Fünf für München:Rebell, Rapper, Rikscha

Lesezeit: 3 min

Fünf für München: Steffen Schroeder vor dem Eingang des ehemaligen Schwimmbads Floriansmühle, neben dem er aufgewachsen ist.

Steffen Schroeder vor dem Eingang des ehemaligen Schwimmbads Floriansmühle, neben dem er aufgewachsen ist.

(Foto: Florian Peljak)

Benedikt Hartl will das Capitol umbauen, Gündalein und ESC Rilla geben ihr Können weiter und Fabian Fehn startet ein Verkehrsprojekt - unsere Münchnerinnen und Münchner der Woche.

Von Michael Bremmer, Korbinian Eisenberger, Gerhard Fischer, Clara Löffler und Martina Scherf, München

Max-Planck-Verehrer

Schon in seiner Kindheit hat sich Steffen Schroeder mit dem Physiker Max Planck beschäftigt. Bei seinem Großvater an der Wand hing ein gerahmter Brief von "Onkel Max". Schroeders Ururgroßmutter war die Halbschwester von Max Planck, entfernte Verwandtschaft, und doch so spannend für ein Kind. Auf dem Brief in Großvaters Wohnung war ein großer Tintenfleck: "Entschuldige den Klecks", hatte der Nobelpreisträger drunter geschrieben. Nun hat der in München aufgewachsene Schauspieler und Schriftsteller, der mit seinem Debütroman "Mein Sommer mit Anja" dem Familienbad Floriansmühle ein Denkmal gesetzt hat, einen historischen Roman veröffentlicht: "Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor" (Rowohlt Berlin, 311 Seiten, 22 Euro).

Für den Roman hat Schroeder mehrere Jahre in Berlin, Zürich und Rogätz recherchiert und Einblicke in einen besonderen Nachlass einer 99-Jährigen erhalten. Er hat jede Fiktion vermieden, auch wenn die Realität manchmal sehr abenteuerlich klingt. "Als Kind erzählte mir mein Vater eines Tages, dass Max Planck einen Sohn gehabt hatte, Erwin Planck, der im Widerstand aktiv war", erzählt Steffen Schroeder. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Erwin Planck verhaftet und einige Monate später zum Tode verurteilt. "Zeitgleich", sagt Schroeder, "bekam Max Planck die Aufforderung, für eine Broschüre ein 'Bekenntnis zum Führer' zu erstellen."

Das setzte etwas in Gang bei Steffen Schroeder. "Was macht man in solch einer schrecklichen Situation? Und was genau ist damals passiert? "Diese Fragen hatten mich immer beschäftigt."

Architekten-Rebell

Fünf für München: Benedikt Hartl hat schon wieder eine neue Idee.

Benedikt Hartl hat schon wieder eine neue Idee.

(Foto: Privat)

Er wollte den Buckingham Palace in Sozialwohnungen verwandeln und den Berliner Flughafen BER als Corona-Klinik nutzen. Nun stellt der Münchner Architekten-Rebell Benedikt Hartl sein nächstes Konzept vor, bei dem es weniger um die Verwirklichung geht, als um eine politische Botschaft. Im Jahr nach dem Sturm auf das US-Capitol stellt der 36-Jährige vom Münchner Büro Opposite Office eine dystopisch anmutende Idee vor: das Capitol in Washington DC zu einer Festung mit dem Namen "Capitol Castle" umbauen. Zentrale Baumaßnahme: eine 1,5 Meter dicke und 33 Meter hohe Rundum-Mauer aus recycelten Ziegelsteinen.

Fünf für München: Fabian Fehn will die Rikscha zum Pakettransport nutzen.

Fabian Fehn will die Rikscha zum Pakettransport nutzen.

(Foto: TUM/TUM)

Rikscha-Forscher

Eine Forschergruppe der Technischen Universität München (TUM) lädt von Montag, 22., bis Freitag, 26. August, zu kostenlosen Rikschafahrten in der Maxvorstadt ein. Der Feldversuch soll zeigen, inwiefern sich Ride-Pooling auf den Güterverkehr erweitern lässt. Die Idee bei Ride-Pooling: Personen, die in eine ähnliche Richtung wollen, teilen sich ein Fortbewegungsmittel, das sie per Handy-App finden. Ein Algorithmus stellt passende Kandidaten zusammen, um die Umwege möglichst gering zu halten. Umweltingenieur Fabian Fehn und seine Kollegen wollen nun herausfinden, ob sich das System auch für Pakettransporte eignet. Deshalb können Nutzer der blauen TUM-Rikscha Dinge mitgeben, die einen guten Zweck erfüllen: alte Batterien, kleine Elektrogeräte oder Spenden für Opfer des Ukrainekriegs. Die Pakete werden an die Vereine "München Hilft Ukraine" und "Stiftung Pfennigparade" gespendet, die Geräte werden fachgerecht entsorgt. Die Rikschas fahren von 11 bis 19 Uhr. Die TUM-App findet man unter: www.rideparcelpooling.com.

Rap-Lehrer

Fünf für München: Isabel Leila Gütlein alias Gündalein und Noah Kuckler-Kretschmann alias ESC Rilla

Isabel Leila Gütlein alias Gündalein und Noah Kuckler-Kretschmann alias ESC Rilla

(Foto: Timo Abbt/oh)

Eigentlich wollten Isabel Leila Gütlein, 21, und Noah Kuckler-Kretschmann, 22, in diesem Herbst München verlassen. Um nach Berlin zu ziehen und ihre Musikkarriere voranzutreiben. Denn die beiden rappen, sie als Gündalein, er als ESC Rilla. Verglichen mit der deutschen Hauptstadt ist die Hip-Hop-Szene in München klein, der Zusammenhalt, wie Gütlein sagt, kaum vorhanden. Doch dann änderte eine einzige E-Mail alles.

Gütlein und Kuckler-Kretschmann erhielten ein Angebot des Kulturzentrums "Bellevue di Monaco", eine Rap-Akademie zu betreiben. Das Paar musste nicht lange überlegen, um anzunehmen. Endlich haben die beiden Rapper selbst die Möglichkeit, die Musikszene in ihrer Stadt mit aufzubauen, den Zusammenhalt zu stärken. Seit dem 20. August bis Ende des Jahres empfangen sie nun jeden Samstag von 14 bis 16 Uhr im Obergeschoss der Müllerstraße 2 Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren, um ihnen alles beizubringen, was es für den Start einer Musikkarriere braucht. Auf dem Programm stehen das Schreiben und Produzieren von Songs genauso wie das Erstellen von Rechnungen und Pressemappen. Ziel ist es, am Ende ein Konzert im Bellevue zu organisieren. Die Teilnahme ist im Übrigen kostenlos.

Mit sechzehn, sagt Gütlein, hätte sie selbst gerne Workshops besucht, konnte sich die teuren Kurse aber nicht leisten. Umso mehr freue sie sich, dass sie nun anderen helfen kann. Gleichzeitig, so fügt die Rapperin hinzu, profitiere sie selbst von ihrer neuen Aufgabe: "Es ist wie mit allem im Leben: Sobald man eine Fähigkeit an andere weitergeben muss, lernt man selbst etwas dazu."

Gulp-Schamanin

Fünf für München: Jutta Speidel stand gerne mit Eisi Gulp vor der Kamera.

Jutta Speidel stand gerne mit Eisi Gulp vor der Kamera.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sie hat schon in vielen Serien, wie etwa "Forsthaus Falkenau", "Alle meine Töchter" oder "Um Himmels Willen" mitgewirkt. Nun hat Jutta Speidel einen Gastauftritt bei "Dahoam is Dahoam", dem Vorabend-Dauerbrenner im Bayerischen Fernsehen (seit Oktober 2007). Speidel, 68, spielt eine Schamanin, die in den Folgen vom 23. bis 25. August im fiktiven Lansing auftaucht und Sascha (Eisi Gulp) bei einer Krise hilft. Schamanin Andrea sei "eine Weltenbummlerin, die er einmal auf Mykonos kennengelernt hatte", heißt es in der BR-Mitteilung. "Ein lustiger, kleiner und vor allem verrückter Auftritt", kommentiert Speidel selbst.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB