Am Therese-Giehse-Platz Die Harfe wird abgerissen

"Geringe Strahlkraft" für Kunden bescheinigt der neue Eigentümer dem Gebäudekomplex am Südrand des Therese-Giehse-Platzes.

(Foto: Günther Reger)

Der Eigentümer will in der Germeringer Stadtmitte einen Neubau mit Hotel errichten

Von Andreas Ostermeier, Germering

Die Tage der Harfe, jenes kammartigen Gebäudes auf der Südseite des Therese-Giehse-Platzes in Germering, sind wohl gezählt. Der Gebäudekomplex, in dem sich Geschäfte, die Zentrale der Volkshochschule und das Wiener Hendlhaus befinden, soll abgerissen werden. An der selben Stelle will der Eigentümer, die Rock Capital Group aus München, ein neues und ein paar Meter höheres Gebäude errichten. Im Bauausschuss wurden die Pläne am Donnerstag vorgestellt. Der Neubau wird - ähnlich wie beim gegenüber liegenden Edeka-Gebäude - damit begründet, dass sich seit den Neunzigerjahren, in denen die Harfe gebaut wurde, die Anforderungen an Flächengrößen und Flächenzuschnitten im Einzelhandel verändert hätten. Der Komplex weise "große funktionale Defizite" auf, heißt es in einer Stellungnahme der Firma Rock Capital. Zudem bezeichnete Projektentwickler Stephan Rothenburg die Harfe als Gebäude mit "relativ geringer Attraktivität", das sich für die Ziele der Innenstadtentwicklung nicht mehr eigne.

Ersetzt werden soll es durch ein Gebäude, das sich schon dadurch vom bestehenden Haus unterscheidet, dass es im Erdgeschoss keine Höfe mehr besitzt, sondern durch eine Passage vom Kreisverkehr vor der Bahnunterführung her erschlossen wird. Über diesem Gebäudesockel erheben sich mehrere Geschosse, deren Innenhöfe sich in zwei Fällen zum Therese-Giehse-Platz hin öffnen und in einem Fall zur Gabriele-Münter-Straße. Aus der Vogelperspektive gesehen, wird das bestehende kammartige Gebäude also durch ein schlangenförmiges ersetzt.

Mit der Planung wurde das renommierte Münchner Architekturbüro Auer Weber beauftragt. Gründer Fritz Auer war einer der Planer des Münchner Olympiastadions. Stephan Suxdorf, einer der Geschäftsführer, erinnerte daran, dass das Büro auch schon mit der Planung der Stadthalle und der Stadtbücherei befasst war. Die Harfe wurde nicht von diesem Büro gebaut, das kann nun beim Neubau nachgeholt werden. Suxdorf stellte den Mitgliedern des Bauausschusses ein Gebäude vor, das mehreren Nutzungen gerecht werden soll. So möchten die Eigentümer am Therese-Giehse-Platz Einzelhandel, Gastronomie, Wohnungen sowie ein Hotel mit etwa 120 Zimmern unterbringen. Dieses soll in der Mitte des Gebäudekomplexes angesiedelt werden, die Wohnungen im Ostteil. Unter diesem ist auch die Einfahrt in eine Tiefgarage mit etwa 460 Plätzen geplant. Die Stellplätze sind für Bewohner, Hotelgäste, Kunden und Mitarbeiter gedacht. Das Gebäude soll eine Höhe von bis zu 25 Metern erreichen, an der Stelle der Einhausung der Gebäudetechnik wird es sogar etwa 28 Meter hoch.

Die Einbeziehung eines Hotels in den Neubau ist auch von kommunalpolitischer Bedeutung. Denn laut Masterplan für die Innenstadt sollte ein Hotel in einem neuen Gebäude neben der Stadtbibliothek an der Ecke Landsberger/Untere Bahnhofstraße einziehen. Dies jedoch war im Stadtrat umstritten, vor allem die Grünen-Fraktion sprach sich dagegen aus. Durch die Pläne für die neue "Harfe" ist der Streitpunkt wohl abgeräumt. Zweiter Bürgermeister Wolfgang Andre (CSU) sagte am Freitag, mit der Entscheidung für einen Neubau am Südrand des Therese-Giehse-Platzes gebe die Stadt zwar nicht das Ziel auf, ein Gebäude neben der Stadtbibliothek zu errichten, ein weiteres Hotel an dieser Stelle könne er sich aber nicht vorstellen.

Der Eigentümer der Harfe hat auch die bislang als Parkplatz genutzt Fläche hinter dem Edeka erworben. Weil die vorgesehene Tiefgarage genügend Stellplätze bietet, will die Firma die bisherige Freifläche ebenfalls bebauen. Vorgesehen sind dort Büros oder ein Studentenwohnheim. Die Stadt wünscht sich, dass der Neubau sowie der neue Edeka architektonisch zueinander passen. Einen Kontakt zwischen beiden Bauherren gibt es laut Suxdorf aber noch nicht.