Süddeutsche Zeitung

Alling:Zoff unter Geflüchteten

Das Landratsamt verlegt zwölf Afghanen aus Alling in andere Unterkünfte nach Handgreiflichkeiten mit Afrikanern

Von Peter Bierl, Alling

Regelmäßig warnen Asylhelferkreise sowie der Bayerische Flüchtlingsrat davor, dass es zu Konflikten führt, wenn viele Menschen längere Zeit auf engstem Raum zusammen leben müssen. In der Unterkunft im Gewerbegebiet in Alling soll die Situation seit Monaten eskaliert sein, es gab mehrfach Schlägereien unter den Geflüchteten, die Polizei griff ein. Das Landratsamt verlegte darum am Montag zwölf Afghanen in andere Unterkünfte.

Insgesamt lebten in dem Gebäude bislang 25 Menschen, darunter eine syrische Familie, zwölf Afghanen, eine vier- und eine sechsköpfige Familie und zwei alleinstehende junge Männer, sowie mehrere Afrikaner aus vier verschiedenen Ländern. Angeblich kam es schon vor geraumer Zeit zu ersten Streitereien zwischen einigen afghanischen Männern und Schwarzen. Zuletzt musste die Germeringer Polizei am Freitag, 5. Dezember, kurz vor Mitternacht anrücken, bei den Handgreiflichkeiten hätten die Afrikaner den Kürzeren gezogen, wie Andreas Ruch, der stellvertretende Leiter der Inspektion in Germering, berichtet.

Was der Auslöser war, wer angefangen hat oder Schuld an dem Konflikt trägt, ist schwer festzustellen. Die unmittelbar Beteiligten waren für die SZ nicht erreichbar. Angeblich soll sich ein afghanischer Familienvater als Streithansel hervorgetan haben und die Afrikaner sollen als "Affen" beleidigt worden sein, was auf eine rassistische Motivlage verweisen würde. Auch der stellvertretende Leiter der Polizei in Germering berichtete von Rassismus. Einige Afghanen hätten den Schwarzen bedeutet, sie hätten sich unterzuordnen, berichtete Ruch. Die Pressesprecherin des Landratsamtes, Ines Roellecke, sprach von "Ungereimtheiten", die verschiedenen Bewohner hätten sich nicht vertragen.

Die afghanischen Frauen und Kinder wurden hingegen von mehreren Seiten übereinstimmend als gut integriert beschrieben. Deshalb wurde in der Allinger Grundschule sehr bedauert, dass insgesamt drei Kinder nun aus den Klassen genommen wurden. Sie sei erst kürzlich darüber informiert worden, sagte die Rektorin Katharina Fürst. "Die Kinder sind die Leidtragenden", sagte Gerd Gügel, der Elternbeiratsvorsitzende. Er berichtete, dass die Streitigkeiten schon seit sechs Monaten andauern, die syrische Familie und Asylhelfer hätten vergebens versucht zu vermitteln. Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (CSU), zugleich Ansprechpartner des Helferkreises, berichtet von insgesamt fünf Vermittlungsgesprächen.

"Wir würden solche Umzüge gerne vermeiden", versicherte Roellecke. Aber in diesem Fall sei der Schritt unumgänglich gewesen. Der Umzug am Montag sei "ruhig von statten" gegangen, sagt sie. Der Elternbeiratsvorsitzende Gügel meint zwar, dass die Kreisbehörde angesichts der verfahrenen Lage kaum anders hätte handeln können, allerdings rügt er den konkreten Ablauf. Als Augen- und Ohrenzeuge spricht er von einer Panikaktion der Behörden, die Kinder hätten in Tränen aufgelöst dabei gestanden.

Die Pressesprecherin des Landratsamtes weiß über den Ablauf nichts und verweist auf die Polizei, die Amtshilfe leistete, weil die Afghanen "nicht freiwillig ausziehen wollten", sagt Ruch. Gegen neun Uhr rückte die Polizei an, laut Gügel mit einem Mannschafts- und zwei Streifenwagen. Die Afghanen hätten sich Zeit gelassen, ihre Zimmer zu räumen, weswegen die Umzugshelfer der Spedition Hand anlegten, berichtet die Polizei. Gügel hingegen erzählt, einige Afrikaner hätten Möbel und Habseligkeiten verladen, durchaus mit Freude. Er fürchtet, dass das für weiteren Unmut sorge und geeignet sei, Ressentiments zu schüren.

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SZ vom 16.12.2020
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