selbst die Möglichkeit zu böllern, daher werden sie es tun", sagte zweite Bürgermeisterin Maria Hartl. Ein Feuerwerk sei auch nicht die Aufgabe der Stadt. "Dafür werden wir kein Steuergeld in die Luft jagen." Dieser Ansicht war auch Andreas Teichmann von der FDP. Josef Gigl von den Freien Wählern widersprach zudem dem Argument, dass die Feuerwehr mit der Veranstaltung entlastet würde. Im Gegenteil: Die Ehrenamtlichen müssten bei der Veranstaltung für Sicherheit sorgen, betont er. "Die Leute sind froh, wenn sie mal Pause haben."

Die Grünen stimmten der Idee grundsätzlich zu, Fraktionsvorsitzende Ingrid Jaschke sprach sich jedoch für eine einfachere Umsetzung ohne Sicherheitspersonal aus. Ein Vorschlag, der jedoch keine Resonanz fand. KATHARINA KNAUT

© SZ vom 27.07.2019
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