Führung durch das Polizeipräsidium Zu Gast im Knast

Noch nie einen Knast von innen gesehen? Glück gehabt! Sollten Sie trotzdem neugierig sein, können Sie eine Führung der besonderen Art durchs Münchner Polizeipräsidium machen.

Von Susi Wimmer

Merkwürdigerweise riecht der Raum nach gar nichts: Der helle Fliesenboden ist blitzblank gescheuert, die gummibeschichteten Matratzen sind makellos und die sanitären Anlagen vorbildlich. "Hier könnte man vom Fußboden essen", sagt Herbert Matzge stolz. Trotzdem will bei den Gästen keine rechte Gemütlichkeit aufkommen.

Die Besuchergruppe, die gerade durchs Polizeipräsidium geführt wird, legt kaum Wert darauf, länger in der Gemeinschaftszelle der Haftanstalt zu verweilen. Schließlich sind die Gitterstäbe massiv und durch das eingetrübte Fenster lässt sich nicht einmal der Himmel erahnen.

Aber, wann hat der Münchner schon einmal Gelegenheit, hinter schwedische Gardinen zu blicken und gleich wieder entlassen zu werden? Der Rundgang mit Ingrid Mayerhanser ist keine alltägliche Stadtführung. "Sodom und Gomorrha hat es schon immer gegeben, und das Verbrechen fasziniert natürlich auch die Leute", sagt Mayerhanser.

Die Seefelderin hat die Führungen durch das Polizeipräsidium mit persönlicher Erlaubnis des Präsidenten eingefädelt. Hinter ihr steht keine Organisation, kein Bildungsinstitut. Ihr privater "Nachholbedarf" ist im Endeffekt schuld daran, dass sie seit zehn Jahren Führungen der besonderen Art anbietet: Die gebürtige Leipzigerin studierte rein aus Interesse in München ein paar Semester Geschichte, präparierte sich sorgfältig in punkto Stadtgeschichte, wenn sie mit Golffreunden auf Reisen ging und erzählte beiläufig, was sie so wusste. Aus dem Hobby wurde eine Passion.

Präsidium im Augustiner-Kloster

Ulrike Knötig beispielsweise gehört zu den Stammkunden von Ingrid Mayerhanser. Sie folgte ihr auf Sissis Spuren durch Starnberg, durch das Künstlerhaus oder den Justizpalast. "Und es ist immer interessant und spannend", versichert Knötig. Werbung braucht Mayerhansen nicht: Gut 250 Stammkunden "und Mundpropaganda" reichen aus.

Per Knopfdruck dreht sich der hölzerne Stuhl: links, mitte, rechts. Hier, beim Erkennungsdienst, werden Lichtbilder von Verdächtigen gemacht. Bis zu 10.000 Männer und Frauen nehmen jährlich auf dem Stuhl im Polizeipräsidium Platz, um "erkennungsdienstlich behandelt zu werden", wie es im Polizeijargon heißt. Auch Adolf Hitler soll hier schon notgedrungen in die Kamera geblickt haben.

Das Münchner Polizeipräsidium, so erzählt Ingrid Mayerhanser später, ist bereits seit 1914 im ehemaligen Augustinerkloster an der Ettstraße untergebracht. Die erste richtige Polizeidirektion war übrigens 1799 im La-Rosée-Bogen an der Dienerstraße stationiert.

Mayerhanser erklärt die Uniformfarben, die Architektur des Gebäudes und plaudert über den ersten Chef an der Ettstraße, Ludwig von Grundherr zu Altenthann und Weyerhaus, bei dessen Anblick die Beamten in gebückter Halten stehenbleiben mussten und sich erst nach seinem Gruß wieder aufrichten durften. Sollte jetzt der heutige Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer Interesse an der historischen Führung haben, so kann auch er sich bei Ingrid Mayerhanser anmelden.