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Aktualisiertes Heft:Was Wohnen in Germering kostet

Neuer Mietspiegel dient der Orientierung auf dem Markt

Von Selina Deger

Die Stadt Germering hat wieder einen neuen Mietspiegel veröffentlicht. Alle zwei Jahre wird er neu berechnet. Die mittlere Nettomonatsmiete pro Quadratmeter liegt nun bei 10,90 Euro. 2018 waren es noch 10,33 Euro, was eine Steigerung von 57 Cent bedeutet. Errechnet wurden diese Werte aus Angaben von Mietern und Vermietern.

Der Mietspiegel, ein 13-seitiges Heft, ermöglicht es, die ortsüblichen Mietpreise zu ermitteln und dient so zur Orientierung. Er solle "ein Instrument des Ausgleichs und der Transparenz für Vermieter und Mieter" sein, sagt Oberbürgermeister Andreas Haas. Vermieter könnten ihn beispielsweise zur Begründung einer Mieterhöhung verwenden, Mieter als rechtlich anerkanntes Dokument im Mietstreitfall vor Gericht. Letzteres komme jedoch sehr selten vor, sagt Peter Irrgeher, Rechtsanwalt für Mietrecht aus Gröbenzell.

Jede Stadt kann einen Mietspiegel berechnen, das ist jedoch nicht verpflichtend. Die Ermittlung sei mit viel Aufwand und auch Kosten verbunden, was einen Grund darstellen könnte, warum nicht jede Kommune im Landkreis einen solchen Mietspiegel hat, sagt Irrgeher.

Für die Erhebung händigte die Stadt den Mietern in Germering Fragebögen aus. Dieser wurde für die Erhebung 2020 nochmals angepasst, präzisiert und um einzelne Antwortkategorien erweitert. So kam beispielsweise die Frage hinzu, ob es sich bei dem gemieteten Objekt um eine Dachgeschosswohnung handelt. "Wir hoffen wir werden jedes Mal besser", sagt Professor Helmut Küchenhoff. Außerdem seien im angepassten Fragebogen diesmal mehr geschlossene Fragen gewesen, bei denen die Befragten nur ja oder nein ankreuzen mussten. "Die Leute tun sich mit diesen Fragen leichter", sagt Küchenhoff.

Laut des statistischen Gutachtens blieben von den 1594 zurückgeschickten Fragebögen am Ende 788 für die endgültige Analyse übrig. Die anderen Fragebögen wurden wegen widersprüchlicher und unvollständiger Angaben aussortiert. Außerdem flossen die Bögen nicht in die Analyse ein, bei denen angegeben wurde, dass sich die Miete in den letzten sechs Jahren nicht geändert habe. Wohnungen, die gewerblich genutzt werden, Sozialwohnungen und ermäßigte Mieten aufgrund von Dienst-, Arbeits-, Verwandtschafts- oder Freundschaftsverhältnissen wurden ebenfalls aussortiert.

Abgefragt wurden die Wohnfläche, das Baujahr, die Sanitärausstattung und viele andere Merkmale der Wohnung. Insgesamt 26 Fragen umfasste der Bogen. Bei der Bewertung wurden Wohnungsmerkmale hinzugezogen, die entsprechende Zu- oder Abschläge bedeuten. So bekam eine Wohnung, die ein zweites Bad besitzt, für die diesjährige Berechnung einen Zuschlag von 1,25 Euro.

Auch Immobilienseiten im Internet bieten Mietspiegelpreise an. Küchenhoff hat jedoch Bedenken, wie verlässlich diese Werte sind: "Bei diesen Berechnungen werden Zufallsstichproben der Anzeigenpreise gemacht und auch die Wunschpreise der Vermieter mit einbezogen. Daher unterscheiden sich die Preise oft von den realen Werten". Zudem seien Internet-Mietspiegel nicht vor Gericht verwertbar.

Für Häuser mit weniger als vier Wohnungen gilt der Mietspiegel nicht, hier kann er lediglich als Orientierungshilfe verwendet werden. Erhältlich ist die Infobroschüre für drei Euro am Infopoint im Rathaus Germering. Zwei Jahre ist der aktuelle Mietspiegel nun gültig, dann wird er aktualisiert.

© SZ vom 12.09.2020

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