Auf dem Gemeindegebiet von Alling soll bald eine riesige Freiflächen-Photovoltaik-Anlage Strom erzeugen. Nördlich und südlich der Einöde Angerhof ist auf einer Fläche, die 45 bis 50 Fußballfeldern entspricht, ein Solarpark geplant, auf der trotz vieler großer Paneele landwirtschaftliche Nutzung möglich bleibt. Für das ambitionierte Agri-PV-Projekt wird die seit knapp 15 Jahren bestehende Swing-Golf-Anlage am Angerhof geopfert. Das trifft den Swing-Golf-Club (SGC) Alling hart. Eine neue Heimat zu finden, wird laut dem Vorsitzenden Jochen Franz nicht einfach.
Obwohl einige Gemeinderäte, besonders aus den Ortsteilen Biburg und Holzhausen, massive landschaftsästhetische Auswirkungen „vor der Haustüre“ befürchten, haben die Allinger Ortspolitiker mehrheitlich die Einleitung des Planungs- und Genehmigungsverfahrens für die PV-Anlage auf den Weg gebracht. Begründet wurde das mit dem Willen, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten und dem Klimawandel entgegenzuwirken. „Wir brauchen solche Anlagen, um den Energiemix hinzubekommen“, findet Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (CSU). Allerdings ist er mit Ratskollegen aus den Ortsteilen „wenig begeistert“, dass nicht nur südlich des Einödhofes, sondern auch auf dem abfallenden Gelände zwischen Angerhof und Holzhausen Module aufgestellt werden sollen und so das gewachsene Landschaftsbild zerstört wird.
Wie der Rathauschef andeutet, gab der Gemeinderat seine Zustimmung in erster Linie deshalb, damit der Vorhabensträger im Zuge der Planung abklären kann, welche Haltung die Träger öffentlicher Belange, etwa der Bund Naturschutz, dazu einnehmen. Tatsächlich suchen auf dem Höhenrücken von Germannsberg bis zum Jexhof viele Radfahrer und Wanderer Ausgleich und Erholung. Die Doppelnutzung – Strom- und landwirtschaftliche Produktion – wird im Gemeinderat grundsätzlich befürwortet. Denn der Lebensmittelproduktion wird so weniger Ackerfläche entnommen als bei reinen Solarparks.
Die Allinger verspüren in Sachen Energiewende eine gewisse Bringschuld, da auf ihren Gemeindefluren keine Windräder errichtet werden können. Der Grund: Bei deren Betrieb würden Bodenerschütterungen die vom Geophysikalischen Observatorium auf der Ludwigshöhe bei Fürstenfeldbruck durchgeführten Erdbeben-Messungen stören. Durch die Solarstrom-Produktion könnte die Gemeinde dies ausgleichen und helfen, die Energiewende in der Region merklich voranzubringen, denken einige Ratsmitglieder. Die Kommune will sich zwar an einem von den Stadtwerken Fürstenfeldbruck auf Gilchinger Flur geplanten Windradprojekt beteiligen, kann sonst aber nur auf PV-Anlagen setzen, um die Abkehr von fossilen Energieträgern zu unterstützen. Letztlich müsse man die Frage stellen, „wollen wir die Energiewende oder nicht“, um zu entscheiden, ob das Solarprojekt unterstützt werden soll, findet Vizebürgermeister Hans Friedl (FW).

Auf Ablehnung stößt der Agri-Solarpark vor allem bei der Dorfgemeinschaft Biburg-Holzhausen. „Einfach zu groß“ sei die Anlage, zu massiv der Eingriff in die schöne Kulturlandschaft, findet dritter Bürgermeister Florian Naßl, der in Holzhausen wohnt. Mit seinen Fraktionskollegen teilt er die Ansicht, dass das abfallende und von Neuried und Holzhausen aus gut einsehbare Gelände nicht in die Planung einbezogen werden sollte, um das Landschaftsbild und den Erholungsraum nicht zu zerstören.
Auf fünf Flurstücken mit insgesamt etwa 35 Hektar sollen bis zu sechs Meter hohe Solarmodule so aufgestellt werden, dass dazwischen mit landwirtschaftlichen Geräten gearbeitet werden kann. Dazu werden die Paneele, die sich automatisch der optimalen Sonneneinstrahlung zudrehen, vorübergehend senkrecht gestellt. Angestrebt wird eine Stromproduktion von rund 28 Megawattpeak jährlich, womit bis zu 9000 Haushalte versorgt werden könnten – also deutlich mehr, als es in der Gemeinde gibt. Zu prüfen ist jedoch erst einmal, wo der erzeugte Strom ins Netz eingespeist werden könnte. Man könnte Synergieeffekte mit dem Windkraftprojekt in Gilching nutzen, für das sich die Netzinfrastruktur in Planung befindet, glaubt Allings Rathauschef.

Den SGC Alling traf die Ankündigung der Planung unerwartet. Der Klub ist aktueller Meister in der Bundesliga Süd im Swing-Golf. Die seltene Sportart, eine vereinfachte Golfvariante, wird mit nur einem Schläger und einem größeren Ball gespielt. Weil es nur ganz wenige Anlagen gibt, müssen die knapp 50 Mitglieder Ausschau halten, wo sie künftig trainieren und Spiele austragen können. 2024 hatte der SGC Alling auf der 18-Loch-Anlage ihre Gründung vor zehn Jahren gefeiert.
Nun müsse fieberhaft nach Möglichkeiten zum Trainieren gesucht werden, klagt der Vorsitzende. Die Chancen jemals wieder auf einem eigenen Platz spielen zu können, hält er für „sehr gering“. Zunächst müsse der Verein sein gewohntes Swing-Golf-Angebot auf dem Angerhof komplett einstellen. Die Anlage war 2011 vom Eigentümer Andreas Wiedmann angelegt worden. Danach hatte der SGC das Gelände gepachtet, Mitglieder hatten das Spielfeld weiterentwickelt und zu einem anerkannten turnierfähigen Platz gemacht.

