Am Anfang stand ein Zufall Mit Mut und Begeisterung

Mehr Zeit für ihre Hobbys und die Familie will sich Christine Hochenbleicher nun gönnen. Auf dem Klostergelände wird man sie dennoch immer wieder antreffen. Nicht nur beim Entspannen, sondern auch als Verantwortliche für verschiedene Veranstaltungen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Christine Hochenbleicher hat das Veranstaltungsforum in Fürstenfeld gestaltet und geprägt - 33 Jahre lang. Nun geht die 63-Jährige in Rente. Ganz verabschieden wird sie sich aber noch nicht

Von Florian J. Haamann

Wie so oft bei interessanten Geschichten stand auch bei Christine Hochenbleicher und ihrem Engagement für das Veranstaltungsforum Fürstenfeld am Anfang der Zufall. Eigentlich war sie nur ins Brucker Rathaus gegangen, um ihre Stelle als Leiterin der Musikschule zu kündigen. "Die Sekretärin des Bürgermeisters sagte dann, wie schade sie das findet. Also habe ich gesagt, wenn ihr mal einen schönen Job habt, komme ich vielleicht wieder", erinnert sich die 63-Jährige. "Sie hat dann gesagt: Moment, der Bürgermeister sucht jemanden fürs Kloster." 33 Jahre ist dieser Moment her, und seitdem sind Veranstaltungsforum und seine stellvertretende Leiterin Hochenbleicher nicht mehr ohne einander zu denken. Zumindest war das bisher so, denn seit einigen Tagen ist Hochenbleicher in Rente und sowohl für sie als auch für Fürstenfeld beginnt eine neue Ära.

Für Hochenbleicher, die immer wieder weit mehr als zwölf Stunden am Tag im Einsatz war, heißt das nun vor allem mehr Zeit für Privates. Golf spielen, Radeln, die Enkelkinder sehen, ihre drei Söhne. Und doch wird sie dem Veranstaltungsforum nicht ganz verloren gehen. "Das ist wie bei einem Hochleistungssportler. Wenn der von einem Tag auf den anderen aus dem Training aussteigt, dann tut ihm das nicht gut". Deshalb wird sie weiterhin bei der Organisation des Kabarettwettbewerbs "Paulaner Solo" mitwirken, die Reihe "Alte Musik in Fürstenfeld" betreuen und natürlich ihr "Baby", das jährliche Konzert "Junge Stars in Fürstenfeld". "Ich denke, das Wichtigste ist, Dinge zu tun, die einen mit Freude erfüllen".

Und das ist für Hochenbleicher eben schon immer die Kultur, vor allem die klassische Musik. Sie spielt selbst mehrere Instrumente: Klavier, Quer- und Blockflöte, Akkordeon und Saxofon. Diese Leidenschaft hat auch dazu geführt, dass sie Anfang der Neunziger mehrere Jahre lang die Brucker Musikschule geleitet hat. "Seitdem habe ich ein Herz für junge Musiker. Es ist einfach toll zu sehen, was passiert, wenn sie bereit sind zu üben und nicht nur am PC sitzen". Als eines Tages ein Vater anrief und sagte, er habe zwei Töchter, die wunderbar Klavier spielten, hat Hochenbleicher die beiden zum Vorspielen eingeladen. Die beiden Mädchen waren Alice Sara und Mona Asuka Ott, heute zwei bedeutende Pianistinnen. Hochenbleicher war damals so begeistert von den beiden Mädchen, dass sie die Idee zu einer Reihe hatte, in der junge Talente gefördert werden, eben die "Jungen Stars in Fürstenfeld" - bis heute ein besonderes Konzept. Wenn Hochenbleicher über die Anfangszeit in Fürstenfeld erzählt, klingt das wie die Geschichte aus einer anderen Epoche mit viel Improvisation: Das erste Konzert fand auf dem Lehmboden der Tenne statt. Eintrittskarten gestaltete sie am Computer selbst, druckte sie aus und schnitt die einzelnen Karten mit der Schere auseinander. "Wir haben einfach viel rumprobiert. Musiker eingeladen, die dann wieder jemanden kannten, dann hat man den eingeladen. Ich war am Anfang auch für das Kabarett zuständig, also habe ich mir alles im Fernsehen angeschaut, Ottis Schlachthof und was es sonst noch so gab. Wenn mir jemand gefallen hat, haben wir ihn angefragt". Mehrere Jahre ging das so. Natürlich sah sie sich auch in der Stadt und dem Landkreis nach Künstlern um. "Mir war von Anfang an ein guter Draht zu den Vereinen wichtig. Wir können glücklich darüber sein, was wir für tolle Kulturschaffende hier vor Ort haben".

Nach den turbulenten Anfangsjahren hat sich der Betrieb im Veranstaltungsforum schnell professionalisiert. Eine Entwicklung, die ohne Hochenbleicher so nicht denkbar gewesen wäre. Sie war es, die immer das richtige Gefühl für die passende Mischung hatte, den Mut, Neuem eine Chance zu geben und Bewährtes zu bewahren. Und dabei hat sie nicht sich selbst, sondern das Team und die Kultur in den Mittelpunkt gestellt. Für die Reihen, heute ein Pfeiler des Veranstaltungsforums, hat sie Experten gefunden, denen sie vertrauen konnte. Die Zahlen bestätigen, dass das Konzept so falsch nicht sein kann. Zehn Jahre bleibt einer Abonnent seiner Reihe in Fürstenfeld im Durchschnitt treu - keine Selbstverständlichkeit.