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Alling:Kritik am Bürgermeister

Ratsmitglieder werfen Frederik Röder vor, den Teilabriss des Rathauses voreilig durchgesetzt zu haben

Das Rathaus mit dem Gebäude "Alte Schule2" wird wenigstens ein Jahr länger Baustelle bleiben, als geplant. Weil bei der Ausschreibung von sieben Gewerken für zwei gar kein Angebot eingegangen ist und für die anderen fünf deutlich höhere Preise gefordert werden, als in der Kostenrechnung veranschlagt, wird der Gemeinderat die Ausschreibung zurückziehen, in der Hoffnung durch eine zweite, mehr und günstigere Angebote zu bekommen. Besonders ärgerlich ist, dass der Mittelbau des Rathauses bereits abgerissen ist und die Gemeindeverwaltung daher viele Monate mehr als geplant in den beengten Räumlichkeiten und Containern arbeiten muss.

Zudem muss die Jugend deutlich länger als geplant ohne Domizil auskommen und Rats- sowie Ausschusssitzungen müssen weiterhin im Bürgerhaus stattfinden. Nachdem Frederik Röder (CSU) bei den Finanzberatungen eröffnet hatte, dass alleine die fünf eingegangenen Angebote die Finanzplanung von 450 000 um etwa 25 0 000 Euro übersteigen würden, waren die Finanzmitglieder schockiert. Der Bürgermeister sah sich heftigen Anwürfen ausgesetzt. Röder wurde vorgeworfen, trotz Warnung den Abriss des Mittelbaus voreilig in Auftrag gegeben zu haben. Da nun der Bauzaun ein Jahr länger stehen belieben müsse, sei die Kostenbelastung höher.

Für Hubert Winkler (SPD) sind die abgegeben Preisvorstellungen der Handwerksbetriebe als "Abwehrangebote" zu werten, "da die Firmen ausgelastet sind und sich lieber mit größeren Projekten beschäftigen als mit dem nicht unproblematischen Aus- und Umbau des Allinger Verwaltungsgebäudes". Vizebürgermeister Hans Schröder (parteifrei) hatte vor dem Abriss angeregt, wenigstens das Winterhalbjahr noch abzuwarten, damit die Jugend den Winter über nicht ohne Bleibe zurechtkommen muss, war aber gescheitert. "Man hat meinen Rat in den Wind geschlagen, jetzt haben wir unnötig Probleme" sagte der Vizebürgermeister auf Anfrage der SZ. Der Abbruch sei "ohne Not und eigenmächtig" von Röder in Auftrag gegeben worden und "nun haben wir den Salat", beklagt Simone Stenzer von den Freien Wählern. Es habe dafür keinen Gemeinderatsbeschluss gegeben. Ob es bei der nächsten Ausschreibung preiswertere Angebote eingehen, sei aufgrund der Beschäftigungslage eher zu bezweifeln.

Dass Röder in der Ausschusssitzung auch noch vorschlagen habe, 180 000 Euro für eine "Bretterbude für die junge Mannschaft" in den Etat 2020 einzustellen, die man auf dem Sportplatz errichten könne, hielt ihrer Aussage nach nicht nur sie für "aberwitzig". Nach kontroverser Diskussion sei der Antrag jedoch wieder zurückgezogen worden. Nicht nur sie sei der Ansicht, dass es nun an der Zeit sei, die Planung neu zu überdenken. So wie Vizebürgermeister Schröder einst vorgeschlagen habe, wäre jetzt die beste Gelegenheit ein Gesamtkonzept Rathaus zu entwickeln und dabei auch einen Neubau mit einzubeziehen. Statt das betagte Gebäude "Alte Schule" kostspielig zu sanieren und umzubauen, sollte man einen großen Wurf wagen.

© SZ vom 24.01.2020
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