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Alling:Teures Kinderhaus

Projekt steht wegen der hohen Kosten auf dem Prüfstand

Von Manfred Amann, Alling

Die Errichtung des neuen Kinderhauses für sechs Gruppen in Allings Ortsmitte verzögern sich. Fraglich ist, ob sich die genehmigte Planung überhaupt umsetzen lässt. Grund sind die horrenden Kosten, die von Anbietern bei der Ausschreibung gefordert wurden. Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (CSU) spricht von "Schockstarre und Schnappatmung" bei der Eröffnung der Ergebnisse - und dass in der extra für die Vergabe angesetzten Sondersitzung des Gemeinderates zunächst nur Ratlosigkeit geherrscht habe.

Aufgrund der unerwarteten Situation müsse die Planung überdacht und nach Sparmöglichkeiten gesucht werden, bevor erneut eine Ausschreibung erfolgen könne. Wie der Bürgermeister erläuterte, lag das günstigste Angebot für die Rohbauarbeiten knapp 43 Prozent über der Kostenberechnung. "Das teuerste lag sogar beim Doppelten", sagte Joachimsthaler. Eine intensive und vor allem schnelle Überarbeitung der Pläne sei nötig.

Ohne Gegenstimme sei die Ausschreibung mit der Begründung aufgehoben worden, dass die Vergabeunterlagen grundlegend geändert werden müssten. Bei der Elektro- und Fernmeldetechnik wurden die Kosten ebenfalls erheblich überschritten, bei der günstigsten Offerte um 25 Prozent. Daher beschloss der Gemeinderat auch hier einstimmig, die Ausschreibung aufzuheben. Bei der Ausschreibung für die Fördertechnik, also für Aufzug und dergleichen, überstieg das Angebot des günstigsten Unternehmens den Kostenansatz um fünf Prozent. Aufgrund der "akzeptablen Überschreitung" stimmte der Gemeinderat einer Verlängerung der Bindefrist um drei Monate zu. "Wir müssen uns neben der Suche nach Einsparmöglichkeiten auch über eine flexiblere Bauzeit Gedanken machen", sagte der Bürgermeister. Denn der für das Frühjahr angesetzte Baubeginn werde sich hinausschieben und damit auch der Zeitpunkt der Fertigstellung. Die auf Kirchengrund errichtete Container-Anlage wird noch länger als Ausweich-Kita herhalten müssen.

Das neue Kinderhaus war noch in der Wahlperiode unter Leitung von Bürgermeister Frederik Röder (CSU) durchgesetzt worden. Zuvor hatten Bürger gegen den Bau protestiert, weil dadurch der Sportplatz im Schulbereich um etwa die Hälfte verkleinert werden muss. Vor allem von den Grünen und der Allinger Bürgervereinigung waren kostengünstigere Alternativen zum "pompösen Gebäude" ins Spiel gebracht worden. Letztlich war der Bauplan für das mehr als sechs Millionen Euro teure Projekt jedoch einstimmig beschlossen worden.

© SZ vom 29.01.2021
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