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Abfall:2022 steigen die Müllgebühren

Jahrelang waren die Landkreisbürger gewohnt, immer weniger für die Abfallentsorgung zahlen zu müssen. Die Zeiten sind vorbei. Neue Gesetze, aber auch Vorhaben wie eine umfassendere Sammlung von Biomüll könnten die Kosten in Zukunft in die Höhe treiben

In den vergangenen 15 Jahren sind die Müllgebühren im Landkreis Fürstenfeldbruck vier Mal gesunken und von 2020 an gibt es für einen Teil der Gebührenzahler noch einmal eine Reduzierung. Das ist selten in Zeiten, in denen Vieles immer teurer wird. In fünf Jahren könnte diese Entwicklung aber zu Ende sein, dann könnten sich die Abfallgebühren um fast die Hälfte verteuern. Das ist freilich zunächst nur eine Prognose des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) des Landkreises.

Die aber spricht davon, dass sich die Müllgebühren vom Jahr 2022 an um 48 Prozent erhöhen könnten. Das würde für einen Durchschnittshaushalt mit einer 80-Liter-Tonne, der jetzt 123 Euro im Jahr bezahlt, eine Erhöhung um 59 Euro auf dann 182 Euro bedeuten. So genau hat der AWB das allerdings noch nicht vorgerechnet und die Kreisräte, die sich in der jüngsten Sitzung des Werkausschusses mit der Abfallpolitik befassten, fragten auch nicht weiter nach. Erst steht der Kalkulationszeitraum von 2018 bis 2021 an. Der AWB muss in Vier-Jahres-Rhythmen planen. Außerdem wird der kommunale Eigenbetrieb demnächst einen neuen Leiter bekommen. Die Stelle ist bereits ausgeschrieben. Der bisherige AWB-Chef Herbert Britzelmair ging Anfang Dezember in Ruhestand.

Die Gründe, die der AWB für eine mögliche Gebührenerhöhung anführt, sind vielfältig. Unter anderem wird bis dahin die Bioabfallerfassung im Landkreis neu geregelt sein. Der Eigenkompostierbonus, den Landkreisbürger erhalten, wenn sie Bioabfälle im eigenen Garten verrotten lassen, wird zum Jahr 2020 abgeschafft. Stattdessen möchte der Landkreis mehr Bioabfälle selbst sammeln, um daraus Energie zu gewinnen. Das ist das politische Ziel. Wenn aber mehr Biomüll eingesammelt werden soll, steigen auch die Kosten für dessen Abtransport.

Die Abschaffung des Bonus für Selbstkompostierer bedeutet allerdings keine Gebührenerhöhung für diese Gruppe, sondern zunächst eine Gebührensenkung für jene, die ihren Biomüll bislang in spezielle Biosäcke füllen und am Straßenrand von der Müllabfuhr abholen lassen. Nach einstimmigem Votum im Kreistag wird künftig bei den Müllgebühren zwischen beiden Gruppen nicht mehr unterschieden, alle zahlen dann gleich viel. Landrat Thomas Karmasin (CSU) hatte das Vorgehen in der Kreisausschusssitzung im vorigen November verteidigt und dafür plädiert, "den Bürgern das Geld zurückzugeben".

Das hat der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) in der Vergangenheit schon des Öfteren getan, die Abfallgebühren im Landkreis Fürstenfeldbruck waren in den Jahren 2002, 2008, 2012 und 2014 vier Mal in Folge gesenkt worden. Das war auch deshalb möglich gewesen, weil der AWB durch kluges Vermarkten von Wertstoffen Rücklagen aufbauen konnte. Da der Abfallwirtschaftsbetrieb aber als kostendeckende Einrichtung geführt werden muss und keine Gewinne erwirtschaften darf, müssen Überschüsse den Gebührenzahlern erstattet und Rückstellungen deshalb innerhalb eines Vier-Jahres-Zeitraums abgebaut werden. Dies geschah, indem die Müllgebühren gesenkt wurden.

Bereits für die Jahre 2018 bis 2021 rechnet der Abfallwirtschaftsbetrieb jedoch mit einigen Unwägbarkeiten, unter denen das vom 2019 an geltende neue Verpackungsgesetz nur eines ist. Mit dessen Einführung befürchtet der AWB weniger Einnahmen von den Dualen Systemen zu erhalten, die bisher für die Mitbenutzung der Wertstoffhöfe im Landkreis bezahlen müssen, was zum Beispiel im Jahr 2018 Einnahmen von 2,1 Millionen Euro bringt. Der kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb ist daran interessiert, auch künftig werthaltige Abfälle in Eigenregie vermarkten zu können. Damit er dieses lukrative Geschäft betreiben und mögliche gewerbliche Mitbewerber außen vor halten kann, führte der Landkreis Fürstenfeldbruck zunächst eine kostenfreie Papiertonne ein und vor drei Jahren eine Wertstofftonne, in die nicht mehr benutzte Gegenstände aus Plastik und Metall geworfen werden können, die mit dem Wortungetüm stoffgleiche Nichtverpackungen bezeichnet werden. Damit behielt er den Zugriff auf diese Wertstoffe. Die in den nächsten Jahren zu erwartenden neuen gesetzlichen Vorgaben aber könnten "möglicherweise Anpassungen des Abfallwirtschaftskonzepts erforderlich machen", schreibt der AWB den Kreisräten vorsorglich.

Olching: Plastikmuell im Wertstoffhof

Getrennte Sammlung: Plastikmüll am Olchinger Wertstoffhof

(Foto: Johannes Simon)

Auf der Ausgabenseite rechnet der AWB künftig allein schon deshalb mit Mehrkosten, weil immer mehr Menschen in den Landkreis ziehen. Auch Lohnsteigerungen von drei Prozent beim AWB-Personal sind einkalkuliert. Mit Kostensteigerungen um die 20 Prozent rechnet der AWB außerdem auch bei lange laufenden Transportverträgen für die Restmüllabfuhr (seit 2007) sowie für Papier, Pappe und Kartonagen (seit 2009), die demnächst neu verhandelt werden müssen. Außerdem für die regelmäßige Reinigung und den Winterdienst an seinen 286 kleinen Wertstoffhöfen und bei der Verwertung von Bio- und Gartenabfällen.

Die politische Entscheidung darüber, ob aus Bioabfällen auch in einer kreiseigenen Anlage Energie gewonnen werden soll, steht erst noch bevor. Bis zum Jahr 2021 wird der AWB Rückstellungen von fast 22 Millionen Euro aufgelöst haben. Das bedeutet, dass im dann folgenden Kalkulationszeitraum von 2022 bis 2025 57 Millionen Euro (bisher 54 Millionen) über die Abfallgebühren finanziert werden müssen. Und: Die Entsorgung von Sperrmüll und Altholz auf den großen Wertstoffhöfen sowie die Nutzung der Papiertonne sollen weiterhin als kostenlose Serviceleistungen erhalten bleiben.

Investitionen in Höhe von vier Millionen Euro stehen in diesem Jahr an mehreren der insgesamt 19 großen Wertstoffhöfen an. In Moorenweis wird ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, das als Ersatzstandort für den bestehenden großen Wertstoffhof dienen soll. Egenhofen erhält einen neuen großen Wertstoffhof, an den Einrichtungen in Emmering, Grafrath, Olching und Germering (Landsberger Straße) werden neue Sozialräume errichtet. Zerschlagen hat sich indes der Grunderwerb für einen Wertstoffhof im Olchinger Neubaugebiet Schwaigfeld. Für den im Außenbereich befindlichen Wertstoffhof in Kottgeisering, bei dem Flächen versiegelt und Bäume gerodet wurden, muss eine Ausgleichsfläche geschaffen werden. Von der Gemeinde Kottgeisering pachtet der AWB dafür 1000 Quadratmeter nahe des Ampermooses, wo ein Feldgehölz mit seltenen Wildobstarten und heimischen Sträuchern entstehen soll.