Alte Technik Mobile Zeiten

Ein Klassiker unter den Oldies: der VW Käfer, den der Gröbenzeller Florian Gernböck auf den Oldtimertagen dabei hat.

(Foto: Günther Reger)

Die Oldtimertage in Fürstenfeld sind alle Jahre ein Besuchermagnet. Liebhaber alter, aufpolierter Autos freuen sich heuer bei bestem Wetter am Anblick der Karossen oder kommen mit Gleichgesinnten ins Gespräch

Von Manfred Amann, Fürstenfeldbruck

Wer sich für die mobile Technik früherer Jahrzehnte begeistert, sei es als Fahrer eines alten, aufpolierten Autos oder als Interessent, für den sind die Motorworld-Oldtimertage Fürstenfeld ein Muss. Die einen wollen ihr liebevoll gepflegtes Fahrzeug zeigen und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen, andere wollen sich Anregungen holen, sich einfach nur informieren oder die selten gewordenen Zeitzeugen bewundern.

So sieht es zumindest Florian Gernböck aus Gröbenzell. Er hat zuhause unter anderem einen Mercedes 170V, Baujahr 1949, stehen, doch zur Motorworld-Messe am Wochenende ist er mit seinem VW-Käfer "Ovali", Baujahr 1953, zum Veranstaltungsforum gekommen, denn in diesem Jahr wurde neben der Klasse "70 Jahre Porsche bis 1988" beim Concorso auch die Klasse "80 Jahre Volkswagen Käfer" bewertet. Ovali wurde der Käfer wegen seines ovalen Heckfensters genannt, erzählt der 45-jährige Kaufmann, vorher sei die Heckscheibe geteilt gewesen und der ältere Käfer sei daher "Brezel" genannt worden. Gelernt habe er bei VW, daher komme wohl seine Affinität zum Käfer. Seine alten Autos habe er "noch zu Mark-Zeiten" relativ günstig bekommen. Da die Nachfrage die Preise momentan explodieren lasse, sei es schwierig für Neueinsteiger - "außer Geld spielt keine Rolle", erklärte Gernböck.

Etwa tausend Oldtimer- Autos und eine Vielzahl betagter Motorräder aus ganz Deutschland, aus Österreich, Italien, Ungarn, Schweiz und Frankreich waren auf dem Gelände des Veranstaltungsforums aufgefahren, und die Zahl der Besucher dürfte am Wochenende laut einer Kontrolleurin "bei dem Andrang" wohl die Zehntausender-Marke überschritten haben.

Eines der ältesten Autos kam aus Grafrath. Harald Lehner stellte seinen MSU 729, Baujahr 1929, aus, der seinerzeit als Saloon-Auto Furore machte und vom französischen Automobilbauer Louis Delage entwickelt worden war. "Es ist ein Hobby, kein billiges, aber eines, das Spaß macht", verriet er, und dass das Auto viel Pflege brauche. Informationen zu den Fahrzeugen gab es bei den Fahrern und bei Michael Hagemann aus Eichenau, der schon seit mittlerweile 35 Jahren Oldtimer-Treffen moderiert. Ob Porsche, Cadillac, Corvette oder Mustang, Hegemann wusste über die Geschichte, die Besonderheiten und über die Weiterentwicklung der Autos ebenso Bescheid wie über Berühmtheiten, die damit einst gefahren waren.

Viel von seinem Wissen über alte Autos gab auch Hans Straßl preis, der vor seiner Pensionierung im Deutschen Museum in München damit zu tun hatte. Bei seinen Kinderführungen, denen sich Erwachsene ebenso anschlossen, erklärte er zum Beispiel, dass die Beule in der Motorhaube beim Opel GT für den Vergaser Platz machte. Den großen Erfolg der Oldtimer-Tage schreiben die Veranstalter neben der großen Auto-Schau auch den vielen Fachvorträgen, der umfassenden Fachmesse und dem Beiprogramm zu, das zum Beispiel Bus-Stadtführungen beinhaltete. An etwa 140 Ständen konnte man Ersatzteile, zu den Autotypen passende Kleidung, Mützen, Aufkleber, Uhren oder Schlüsselanhänger erwerben, oder zusehen, wie ein "Modellbauer und Kreativgestalter" Ersatzteile herstellte. Zudem wurden Oldtimer zum Verkauf angeboten. Ein Autobastler aus Ungarn bot ein "Adler-Auto TJ Sport", Baujahr 1937 für 65 000 Euro an und ein 1963 gebautes Zündapp-Moped war für 1600 Euro zu haben. Was der Daimler Benz 190 mit 50 PS bringen sollte, den angeblich Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Hauptakteur des misslungenen Attentats auf Adolf Hitler, fuhr, war "Verhandlungssache".