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Aktion gegen Rassismus:Flagge zeigen

Helferkreis Asyl

Vorsitzender Hans Sautmann (links) und Nicola Guttenthaler informieren einen Passanten an einem Stand über die Arbeit des Asylhelferkreises.

(Foto: Günther Reger)

Eichenauer Asylhelfer unterstützen Aufruf von Pro Asyl und Amnesty International. Ihr Informationsstand wird überwiegend positiv aufgenommen

Von Katharina Knaut, Eichenau

"Schützt Flüchtlinge und alle, die von rassistischer Hetze und Angriffen bedroht werden." So lautet nur eine der Forderungen, die Pro Asyl, Amnesty International und noch einige weitere Organisationen in der bundesweiten Aktion "Hand in Hand gegen Rassismus" an Politiker richten. Auch der Asylhelferkreis in Eichenau beteiligte sich kürzlich an der Aktion, um zu zeigen, dass er hinter seinen Schützlingen stehe. Zusammen mit ein paar Asylbewerbern präsentierten sie sich mit selbst gemachtem Brot eines Asylbewerbers und Plakaten in der Öffentlichkeit. Auf diese Weise wollten sie mit den Eichenauern ins Gespräch kommen, um Vorurteile auszuräumen, erklärt Nicola Guttenthaler, die sich im Vorstand des Kreises engagiert. Eichenau sei jedoch, was das betrifft, bisher eine "heile Welt". Es habe nur ein paar Beschwerden von Anwohnern gegeben, die in der Nähe der Asylunterkünfte leben. Das Problem sei, dass die Flüchtlinge in der Unterkunft über kein Handynetz verfügen und nachts oft nach draußen gingen, um mit ihren Familien zu telefonieren, erklärt sie. Das störe einige Anwohner. Abgesehen davon habe sie kaum Rassismus erlebt.

Ganz so heil ist Eichenau jedoch nicht. "Man kann sie doch nicht alle reinlassen," äußert sich ein Besucher der Stände. Die Wohnungssituation sei ohnehin schon prekär, "da braucht man sich nicht noch eine Million dazuholen". Das führe nur dazu, dass die ohnehin schon kaum bezahlbaren Mieten noch weiter steigen, sodass ein weniger gut verdienender Deutscher die Preise schon bald nicht mehr bezahlen könne. "Der Wohnungsmarkt wird kaputt sein." Darüber hinaus zwinge die momentane Situation Deutschland, Verträge mit Diktaturen abzuschließen. "Die verrückte Merkel hat uns soweit gebracht, dass wir das machen müssen." Hinzu komme steigende Problematik in manchen Vierteln. "Diese Probleme schaffen wir uns, in manche Viertel traut man sich schon gar nicht mehr."

Guttenthaler kann darüber nur den Kopf schütteln. Ihrer Erfahrung nach sind die Asylbewerber sehr höflich, neugierig und lernwillig. Die Vorurteile und damit der Rassismus entstünden ihrer Meinung nach vor allem aus der Angst der Menschen, die durch die ungeschickte Politik der Regierung noch weiter geschürt werde. Wenn Politiker immer nur Zahlen veröffentlichten, welche Kosten die Asylbewerber bereiteten, führe das zwangsläufig zu Angst, vor allem unter den sozial Schwachen, erklärt sie. In Eichenau sei der Lebensstandard sehr hoch, aus diesem Grund halte sich der Rassismus in Grenzen. Abgesehen von diesem Zwischenfall habe sie auch an diesem Tag vor allem positive Reaktionen erlebt. "Einige sind gekommen und meinten, es ist toll, was ihr hier leistet." Viele zeigten sich neugierig und haben Fragen gestellt. Es seien auch schon einige vorbei gekommen, die Spenden angeboten haben, erklärt Guttenthaler. Die Spendenbereitschaft in Eichenau sei von Anfang an sehr groß gewesen und bisher nicht abgerissen.

Diese positive Haltung zeigte auch eine junge Besucherin. Sie unterstütze es sehr, dass Flüchtlinge und der Helferkreis in die Öffentlichkeit gingen, meinte sie. "Ich bin extrem gegen Rassismus." Den dürfte es ihrer Meinung nach nicht geben. "Es ist einfach dumm."

© SZ vom 29.03.2016
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