München '72 Ein Sportcafé ohne sportlichen Anspruch

Im München '72 im Glockenbachviertel sitzen die Gäste auf Turngeräten und Schulstühlen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im München '72 im Glockenbachviertel kann man üppig und ausgedehnt frühstücken. Der Sport dient in dem Olympia-Café nur als Kulisse.

Von Camilla Kohrs

Manche behaupten ja, München sei erst mit den Olympischen Spielen 1972 zu einer richtigen Stadt geworden. Das U- und S-Bahnnetz, das Olympiastadion, der umliegende Park, das OEZ - das alles hat seinen Ursprung in den Vorbereitungen für das Sportereignis. Für Thomas Zufall machte Olympia '72 etwa mehr als dreißig Jahre später seinen Plan für ein eigenes Lokal komplett.

Ein Besuch im München '72 ist gleich eine doppelte Zeitreise: zu den Olympischen Spielen und in die eigene Schulzeit. Denn während man das "Gewichtheberfrühstück" oder die "Olympia-Eier" isst, sitzt man auf Turnböcken und Schulstühlen an Tischen, wie viele sie noch aus dem Klassenzimmer kennen. Überall im Laden finden sich Souveniers von 1972, verziert mit den olympischen Ringen: Tragetaschen, Bierkrüge, Nachttischwecker. Und an der Rückwand können die Gäste eine Momentaufnahme der Eröffnungsfeier betrachten.

Über Ebay sammelte Zufall verschiedene Olmypia-Souvenirs.

(Foto: Stephan Rumpf)

Während Thomas Zufall die Olympia-Andenken über Ebay und Sportfachgeschäfte zusammensammelte, hat das große Bild einen biografischen Hintergrund. Zufall arbeitete als Fotoredakteur, bis er sich entschloss, ein Lokal im Retrostil zu eröffnen. Weil er damals für einen Verlag an einem Projekt zu Olympia 1972 arbeitete, wählte er das Ereignis als Kulisse für sein Lokal.

"Freizeitcafé" nennt Thomas Zufall seinen Laden, weil er immer dann geöffnet ist, wenn die anderen frei haben. Das München '72 ist eigentlich eine Bar, sperrt am Wochenende aber schon um 10 Uhr seine Türen auf und serviert ein Frühstück, das nicht nur gut aussieht, sondern auch hervorragend schmeckt. Das Sportliche rückt also spätestens bei der Bestellung in den Hintergrund.

Die Einrichtung kaufte der Inhaber bei Sportfachläden in München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was gibt es da und was kostet es?

Der frühere US-amerikanische Weltklasseschwimmer Mark Spitz ist nicht nur auf dem Facebookprofilbild des Lokals zu sehen. Er ist auch der Namensgeber für die Bananenpancakes (7,20 Euro), die wunderbar knusprig gebraten sind. Weder die Pfannkuchen noch das Blaubeerkompott sind zu süß geraten. Garniert wird das Gericht mit Früchten wie Maracuja, Kiwi und Physalis.

Die Pancakes werden mit frischem Obst und Blaubeerkompott serviert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die "Olympia-Eier" (7,90 Euro), ein mit Feta zubereitetes Rührei, werden auf einem Rucola-Balsamico-Bett serviert, ohne dabei durchzuweichen. Dazu gibt es geröstete Kirschtomaten, die für sich genommen schon viel zu großartig sind, um eine gewöhnliche Beilage zu sein. Für 1,90 Euro kann man sich noch Vollkornbrot und Butter dazubestellen. Das Birchermüsli (5,80 Euro) ist vielleicht etwas flüssiger, als man es von anderswo kennt, schmeckt aber wunderbar und sieht in dem großen Weck-Glas, verziert mit Obst, auch gut aus. Zufall und sein Team bereiten es nach traditioneller Art zu, eine Geheimzutat ist aber auch dabei.

In einem Münchner Lokal darf natürlich auch das Weißwurstfrühstück (7,90 Euro) nicht fehlen und diejenigen, die keine Tierprodukte zu sich nehmen, werden mit dem "Veganen Trio" (9,50 Euro) aus Couscoussalat, Kirschtomaten und Gurkenrelish auch bedient.

Rührei mit Feta, Rucola und gebackenen Kirschtomaten: die "Olympia-Eier".

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer geht da hin?

Vor allem Freunde und Pärchen, hauptsächlich ab Mitte 20 aufwärts. Wer das München '72 nur als gemütliche Bar kennt, muss aber auch tagsüber nicht auf Kerzenschein verzichten. An einem verregneten Samstagmorgen werden einfach die Markisen ausgefahren, sodass es im Lokal dunkel wird, und die Kellnerin zündet auf den Tischen die Kerzen an.

Schade ist allerdings, dass die Gäste ihre Bestelltung auf einer DIN-A4-Seite selbst ankreuzen sollen. Wieso diese Zettelverschwendung? Zufall hat dafür drei Gründe. Zwei davon überzeugen nicht besonders: Die Kunden können sich gleich mit dem Angebot beschäftigten (können sie mit einer Karte auch) und die Kellner konzentrieren sich auf das Wesentliche, die Bestellung. Zufalls dritte Erklärung jedoch leuchtet ein: Die Frühstücksgäste erinnern sich oft nicht mehr richtig daran, was sie bestellt haben - viele sind noch verkatert.