Abfallentsorgung:Gutachten empfiehlt Biotonne

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Wie können die Einwohner des Landkreises Fürstenfeldbruck dazu gebracht werden, ihren organischen Abfall nicht in den Restmüll zu kippen, sondern separat zu entsorgen? Über einen eigenen Abfallbehälter, sagen Fachleute

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Küchenabfälle landen in vielen Haushalten zwar auf dem Komposthaufen, dennoch findet sich im Restmüll noch ein großer Anteil dieser organischen Abfälle. Um die Sammelquote zu verbessern, denkt der Landkreis, der über seinen Abfallwirtschaftsbetrieb für die Müllentsorgung verantwortlich ist, jetzt über die verpflichtende Einführung einer Biotonne nach. Ein aktuelles Gutachten empfiehlt genau dies. In einer seiner nächsten Sitzungen will der Werkausschuss des Kreistags darüber befinden. Bis dahin soll die Kreisverwaltung Details erarbeiten.

Mit der Einführung einer Biotonne würde sich der Landkreis Fürstenfeldbruck der überwiegenden Mehrheit der Landkreise annähern. UBV-Kreisrat Jakob Drexler, seit anderthalb Jahren Abfallreferent des Kreistags, wurde in der Vergangenheit nicht müde, bei jeder Gelegenheit einen Systemwechsel weg von den im Kreis Fürstenfeldbruck benutzten Sammelsäcken hin zur Biotonne zu fordern. Vor allem die CSU hatte bislang keine Notwendigkeit gesehen, das Sammelsystem zu ändern. Die Diskussion währt schon zehn Jahre, noch 2018 hatte der damalige Abfallreferent Dieter Rubenbauer (CSU) gesagt, das bestehende System habe nur an wenigen Stellen ökologische Verbesserungsmöglichkeiten.

Das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie legte dem Werkausschuss jetzt ein Gutachten zur Biomüllerfassung und -verwertung für den Landkreis vor. Fazit von Projektleiter Michael Kern: "Die Biotonne hat Vorteile gegenüber den Biosäcken und lässt eine höhere Erfassungsleistung erwarten." Der getrennt erfasste Biomüll, der im Landkreis in kleinen Säcken aus Papier oder Stärke gesammelt und am Gartenzaun von der Müllabfuhr eingesammelt wird, betrug 2019 lediglich 23 Kilogramm pro Einwohner. 2020 erhöhte sich das auf 30 Kilo, möglicherweise durch Lockdown und Homeoffice, aber auch durch den Wegfall des Eigenkompostierbonus. Damit steigerte sich die Gesamtsammelmenge von Bioabfall von 5000 auf fast 6500 Tonnen im Jahr. Je mehr Biomüll gesammelt wird, desto mehr Säcke werden dafür aber auch gebraucht. Drei Millionen Säcke waren 2016 ausgegeben worden, 2020 waren es schon knapp 4,9 Millionen - eine Steigerung um 42 Prozent. Damit steigen auch die Kosten des Systems.

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Wohin mit unbrauchbar gewordenem Obst und Gemüse? Darüber machen sich die Kreisräte wieder einmal Gedanken.

(Foto: imago/Chromorange)

Eine Biotonne hätte laut Kern den Vorteil, dass sie an einem festen Ort steht und materialstabil ist und für die Bürger mehr Komfort bedeuten würde. "Die Sammlung in vergleichsweise instabilen Säcken und vor allem deren Zwischenlagerung bis zur Abfuhr kann Anschlusswillige von der Beteiligung an der Bioabfallsammlung abhalten", heißt es im Gutachten. Kreisabfallreferent Drexler hatte das Sacksystem in der Vergangenheit als "ökologischen und ökonomischen Wahnsinn" bezeichnet.

Die zweite Restmüllanalyse, deren Ergebnisse ebenfalls in der jüngsten Werkausschusssitzung vorgelegt wurden, ergab, dass die getrennte Sammlung von Biomüll noch längst nicht ausgereizt ist. 44 Kilo Biomüll hat jeder Landkreisbürger im Jahr über den Restmüll entsorgt, davon gelten 31 Kilo als verwertbar. Nimmt man jene gut 30 Kilo, die jeder Bürger 2020 an Bioabfällen getrennt entsorgt hat, hinzu, bedeutet das, dass in den Restmülltonnen noch einmal ein gleich großes Potenzial schlummert.

Ein Blick in das Gutachten des Witzenhausen-Instituts zeigt, dass die Erfassungsquoten von Bioabfall in anderen Kommunen durchaus unterschiedlich sind, der Landkreis Fürstenfeldbruck aber, wie die Zahlen für 2019 zeigen, deutlich unter dem Durchschnittswert der bayerischen Landkreise liegt. Ein Grund liegt auch für die Gutachter im praktizierten Sacksystem, alle anderen untersuchten Landkreise hatten bereits eine Biotonne eingeführt. Den Gutachtern zufolge könnten die Kreise Dachau und Starnberg Vorbilder für Fürstenfeldbruck sein. Allerdings liegt die separat gesammelte Bioabfallmenge in Starnberg mit 72 Kilo pro Einwohner im Jahr doppelt so hoch wie jene in Dachau (36 Kilo). Möglicherweise weil in Starnberg jedes Grundstück mindestens eine 60-Liter-Biotonne vorhalten muss, während der Kreis Dachau eine Befreiungsmöglichkeit bei Eigenkompostierung vorsieht. In Starnberg ist die Biotonne in der Restmüllgebühr enthalten, in Dachau ist sie extra kostenpflichtig.

Mit 147 Kilo erfasstem Bioabfall pro Bürger nimmt der Landkreis Aichach-Friedberg einen Spitzenplatz ein. Das allein freilich bedeutet noch keinen Nachahmungswert, denn den Effekt führen die Gutachter auf die sehr großen 120- und 240-Liter-Biotonnen zurück. Damit würden über die Biotonne aber auch große Mengen an Gartenabfällen entsorgt. In Fürstenfeldbruck werden diese mit konstant 67 Kilo seit Jahren getrennt erfasst. Um zu verhindern, dass künftig auch Gartenabfälle in der Biotonne landen, empfehlen die Gutachter dem Landkreis Fürstenfeldbruck die Anschaffung kleinerer 40- und 60-Liter-Biotonnen, und keine separate Gebühr dafür zu erheben.

Coronabedingt kurz fassten sich die Kreisräte zum Thema. Abfallreferent Drexler verzichtete darauf, die aus seiner Sicht gebotene Einführung einer Biotonne noch einmal explizit zu betonen, mahnte aber an, dass auch die Aktivitäten zur Müllvermeidung verbessert werden müssten. "Da wir seit Jahren hinterher sind, den Bioanteil aus dem Restmüll rauszuziehen, hoffe ich, dass die Biotonne jetzt zügig untersucht und dann auch eingeführt wird", betonte Ingrid Jaschke (Grüne) Sie verwies zudem auf Sammelfahrzeuge, die es in Österreich gebe und die die Tonnen bei der Leerung auch ausspülen würden. Maximilian Gigl (CSU) regte an, einen möglichen 14-tägigen Leerungsrhythmus einer Biotonne im Sommer auf wöchentlich umzustellen.

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