Die griechische Mythologie haben heutzutage nicht mehr viele im Detail parat. Homers Erzählungen von den Irrfahrten des Odysseus und von seiner geduldig auf seine Heimkehr wartenden Penelope sind jedoch den meisten geläufig. Was sich damals aber wirklich zugetragen hat, was die Treueste aller Frauen, die einsam in Selbstmitleid dahinwelkende Königin von Ithaka, genervt von geifernden Freiern, tatsächlich durchgemacht und was sich bei der Heimkehr des Helden wirklich ereignet hat, ist derzeit im Allinger Bürgerhaus quasi live zu erleben. Der Kultur- und Theaterverein Alling (KTV), der seit mehr als 30 Jahren anspruchsvolles Theater bietet, bringt mit der Komödie „Penelope“ von Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller „die allerwahrste Wahrheit über Odysseus und sein Weib“ auf die Bühne, wie es im Untertitel heißt.
Das gelingt „auf geniale Weise“, wie eine Besucherin bei der Premiere lobt, was auch der häufig im vollen Saal ertönende Szenenapplaus belegt. Erlebenswert ist das von Regisseur und KTV-Chef Christof Schachtl verarbeitete Wechselspiel zwischen damals und heute, das die Vizechefin des Ensembles, Hermine Weyl, anfangs erläutert. So erfreut sich zum Beispiel Odysseus, von Newcomer Matthias Handel variantenreich in Gestik und Mimik dargestellt, nach seiner Rückkehr an seinem einst zurückgelassenen Badeentchen. Regisseur Schachtl hat den Zweiteiler in eine Schulsituation mit Christina Furtner als Lehrerin gesetzt, die auch als Seherin auftritt und dann „besser als das Orakel von Delphi“ ist. Damit alles verstanden wird, wird es auf der Bühne manchmal Bairisch – und Penelope, von Melanie Angermeier fabelhaft gespielt, darf ihre Dienerinnen Melantho (Magdalena Schachtl) und Euryklea (Melina Contro) schon mal „Schlampen“ nennen.
Da die Dienerinnen dazu beitragen, dass Homers Klassiker verfälscht wird, kommt der Dichter selbst auf die Bühne, verkörpert von Peter Fömpe, um der Geschichtsklitterung Einhalt zu gebieten. In der lebhaften, kurzweiligen und mit neuzeitlichen Musik- und Gesangseinlagen untermalten Aufführung wird auch klar, dass bei den alten Griechen ohne Götter nichts ging. Athene, Göttin der Weisheit (Kerstin Obermaier), sowie Poseidon, der Herr der Gewässer (Gerd Gügel), brillieren in ihren Rollen als Wächter über das Geschehen, das gelegentlich Alling sehr nahekommt. Zum Beispiel, wenn Poseidon droht, mit seinem Dreizack den Starzelbach mächtig aufzuwühlen.
Auf dem Königshof von Ithaka muss es damals hoch hergegangen sein, als sechs Freier um Penelopes Gunst wetteiferten. Aber die „hochadeligen“ Brautwerber hatten offensichtlich ein schönes Leben, bei Pitabrot und gutem Wein. Hans Peter Contro, Magdalena Schachtl, Christina Furtner, Matthias Handel und Angelika Schmid machen als Freier das Stück lebendig und amüsant. Einer von ihnen, Pisander (Lukas Ranftl), schafft es schließlich, „Penelope zu besteigen“, wie eine Dienerin frivol angehaucht feststellt. Aber wird der Jüngling auch König, was passiert mit Odysseus und wie endet der Mythos? Diese Fragen werden auf der Allinger Bühne unterhaltsam, mit Blitz und Donner versetzt, beantwortet.

Wieder interpretiert der KTV ein Bühnenstück in vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit mit sich selbst fordernden Laiendarstellern. Dabei fing alles vor über drei Jahrzehnten nach einer Schulaufführung von Eltern für Kinder klein an. „Es hatte uns Spaß gemacht, und wir hatten uns vorgenommen, Kultur nach Alling zu bringen“, erinnert sich Gründungsmitglied Angelika Schmid. Seinen größten Erfolg hatte der KTV 2002 bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde mit Carl Orffs „Bernauerin“, was bis heute nachwirkt. Die Schauspielerin Godela Orff, die mittlerweile verstorbene Tochter des Komponisten, hatte die Schirmherrschaft übernommen. Von vielen unvergessen sind auch die Kindertheater und die szenischen Darbietungen zur Ortsgeschichte.
Weitere Aufführungen von „Penelope“ gibt es am 24., 25. und 30. April, sowie 2. Mai, jeweils um 20 Uhr, und am 26. April und 3. Mai um 19 Uhr. Karten gibt es online mit Platzreservierung unter www.ktv-alling.de oder telefonisch unter 0174/8295386 sowie an der Abendkasse.

