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Altlasten:Böse Überraschung im Boden

Im Untergrund des Fliegerhorsts könnten Altlasten wie Munitionsreste oder Chemikalien schlummern. Grünen-Abgeordneter Martin Runge will den Bund in die Pflicht nehmen, das endlich zu untersuchen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Dass im Untergrund des Fliegerhorsts manch böse Überraschung lauern könnte, gilt als wahrscheinlich. Sicher ist, dass das Areal nach dem Ende 2023 anvisierten Abzug der Bundeswehr zivil umgestaltet wird. Die Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Runge sowie Warnungen der Obersten Baubehörde München dürften nun bei der Kreisstadt die Alarmglocken läuten lassen. Sinngemäß wird Kommunen davon abgeraten, vor einer umfänglichen Bodenuntersuchung- beziehungsweise Bodensanierung Grund zu kaufen, weil sie sonst auf den Kosten für die Altlastenentsorgung sitzen bleiben könnten. Runge findet es "schon erstaunlich", dass sich Bruck sowie die Anrainergemeinden Maisach, Olching oder Emmering auf die Bauleitplanung vorbereiten, ohne zuvor den Bund nachdrücklich in die Pflicht zu nehmen, Untersuchungen vorzunehmen.

Bislang richtete sich das Augenmerk auf dem Fliegerhorst vor allem auf Blindgänger oder Munitionsreste, die dort seit dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten. Vor einigen Monaten freilich rückten chemische Stoffe in den Blickpunkt. Da wurde bekannt, dass seit den Siebzigern und bis 2011 auch auf dem Fliegerhorst die Feuerwehr einen mit Chemikalien belasteten Löschschaum eingesetzt hatte. Ob von dem Gesundheitsgefahren ausgehen, wie dies in dem vermutlich stärker betroffenen Manching als wahrscheinlich gilt, ist völlig offen. Denn es gab und gibt mangels Trinkwasserbrunnen auf dem Fliegerhorst keine Messungen. Von der Bundeswehr wurde es jedenfalls nicht ausgeschlossen. Seit vier Jahren dürfen Landwirte, die ehemalige Flugplatzflächen bewirtschaften, die Ernte vorsorglich nicht mehr als Futtermittel verwenden.

Runge nahm die Berichterstattung zum Anlass für eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung. Er forderte Aufklärung über mögliche "Belastungen von Boden oder Grundwasser durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) auf dem Gelände des Fliegerhorsts Fürstenfeldbruck". Und er wollte wissen, ob es überhaupt Boden- oder Grundwasseruntersuchungen gegeben habe. In seiner Antwort verweist das Umweltministerium auf PFC-Messungen des Wasserwirtschaftsamts München am nahegelegenen Maisacher Kiessee. Letztmals 2015 sei dort untersucht worden, es hätten sich aber keine Grenzwertüberschreitungen ergeben. Die Folgerung des Ministeriums: "Insoweit besteht zunächst kein prioritärer Handlungsbedarf im Vollzug des Bundesbodenschutzgesetzes." Gleichwohl seien Teilflächen des Flugplatzes als Altlastverdachtsflächen als "mittelfristig beziehungsweise langfristig zu bearbeiten" klassiert. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck werde im Zuge einer historischen Recherche weitere Informationen erheben. Daran werde sich dann das Wasserwirtschaftsamt bei künftigen Beprobungen auf dem Gelände des Fliegerhorts orientieren.

Interessant wird das auch jenseits der möglichen Gesundheitsgefährdung für die Stadt, die die militärischen Flächen gerne aufkaufen würde, um dort eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten zu schaffen. Grundstücksbesitzer ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die im Fall von Altlasten den Verkaufspreis wohl weiter reduzieren müsste beziehungsweise den Boden entsprechend reinigen oder austauschen müsste.

Runge pocht darauf, dass der Bund gesetzlich "für die Sanierung von Altlasten auf Konversionsliegenschaften vollumfänglich verantwortlich" ist. Dieser kann sich also keinen schlanken Fuß machen und muss sich selbst kümmern. In der Broschüre "Städtebauförderung in Bayern - Militärkonversion", die die Oberste Baubehörde München 2014 veröffentlicht hat, wird sinngemäß davor gewarnt, sich vom Bund über den Tisch ziehen zu lassen - und sich als Kommune auf einen Kaufvertrag einzulassen, durch den man auch die Pflicht zur Sanierung belasteter Standorte und das oft kaum abschätzbare Haftungsrisiko übernimmt.

© SZ vom 06.04.2019
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