Ein sonnig-heißer Tag im Mai. Schmetterlinge tanzen über den blühenden Pflanzen und Sträuchern an der Maisach am Westrand von Nassenhausen. Nahe der Ortsverbindungsstraße nach Luttenwang unterhalten sich Jugendliche auf einer stufigen Uferbefestigung. Aus Steinblöcken geschaffen, erinnert das kleine Bauwerk an ein antikes Forum. „Der Platz an der Maisach, wie wir ihn schlicht nennen, ist sehr begehrt, hier treffen sich Jung und Alt, sogar Partys werden gefeiert und Radfahrer und Wanderer machen hier gerne Rast“, erzählt Margit Pesch. „Am frühen Morgen, wenn Nebelschwaden über dem flachen Wiesengelände wabern oder abends, wenn die Sonne am Horizont verschwindet, ist es hier am schönsten“, findet fast schwärmerisch die Kommunalpolitikerin, die jüngst als Vizebürgermeisterin bestätigt wurde.
Dass der Platz gut angenommen wird, freut Michael Raith. In seiner 24-jährigen Amtszeit als ehrenamtlicher Bürgermeister von Adelshofen, zu der Nassenhausen und Luttenwang im „Maisachwinkel“ gehören, war der Platz im Zuge einer Dorferneuerung gebaut worden, „um einen Ort zu schaffen, von wo aus das reizvolle Maisachtal gut zu überblicken ist“. Im Rücken des Platzes erhebt sich majestätisch die Pfarrkirche St. Martin, die für das kleine Dorf etwas protzig daherkommt. Auf das Gotteshaus blickt in Stein gemeißelt der einstige örtliche Adelsherr Selipert. Der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes zufolge schenkte dieser im Jahre 814 dem Freisinger Bischof Hitto Besitzungen und seine Kirche. Daran soll die von Bildhauer Franz Hämmerle aus Windach aus Anlass der 1200-Jahr-Feier geschaffene Skulptur erinnern.

In der Urkunde wird die Siedlung als „Husir“ bezeichnet, in späteren Dokumenten ist von Husun und von Hausen die Rede. „Unter uns heißt unser Dorf immer noch Hausen“, erzählt Pesch, wodurch sich die Frage stellt, wie es zur Ortsbezeichnung Nassenhausen kam. Wer an Nässe und Wasser denkt, „liegt sicher nicht verkehrt“, sagt Raith.
Um die Frage zu erklären, führen die beiden zu einem idyllischen Fleck zwischen Kirche und Maisach, wo ein kaum noch genutztes Brückchen von hohen Bäumen beschattet wird und der Blick weit in die Maisachniederung reicht. Der Fluss, 853 erstmals erwähnt als Meisaha, mäandert seit Jahrtausenden als Zufluss der Amper durch die Landschaft und hatte auch bei Nassenhausen sumpfige und moorige Wiesen geschaffen. „Hier wurde Seegras gewonnen, zu Zöpfen geflochten und dann verkauft“, weiß Margit Pesch. Aus dem ursprünglichen Hausen war aufgrund der „Nässe“, aber auch zur Abgrenzung von anderen Hausen in der Region, ab der frühen Neuzeit dann der offizielle Ortsname geworden: das „feuchte Hausen“ eben.


Wie Raith und Pesch erzählen, werden am Brückchen immer wieder Gottesdienste gefeiert. 2017 sei hier eine „Massentaufe“ für neun Kinder aus der Region zelebriert worden. Dass das etwas mehr als 400 Einwohner zählende Dorf eine große Kirche besitzt, hat aus Sicht der beiden Ortskundigen zwei Gründe. Zum einen, weil ihr Bau von zwei hochkarätigen Klerikern gefördert und zum Teil auch finanziert wurde. In dem von 1914 bis 1916 im neobarocken Stil errichteten Gotteshaus hängen Bilder von den Gebrüdern Hartl. Alois war Weihbischof und Martin Domdekan, und weil beide mit Eugenio Pacelli, dem Nuntius von Papst Benedikt XV., befreundet waren, soll dieser zur Kirchenweihe nach Nassenhausen gekommen sein, bevor er zu Papst Pius XII. gewählt wurde.
Zum anderen glaubt Pesch, dass der Bau nur möglich war, weil der Zusammenhalt „schon immer einmalig“ war. Viele Arbeiten seien damals ehrenamtlich geleistet worden. „Und vieles danach auch“, sagt sie voller Zuversicht, dass der Gemeinschaftssinn auch aktuell noch wirkt und es ermöglicht, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten. Zwei Millionen Euro seien dafür veranschlagt, „vielleicht schaffen wir es mit halb so viel“. Im Gotteshaus hängt zudem ein Votivbild, das an die Zeit von Kaiser Napoleon erinnert. Es zeigt die Dankbarkeit einer Familie und wohl auch des ganzen Dorfes, von französischen Truppen nicht überfallen und geplündert worden zu sein.


Unweit der Kirche ist noch das Gasthaus Eibl bewirtschaftet, als Letztes von ursprünglich dreien. Das Wirtshaus und sein schattiger Biergarten seien „der gesellschaftliche und soziale Treffpunkt“, betont Raith, in dem auch Vereine wie die Schützen beheimatet seien. Korbinian und Angela Eibl sperren bei Bedarf zu Vereins- und Familienfeiern sowie für Stammtische und Frühschoppen auf. Wie der Häuserchronik zu entnehmen ist, zählt das Eibl-Anwesen zu den ältesten im Ort.
Unweit davon befindet sich die Ortsmitte, die ein mit vielen Schildern bestückter Maibaum kennzeichnet. Daneben haben die Nassenhausener aus dem alten Waaghäusl ein Bücherhäusl gemacht, an dem sich jeder mit Lesestoff eindecken kann. „Das Angebot wird rege genutzt und das Bücherhäusl ist ein beliebter Treffpunkt, an dem eine Sitzbank zum Schmökern einlädt“, sagt Raith. „Früher wurden hier Tiere gewogen, später diente es mitunter der Belustigung, zum Beispiel, wenn bei Hochzeiten Brautpaar und Gäste gewogen wurden“, erinnert sie sich schmunzelnd. Auch wenn es kaum noch Viehzuchtbetriebe gebe: „Auf Nassenhausener Wiesen kann man noch Kühe auf der Weide erleben“, sagt Margit Pesch.


Beachtenswert seien auch die vielen alten Feldkreuze und Marterl in der Gegend, und die Kapelle an der Straße nach Adelshofen mit der Figur des Gegeißelten, der wegen seiner Ähnlichkeit zur Figur in der berühmten Wieskirche „Wies-Heiland“ genannt wird. Früher gab es an der Maisach eine Mühle, davon ist allerdings nichts mehr übrig, auch eine Schmiede oder andere alte Handwerke wie Bäcker oder Metzger gibt es im Ort nicht mehr.
Auch wenn die alten Trefforte wie das Raiffeisen-Lagerhaus, der Landmaschinenhandel und das Kramer- und Kolonialwarengeschäft Vivo nicht mehr da sind, lebt das Dorf und die Nassenhausener können sich gut versorgen. Es gibt Hofläden in der Gegend, die frische, ökologisch erzeugte Lebensmittel anbieten, in den Nachbarorten sorgen noch Metzger und Bäcker für Frischware, in Mammendorf gibt es Supermärkte und Discounter, und Fürstenfeldbruck ist auch nicht weit. Hinsichtlich der Verkehrsanbindung spricht Raith von guter Erreichbarkeit. Busse fahren werktags im 20-Minuten-Takt, sonn- und feiertags alle 40 Minuten, das Radwegenetz ist gut ausgebaut, und die Bahnhöfe Haspelmoor und Mammendorf sind gut zu erreichen.

Ausflugstipps:
Nassenhausen liegt in der reizvollen Kulturlandschaft des Maisachwinkels. Abgesehen vom Sonderflugplatz Jesenwang, wo man Kleinflugzuge bestaunen, Starts und Landungen verfolgen und in der Gaststätte „Fly In“ mit Biergarten einkehren kann, ist es hier eher ruhig. Auch Rundflüge über das Fünf-Seen-Land bis in die Alpen werden angeboten. Der Nachbarort Adelshofen, wegen der vielen Obstbäume und Streuobstwiesen als „Bayerisches Bozen“ bezeichnet, besticht mit seinem Ortszentrum, geprägt vom sanierten Pschorrhaus und -stadel, einem Weiher, dem ehemaligen Schlossgelände und der Pfarrkirche. Eine beliebte Gaststätte befindet sich im Sportzentrum. Im nahen Luttenwang kann man beim „Frietinger“ einkehren. Bekannt ist der Ort in erster Linie durch die „Schöne Madonna“, eine Marienfigur in der Pfarrkirche, die früher Pilgerströme anzog und dem Dorf die Bezeichnung „Altötting des Maisachwinkels“ einbrachte. Nicht weit von Nassenhausen befindet sich bei Mammendorf das Freizeitzentrum des Landkreises Fürstenfeldbruck, mit Freibad, Badesee, Zeltplatz und Sportangeboten. Im Ort laden das Gasthaus zur Sonne und Pizzerien ein.

