3. April 2015, 17:58 In den Kirchen im Landkreis Österliche Bilderarmut

Es finden sich nur wenige Darstellungen von der Auferstehung Jesu Christi. Und die künstlerische Umsetzung dieses zentralen Glaubensinhalts unterscheidet sich bei den beiden Konfessionen stark

Von Florian J. Haamann

Nicht einmal die Autoren der Bibel haben es gewagt, den zentralen Moment der christlichen Theologie in Worte zu fassen. Sie erzählen vom leeren Grab, von trauenden Frauen und dann davon, wie der auferstandene Jesus den Jüngern erscheint. Wie er jedoch von Gott zurück aus dem Reich der Toten zu den Lebenden gebracht wurde, was genau in den drei Tagen passiert ist, das bleibt ein großes Mysterium. Gleiches gilt für die christliche Kunst. Es gibt zahlreiche Darstellungen des Auferstandenen, die Auferstehung selbst dagegen wird kaum gezeigt. Doch während es quasi in jeder katholischen Kirche eine Darstellung der Kreuzigung gibt, sind die Bilder des auferstandenen Jesus rar.

Nur drei Darstellungen kann Albert Bauernfeind, der Leiter des katholischen Pfarrverbands Fürstenfeldbruck, nennen: Zwei Bilder in der Klosterkirche und ein Deckengemälde in der Kirche Sankt Magdalena. Es ist die Szene, in der Maria Magdalena Jesus trifft, der ihr als Gärtner erscheint. Zuerst erkennt sie ihn nicht, bittet ihn in ihrer Verzweiflung, ihr zu sagen, wohin er die Leiche gebracht hat. Erst, als er sie mit ihrem Namen anspricht, erkennt sie, wer da vor ihr steht. Dieser intime Moment wird in barocken Farben festgehalten, die diesen Moment, der das Ende des Leidens markiert, eindrücklich unterstreichen. Jesus wird in dieser Szene vom guten Hirten, der sich um seine Schafe kümmert, zum Gärtner, der sich um die zarten Pflänzchen des Glaubens sorgt, sie groß zieht und vor Bedrohungen schützt. Er, der nach christlichem Glauben den Tod überwunden und das Leid der Menschen auf sich genommen hat, ist zurückgekehrt, um seinen Jüngern die Angst zu nehmen, ihnen zu zeigen, dass der Tod nicht das Ende ist.

In der katholischen Kirche Sankt Magdalena in Fürstenfeldbruck ist der Auferstandene als Gärtner an der Decke verewigt.

(Foto: Johannes Simon)

Während die Darstellungen in den katholischen Kirchen sehr konkrete Szenen zeigen, wird die Auferstehung, wie anderes auch, in der evangelischen Kunst eher symbolisch dargestellt. Allerdings kennt auch Kreisdekan Stefan Reimers nur zwei Darstellungen im Landkreis. In der Brucker Erlöserkirche findet sich ein Fenster, auf dem Jesus in ein blaues Tuch gehüllt, die Handflächen zeigend, zwischen mehreren Menschen steht. In der Michaelkirche Grafrath ist die Auferstehung dagegen völlig reduziert, ein Holzfresko zeigt ein leeres Grab. "Wir sind eine Kirche des Wortes, deswegen sind wir mit Darstellungen sehr zurückhaltend", erklärt Reimers. Dazu käme, dass die evangelischen Kirchen im Landkreis erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, in einer Zeit, in der die kirchliche Malerei nicht mehr die Bedeutung hatte. "In Norddeutschland sieht das ganz anders aus", so Reimers. Außerdem sei in der evangelischen Kirche traditionell die Schuldaufnahme am Karfreitag mehr im Fokus als die Auferstehung. Theologisch jedoch bestehe in der Bedeutung der Auferstehung als zentralem Moment kein Unterschied zwischen evangelischem und katholischem Glauben.

Die Sehnsucht danach, die biblischen Geschichten ins Bild zu setzen, liegt wohl in der Natur des Menschen. Bilder sind in der Lage, wesentlich stärker Emotionen zu transportieren als Worte. Deswegen liegt es nahe, gerade die zentralen Glaubensmomente in Gemälde, Mosaik-Fenstern und Skulpturen in den Kirchen darzustellen. Nicht zu vergessen, dass diese Kunst aus einer Zeit stammt, in der viele Menschen die Bibel nicht lesen konnten. Die Vertreter der Kirche hatten also nur die Möglichkeit, ihre Inhalte durch Sprache und Bilder zu verkünden. "Die Evangelien sind ja quasi geschriebene Bilder. Das inspiriert geradezu dazu, diese Geschichten anschaulich zu machen", so Bauernfeind. "Der Auferstandene wird bei uns etwa immer mit seinen Wunden gezeigt. Diese Anschaulichkeit soll den Gläubigen helfen, in sich selbst den Glauben an die Auferstehung immer wieder zu festigen." Dennoch dürfe man nie ein Bild mit dem Inhalt gleichsetzen. "Der Glaube ist wesentlich mehr, als es ein Bild ausdrücken kann."

Dass die beiden Kirchen sich in der Art, wie sie mit der Darstellung des Auferstandenen umgehen, so stark voneinander unterscheiden, eröffnet ein Spannungsfeld. Während die evangelische Kirche ihren Gläubigen viel Raum für Interpretationen gibt, zeigt die katholische Kunst wesentlich deutlicher, was sie ihren Anhängern vermitteln will. Bleibt dadurch weniger Raum für Auseinandersetzung? Möglicherweise. In der Wirkung, die die Darstellungen erzielen, unterscheiden sich die Wege dennoch kaum. Und, so betont Bauernfeind, wichtig sei vor allem, dass Botschaften auch in Bildern vermittelt werden. "Vorsichtig ausgedrückt, denke ich, dass Theologien, die keine Bilder haben und die nur sprachlich betrachtet werden, eher ins Fundamentalistische abgleiten können."