Abschlüsse:Abitur nach zwei Pandemiejahren

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Abschlüsse: Akkurat platziert sind die Schreibtische und Stühle für die Abiturprüfung, die an diesem Mittwoch in ganz Bayern beginnt. Mit dem Ort - der Dreifach-Turnhalle in Gröbenzell - kehrt ein Stück Normalität zurück.

Akkurat platziert sind die Schreibtische und Stühle für die Abiturprüfung, die an diesem Mittwoch in ganz Bayern beginnt. Mit dem Ort - der Dreifach-Turnhalle in Gröbenzell - kehrt ein Stück Normalität zurück.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die knapp 800 Absolventen der Landkreis-Gymnasien beginnen an diesem Mittwoch mit den Deutsch-Prüfungen. Einzig in Gröbenzell wird wieder in der Turnhalle geschrieben.

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

"Innerhalb der Kollegstufe merkt man schon, dass die Spannung steigt", sagt Sarah Friedrich am Montagnachmittag, nicht einmal zwei Tage vor ihrer ersten Abiturprüfung. Die Aufregung erlebe sie aber als etwas Positives, weil es jetzt endlich losgehe. Mit der Schülersprecherin des Gymnasiums Puchheim treten in ganz Bayern etwa 35 000 Schülerinnen und Schüler zur Reifeprüfung an, im Landkreis sind es 772. Und sie alle haben die gesamte Oberstufe wegen der Pandemie unter besonderen Bedingungen durchlebt. Allerdings verlief das letzte Schuljahr - von fast schon alltäglichen Details wie Masken, Abstand, Quarantäne abgesehen - weitgehend normal; Schulschließungen und Homeschooling gab es nicht mehr, zumindest nicht für einen ganzen Jahrgang.

Am Gymnasium Gröbenzell werden die 93 Abiturienten die Prüfung gemeinsam in der Dreifach-Turnhalle ablegen. Vor Ausbruch des Coronavirus war das an den meisten Schulen so üblich, derzeit ist Gröbenzell damit im Landkreis die Ausnahme. Wie Schulleiter Boris Hackl erläutert, "haben wir einen relativ kleinen Jahrgang". Das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 bei einem mehrstündigen Aufenthalt in einem geschlossenen Raum ist angesichts der Größe der Halle also überschaubar. In anderen Jahrgängen mit 120, 130 Abiturienten - "wir hatten auch schon 150", unterstreicht Hackl - wäre das riskanter gewesen. Aber wegen einer "demografischen Delle" ist dieser Jahrgang klein und der Rektor des Gymnasiums Gröbenzell kann auf komplizierte Konzepte zur Raumbelegung verzichten.

Anders ist das an den anderen Gymnasien im Landkreis. Dort werden die Abiturienten in kleinen Gruppen auf mehrere Räume verteilt ihre Prüfungen schreiben, denn je weniger Menschen sich begegnen, desto geringer ist das Ansteckungsrisiko. Allerdings stehen die Zimmer in dieser Zeit für andere Schüler nicht zur Verfügung. Und daneben braucht es eine Vielzahl an Lehrkräften für die Aufsicht. Der neue Modus erfordert deutlich mehr Aufwand, der schon bei der Planung beginnt.

Oberstufenbetreuer Lars Loock vom Gymnasium Puchheim spricht daher von einem "hohen Personalaufwand". Dort werden die 99 Abiturienten auf sechs, teils sehr große Räume verteilt. Am Viscardi-Gymnasium Fürstenfeldbruck rechnet Schulleiter Walter Zellmeier mit zwölf bis 15 Räumen für die insgesamt 120 Prüflinge (zehn davon Externe) sowie je zwei Lehrkräften. "Fast alle Lehrer sind eingesetzt", berichtet auch Sylvia Bay. Wie die Oberstufenkoordinatorin des Max-Born-Gymnasiums in Germering erläutert, ist die anstrengende Aufsichtstätigkeit in mehrere Schichten eingeteilt. Weil also praktisch alle Lehrkräfte an diesem Mittwoch bei Deutsch sowie am Dienstag beim Mathe-Abi im Einsatz sind, gilt es die restliche Schülerschar zu beschäftigen.

"Der Rest ist bis auf die Q 11 im materialgestützten Distanzunterricht", sagt Bay. Was bedeutet, dass die Schüler der anderen Klassen mit Arbeitsaufträgen, meist auf Papier gedruckt, diese Schultage zu Hause verbringen und die Aufgaben selbständig bearbeiten werden. In dieser Weise kompensieren auch die anderen Gymnasien im Landkreis die personellen wie räumlichen Einschränkungen. "Wir brauchen mindestens 68 Aufsichten", unterstreicht Rita Bovenz, bei insgesamt 110 Lehrkräften und einigen krankheitsbedingten Ausfällen bleibe da nicht mehr viel Kapazität frei. Wie die Rektorin des Carl-Spitzweg-Gymnasiums Germering berichtet, treten dort 128 Abiturienten an. Die Turnhalle wird noch saniert, wie auch jene in Puchheim; und die vom Viscardi-Gymnasium ist derzeit mit ukrainischen Flüchtlingen belegt - dort gab es also ohnehin keine Alternativen.

Anders am Brucker Graf-Rasso-Gymnasium, wo aber die Turnhalle auch von den Schülern der FOS/BOS genutzt wird. "Wir prüfen ja immer in Klassenzimmern", betont Schulleiterin Doris Hübler. Wegen der Pandemie sind allerdings die Gruppen kleiner als früher, der Personal- und Raumaufwand für die insgesamt 116 Abiturienten, darunter acht Externe, entsprechend höher. Atmosphärisch spürt Hübler bei allen Beteiligten die "völlig normale Aufregung", insgesamt "hatte man das Gefühl, es lief relativ normal". Denn nachdem es im Schuljahr 2019/20 Schulschließungen, Wechsel- und Distanzunterricht gab, gab es 2020/21 für die Schüler seit Ende der Sommerferien durchgehend Unterricht. Gab es eine Infektion mit Covid-19, musste allenfalls eine kleine Gruppe daheim bleiben.

Wie Walter Zellmeier berichtet, "haben alle gesagt, sie fühlen sich gut vorbereitet". Das bestätigt auch Sarah Friedrich. "So kurz vorm Abitur sind alle der Meinung, dass die Lehrer ihr Bestmögliches getan haben", erklärt die Schülersprecherin, die letzten Monate seien "ein ganz normales Schuljahr" gewesen.

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