Alling:Wo Pferde sich wohlfühlen dürfen

Lesezeit: 3 min

Der Pferdestall am Hof von Benedicte Fischer wird umgebaut. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Benedicte und Georg Fischer wollen das Hofgut Holzhausen neu nutzen und investieren derzeit kräftig. Dafür ist Geld, aber auch jede Menge Idealismus nötig.

Von Manfred Amann, Alling

Auf das Hofgut Holzhausen kommt man derzeit nur über den Feldweg südlich des Dorfes, zur Hauptstraße hin versperrt ein Bauzaun den Zugang. Handwerker sind unentwegt dabei, die etwa hundert Jahre alten Gebäude und das etwa 5300 Quadratmeter umfassende Hofgelände des ehemaligen Pferdebetriebes zukunftsfähig zu machen. Wer sich von Benedicte Fischer zeigen lässt, was so alles schon gemacht wurde und was noch ansteht, erlebt eine engagierte Eigentümerin, die mit Leidenschaft, gewürzt mit einem Quäntchen Idealismus, keinen Zweifel aufkommen lässt, dass sie und ihr Mann Georg sich einen Traum erfüllen wollen. "Wir wollen weg von der klassischen Pferdebetreuung und den Hof in eine Art Pflege-, Reha-, Ausbildungs- und Seminarzentrum verwandeln, das alles umfasst, was für eine artgerechte Pferdehaltung von Bedeutung ist", verrät die 49-jährige Industriekauffrau, die sich schon seit ihrer Kindheit für Pferde begeistert. Sie kann sich auch vorstellen, auf dem Hof Tage der offenen Tür mit Programm, öffentliche Veranstaltungen und sogar Hochzeitsfeiern zu organisieren.

Die Konzentration nur auf die wirtschaftliche Ausrichtung wäre aber zu kurz gegriffen, denn die Fischers wollen auch unter Beweis stellen, dass es sich lohnen kann, alte Bauwerke und Hofanlagen mit neuen Leben zu füllen. "Wir hätten auch Ratschlägen Bekannter folgend alles abreißen und dafür zehn Einfamilienhäuser oder zwölf Doppelhäuser errichten können", erzählt sie "Das ist aber nicht unser Ding, wir wollen das wunderbare Ensemble vor dem Verfall bewahren." Auch wenn nach der Übernahme des Anwesens schnell klar geworden sei, dass das Vorhaben nicht nur eine Menge Arbeit bringen, sondern auch viel Geld und vor allem Geduld kosten werde, "haben wir uns nicht abbringen lassen", betont Benedicte Fischer und merkt an, "irgendwie die Katze im Sack gekauft" zu haben.

Benedicte Fischer will einen anderen Umgang mit Pferden vermitteln. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Vorbesitzer hätten die Versteigerung des Anwesens über Jahre hinauszögern können, die Räumung geschoben, Besichtigungen verweigert und in dieser Zeit und auch davor für die Erhaltung des Hofes quasi nichts getan. Daher sei es zunächst wichtig gewesen, aufzuräumen und wichtige Arbeiten zu erledigen, die den weiteren Verfall unterbinden. Die Regenrinnen seien zum Beispiel löchrig oder abgerissen und Drainagen kaputt gewesen, so dass Wasser in die Fundamente habe eindringen können. Um im Haupthaus und auch im Stall die Wände trocken zu bekommen, seien in Bodennähe Chromstahlbleche in die Mauern eingezogen worden, um ein weiteres Aufsteigen von Feuchtigkeit zu verhindern.

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Mittlerweile hat die Familie, ein Sohn, eine Tochter, das Wohnhaus bezogen. "Wir leben auf einer Baustelle und wissen nicht, wie lange noch", sagt Benedicte Fischer, ohne den Eindruck zu erwecken, dass ihr das ihren Mut zu Neuem und Schönem nehmen könnte. Da ihr Mann über vielseitiges handwerkliches Geschick verfüge und jede freie Minute, die er sich als Elektroingenieur freischaufeln könne, selbst mit Hand anlege, sei sie sehr zuversichtlich schon bald -vielleicht in ein, zwei Jahren - einen für Pferd und Reiter anspruchsvollen Gutshof mit gehobener Ausstattung und umfassender Betreuung auf hohem Niveau führen zu können.

Die Gebäude sind 100 Jahre alt und bedürfen dringender Sanierung. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Luftige Boxen

Inzwischen ist der Pferdestall innen so umgestaltet, dass den bereits eingezogenen Tieren luftige Boxen mit freiem Blick zur Verfügung stehen. Auf Säulen gestützte bogenförmige Überbauungen, das alte Deckengewölbe und vom Mörtel befreite Wände bilden dafür ein ansprechendes Ambiente. Auch die Außenwände sind vom Mörtel befreit. Noch im Werden sind eine Wasch- und Trocknungsanlage mit "Pferdesolarium", Räume für Sättel und Zaumzeug sowie für die tierärztliche Versorgung. Bereits genutzt werden neben Boxen eine überdachte Reithalle, Pferdekoppeln und Ausreitmöglichkeiten. Im Innenhof stehen noch Container-Boxen vom Vormieter. Die müssen aber raus, denn die Fischers wollen einen prachtvollen Hof gestalten, der zum Beispiel mit formschönen, großen Kandelabern ausgeleuchtet wird. Auf dem Gelände befinden sich bereits in durchdachter Anordnung alte Amphoren und die Zugänge zu den einzelnen Bereichen sind mit metallenen Pferdeköpfen bestückt. Vieles, wie die Säulen für den Stall oder die Pferdeköpfe, haben sie auf Ausstellungen erstanden oder im Internet gefunden.

Baustellen, wohin man auf dem Hof der Fischers sieht. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Viel Arbeit steckt das Ehepaar Fischer in den Ausbau und in die Gestaltung einer beheizten Lounge und einer großzügigen Süd-Terrasse, eines Bereichs, der zum Erholen, Entspannen und auch zum Feiern einladen soll. "Unser Hofgut Holzhausen steht für Zucht/Aufzucht, Sport, Reha unter einem Dach! Qualität, Individualität und Ambiente rund um Pferd und Reiter!", verspricht die Familie auf ihrer Homepage. Für Benedicte Fischer wäre es eine Belohnung für alle Entbehrungen und eine Krönung zugleich, wenn am Ende, zum Beispiel auf dem Dach der Reithalle, ein Storchenpaar heimisch würde.

Der massive Pferdekopf zeigt die Zweckbestimmung des Hofgutes. (Foto: Carmen Voxbrunner)
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