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Abriss des Don-Bosco-Altbaus:Stadtrat über Caritas verärgert

Germerings Mandatsträger wollen den Abriss eines Teils des Altenheims in der Parkstraße nicht akzeptieren. Stattdessen fordern sie den Sozialverband zu einem Gespräch über Alternativen auf.

Don-Bosco-Altenheim

Don-Bosco-Altenheim in Germering

(Foto: Günther Reger)

Die Absicht der Caritas, das Don-Bosco-Altenheim in Germering teilweise abzureißen, hat bei Mitarbeitern, Bewohnern sowie deren Angehörigen Ärger und Unverständnis hervorgerufen. Diese Reaktionen zeigten am Dienstag auch die Stadträte. Sie und Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) wollen nicht akzeptieren, dass es zu dem geplanten Abriss des in den 1970er Jahren errichteten Gebäudeteils keine Alternative geben soll. Die Stadt fordert die Caritas deshalb zu einem Gespräch auf, wie die Heimplätze in Germering erhalten bleiben können. Der Aufruf zeitigte prompt einen Erfolg: Am Freitag treffen sich Haas, Landrat Thomas Karmasin (CSU) sowie Vertreter von Caritas und Pfarrpfründestiftung zu einem Gespräch.

Der Erhalt der Heimplätze liegt den Stadtpolitikern am Herzen. Sprecher sämtlicher Fraktionen machten am Dienstag deutlich, wie wichtig die Pflegeplätze für Senioren in einer Stadt mit knapp 40 000 Einwohnern sind. Nach einem Abriss blieben lediglich etwa 45 Heimplätze übrig, momentan stehen gut dreimal so viele zur Verfügung. Überdies fordern sie, auf die Bewohner Rücksicht zu nehmen und diese "nicht einfach anderswohin zu verpflanzen", wie Grünen-Stadträtin Ingeborg Keil sagte. Außerdem sind die Stadtpolitiker über die Vorgehensweise der Caritas verärgert. So kritisierten sie, dass die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Haas sagte, die Zusammenarbeit mit dem Sozialverband sei in den vergangenen Jahrzehnten "hervorragend" gewesen. Gerade auch deshalb könne er die neue Entwicklung "weder in der Sache noch im Ton" nachvollziehen.

Mehrere Stadträte bezweifelten zudem, dass das Gebäude abgerissen werden muss. Eike Höppner (SPD) verwies darauf, dass auch die Stadt mit vielen sanierungsbedürftigen Häusern zu tun habe, beispielsweise die Schulen. Das Gremium entscheide sich aber fast immer für eine Sanierung, sagte sie. Alfred Streicher (ÖDP/Parteifreie) nannte den Beschluss für einen Abriss "verwunderlich", nach seinem Eindruck sei das Haus "nicht abbruchreif". Kritik wurde auch daran geäußert, dass die Caritas für ihre Entscheidung vor allem wirtschaftliche Gründe angebe.

Das Caritas-Altenheim in der Parkstraße ist die älteste Betreuungseinrichtung für Senioren in Germering. Das Grundstück hat Germering Anfang der 70er Jahre in einem Tausch gegen ein anderes Grundstück der Pfarrpfründestiftung überlassen. Auflage war seinerzeit der Bau eines Seniorenwohnheims. Das entstand kurz darauf, Landkreis und Gemeinde Germering gaben Zuschüsse zum Bau. Auch die Errichtung des zweiten Gebäudeteils in den 80er Jahren wurde dann von Kommune und Landkreis finanziell unterstützt. Auch deshalb erwartet die Stadt Germering, dass sie in Gespräche über die Zukunft des Hauses einbezogen wird - ebenso der Landkreis.

Vor zwei Jahren hatte der Caritasverband Überlegungen angestellt, wie das Haus saniert werden könne. Anlass dazu waren gesetzliche Änderungen für Pflegeeinrichtungen sowie beim Brandschutz. Damals hat es laut Haas auch Vorstellungen gegeben, ein Beratungszentrum und eine Kinderkrippe in dem Haus oder einem Anbau unterzubringen. Der Germeringer Oberbürgermeister bedauert, dass diese Überlegungen nun keine Rolle mehr spielen sollen. In einem Schreiben an Erzbischof Reinhard Marx hat Haas gebeten, sämtliche Alternativen zu einem Abriss noch einmal zu prüfen und mit Stadt und Landkreis zu besprechen.

Besonders enttäuscht ist der OB über die Antwort, die das Ordinariat Ende Oktober geschickt hat. In dieser ist lediglich zu lesen, dass nach "Abwägung aller Vor- und Nachteile" beschlossen worden sei, den Altbau abzureißen. Von einem Neubau an gleicher Stelle ist keine Rede. Auch geht das Ordinariat nicht auf den Gesprächswunsch der Stadtspitze ein.