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Abitur:Starke Nerven

Schule

Ausnahmesituation: Die diesjährigen Abiturprüfungen - hier am Max-Born-Gymnasium Germering - fanden unter besonderen Vorkehrungen statt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Corona-Abitur-Jahrgang und auch die betreuenden Lehrer haben den diesjährigen Abschluss jetzt hinter sich

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Trotz des enormen Organisationsaufwands wegen der Pandemie-Auflagen und einem Corona-Erkrankten, einer beaufsichtigenden Lehrkraft, sind die Abiturprüfungen an den sieben Gymnasien im Landkreis reibungslos über die Bühne gegangen. Die etwa 760 Abiturienten sind nach Einschätzung der Schulleitungen mit der Ausnahmesituation, den wochenlangen Unterrichtsausfällen und den Kontaktverboten zu Mitschülern gut zurechtgekommen. Für manchen hatte die Situation vielleicht sogar einen Vorteil: Bei den fehlenden Zensuren konnten die Schüler die für sie günstigste Benotung aus dem ersten Halbjahr wählen. Und die Aufteilung in kleine Gruppen verhinderte womöglich bei dem einen oder der anderen, dass sie sich kurz vor der Prüfung gegenseitig in Rage reden.

Das beobachtete Doris Hübler. Die Schulleiterin des Graf-Rasso-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck hatte im Vergleich mit anderen Jahrgängen "schon das Gefühl, dass das sehr ruhig abläuft". Die Abiturprüfungen endeten vorige Woche mit dem Kolloquium. Am letzten Freitag im Juni wurden die Noten bekannt gegeben, in dieser Woche finden die mündlichen Nachprüfungen statt. Aufregend waren die Prüfungen in diesem Jahr trotzdem am GRG, nicht nur weil sie in etwa 15 Klassenräumen mit entsprechend vielen Aufsichtskräften abgehalten werden mussten. Sondern auch, weil dort ein Lehrer kurz nach Beginn der Prüfungen an Covid-19 erkrankte. Hübler hatte Sorge, dass sich Schüler infiziert haben könnten und deshalb ihr Abitur nicht absolvieren können. Doch glücklicherweise waren alle Tests negativ, die Lehrkraft ist inzwischen wieder genesen. "Ich bin sehr froh gewesen, als die schriftlichen Prüfungen vorbei waren", unterstreicht Hübler. Für ihre Kollegen und sie war es in diesem Jahr eine besonders nervenaufreibende Situation.

Am Gymnasium Puchheim vereinfachte ein glücklicher Umstand die in diesem Jahr personell und räumlich sehr aufwendige Organisation der Abiturprüfungen. Weil ausgerechnet dieser Jahrgang als erster zwischen G8 und G9 wählen konnte, die sogenannte Mittelstufe Plus, gibt es nur 51 Abiturienten; in anderen Jahrgängen sind es zwischen 120 und 130. "Die 51 haben uns die Organisation sehr erleichtert", berichtet Georg Baptist. Dem Schulleiter zufolge benötigten sie nur vier Klassenräume, davon einen Doppelraum.

Im Unterschied dazu waren die 128 Abiturienten am Brucker Viscardi-Gymnasium auf 13 Räume aufgeteilt. Und "mehr oder weniger alle Lehrer mit Aufsicht beschäftigt", wie Schulleiter Walter Zellmeier berichtet. Unterricht fand in dieser Zeit nicht statt. Nach seiner Beobachtung kamen die Schüler gut mit den neuen Sicherheitsmaßregeln während den Prüfungen zurecht. "Nur anfangs, als sie wieder in die Schule kamen, hatte ich den Eindruck, dass eine gewisse Verunsicherung da ist."

Ähnliches erzählt Boris Hackl, Zellmeiers Kollege vom Gymnasium Gröbenzell. "Ich glaube, am Anfang war es für die Abiturienten schwierig." Die Unsicherheit darüber, wie es nun mit ihren fehlenden Noten und den Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen weitergehen werde, sei kurz nachdem sie wieder in den Unterricht kamen schon zu spüren gewesen. Das habe sich aber rasch gelegt, als die Schüler merkten, dass alles geregelt und gut organisiert wird. Auch bei den Fragen wurden Hackl zufolge die besonderen Umstände berücksichtigt: "Das Abitur ist so gestaltet worden, dass es machbar war."

Wie alle anderen Schulleiter spricht Robert Christoph vom Max-Born-Gymnasium von einem enormen Organisationsaufwand. Statt der sonst nötigen sechs oder sieben Räume waren es diesmal "ein ganzes Stockwerk" mit entsprechend vielen Lehrkräften. Im Vorfeld wurden viele Gespräche mit den Abiturienten geführt. Zu den Prüfungen selbst, so Christophs Gefühl, "haben die jungen Leute starke Nerven bewiesen".

Als fast dankbar beschreibt Sabine Ratberger die Olchinger Abiturienten: "Nach der langen Wartezeit waren sie sehr froh, ihr Abitur schreiben zu können." Die stellvertretende Schulleiterin verweist ebenfalls auf die Unsicherheit, die zu Beginn des Shutdowns herrschte, darunter auch die Diskussion um ein spezielles Corona-Abitur, das dann doch wieder verworfen wurde. Doch auch wenn die Abiturprüfungen jetzt mehr oder weniger normal waren, ist sich Ratberger sicher: "Der ganze Jahrgang ist jetzt geschichtsträchtig. Man wird immer vom Corona-Abitur-Jahrgang sprechen."

© SZ vom 02.07.2020

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