Abfallwirtschaft:Die Rücklage ist aufgebraucht

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Abfallwirtschaft: Die Abfallentsorgung wird wieder teurer.

Die Abfallentsorgung wird wieder teurer.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Für die Müllabfuhr haben die Landkreisbewohner früher zu viel bezahlt, dann zum Ausgleich etliche Jahre zu wenig. Jetzt steigen die Gebühren wieder, um sie den Kosten anzupassen

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Die Gebühren für die Müllabfuhr steigen im Januar um ein Drittel. Die Bescheide, die die Einwohner des Landkreises vom Abfallwirtschaftsbetrieb erhalten, weisen eine erhebliche Erhöhung von Grund- und Leistungsgebühr aus. Hauptursache dafür ist nach Aussage von Stefan Mayer, Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB), der Abbau der Rücklage für die Kosten der Abfallentsorgung. Etwa 22 Millionen Euro hatten die Einwohner des Landkreises mehr für die Leerung ihrer Abfalltonnen bezahlt, als diese Leerung tatsächlich kostete. Deshalb wurden die zu viel bezahlten Gebühren über mehrere Jahre mittels Senkungen an die Bürger zurückgegeben.

Damit ist es nun vorbei. Die Rücklage ist auf gut zehn Millionen Euro geschrumpft. Und diese zehn Millionen plus die Gebühren in bestehender Höhe reichen nach Berechnungen des AWB nicht mehr aus, die Kosten der Abfallentsorgung in den kommenden drei Jahren zu begleichen. Deshalb soll der Kreistag auf Empfehlung des Werkausschusses und der Verwaltung die Müllgebühren anheben. Ansonsten droht ein Defizit beim AWB, das nicht entstehen darf, denn die Gebühren für die Entsorgung des Mülls müssen laut Vorschriften die Kosten decken.

Neben dem Absinken der Rücklage gibt es laut Mayer noch andere Gründe für den Anstieg der Kosten, die aber allesamt in ihrer Auswirkung gering sind. So ist auf den Wertstoffhöfen die Menge von Kartons und Kartonagen angestiegen, die entsorgt werden müssen. Das hat viel zu tun mit Corona und der gestiegenen Menge an Dingen, die im Internet bestellt worden sind, auch weil Geschäfte geschlossen hatten. Auf den Wertstoffhöfen müssen die Container für Pappe nun öfter geleert werden.

Höhere Kosten verursacht auch die Einsammlung der Bioabfälle. Statt etwa 5000 Tonnen an Abfällen werden jetzt 7000 Tonnen eingesammelt. Das sei politisch gewünscht, sagt Mayer, um die Bioabfälle nicht in Geiselbullach zu verbrennen, sondern aus ihnen Biogas zu erzeugen. Allerdings verdient der Fürstenfeldbrucker Abfallwirtschaftsverband kein Geld, wenn er die Abfälle vergärt. Laut Mayer handelt es sich bei der Beseitigung der Bioabfälle um ein Zuschussgeschäft. Der Verkauf von Gas und Strom könne die Kosten der Produktion nicht einspielen, sagt der Werkleiter. Das Vergären ist also ökologisch sinnvoll, geschäftlich aber kein Erfolg. Immerhin: Laut Mayer ist das Einsammeln und Vergärenlassen der Bioabfälle aus dem Landkreis besser, als sie in Geiselbullach zu verbrennen.

Kleiner geworden sind die Erlöse aus dem Verkauf von Altpapier und Eisenschrott. Im Vergleich zum Kalkulationszeitraum für die Gebühren zu Beginn des Jahres sind die Preise laut Mayer jedoch wieder etwas angestiegen.

Geld verdienen will der AWB in den kommenden Jahren mit der Herstellung von Recycling-Baustoffen. Dafür nutzt er den abgegebenen Bauschutt aus Beton und Ziegel. Der lasse sich beispielsweise im Straßenbau verwenden, sagt Mayer. Allerdings gilt das nur, wenn der Schutt lediglich aus Ziegel oder Beton besteht. Für andere Stoffe gibt es aus Gründen des Umwelt- und Gewässerschutzes keine Freigabe für die Wiederverwendung. Aber auch wenn Bauschutt zu einem Teil wiederverwendet werden kann, sieht Mayer in ihm ein erhebliches Abfallproblem. Bauschutt nämlich stellt in Deutschland den größten Teil all dessen dar, was jährlich entsorgt werden muss. Vielen Menschen sei dies nicht bewusst, sagt der Werkleiter. Von Vorteil wäre es also in etlichen Fällen, wenn Gebäude eher saniert als abgerissen würden.

Nicht nur beim Hausbau lässt sich Abfall vermeiden. Mayer nennt als Beispiel den Umstieg auf eine kleinere Tonnengröße. Auf diese Weise könnten Haushalte einen Teil der Gebührenerhöhung einsparen, sagt der Werkleiter. Dafür muss der Abfall aus dem eigenen Haushalt jedoch entweder besser getrennt oder teilweise vermieden werden.

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