Wer gerne herzhaft frühstückt, hat es in manchen Ländern schwer. Man versuche beispielsweise einmal in Italien morgens etwas anderes aufzutreiben als ein süß gefülltes Cornetto. In der Ukraine scheint dieses Problem nicht zu bestehen, zumindest der Frühstückskarte des Ruta nach zu urteilen. Das Bistro mit Schwerpunkt auf ukrainischer Küche hat vor gut einem Jahr im Westend eröffnet und serviert inzwischen auch schon morgens zum Wochenendbrunch Borschtsch und Warenyky.
Neben diesen zwei Klassikern, die es im Ruta zu jeder Tageszeit gibt, hat sich das Küchenteam originelle Speisen eigens für den Brunch überlegt, etwa das „Ruta Frühstück“ (19 Euro). Dabei handelt es sich um eine rustikale Platte aus mehreren einzelnen Komponenten ähnlich der deutschen Brotzeit oder – um bei der richtigen Tageszeit zu bleiben – dem Full English Breakfast.
Die ukrainische Version im Ruta ist nicht wahllos zusammengewürfelt, sondern sorgsam kuratiert. Beim Bestellen wählt man zwischen Rührei, Spiegelei und Omelette, dazu gibt es in Butter geschwenkte Ofenkartoffeln, selbst eingelegte Essiggurken und Sauerkraut. Die hausgemachte Wurst, die dazu gereicht wird, erinnert an grobe Fenchel-Salami. Dazu gibt es eine dicke Scheibe geröstetes Sauerteigbrot, zu der man am besten noch etwas Butter bestellt – ein herrlich unprätentiöses und doch kein bisschen langweiliges Ensemble.
Wenn sogar die Wurst aus eigener Herstellung kommt, überrascht es nicht, dass auch manche Heißgetränke selbst gemacht sind. So auch der Sanddorn-Tee, dessen Herstellungsprozess anscheinend in einem großen Einmachglas auf dem Küchentresen seinen Anfang nimmt. Ein Kännchen davon (0,5 Liter für 5,50 Euro) ist eine noch größere Vitamin-C-Bombe für den gesunden Start in den Tag als Orangensaft, wenn auch Sanddorn etwas saurer schmeckt.



Überhaupt gibt es in diesem offenen und momentan österlich dekorierten Gastraum nicht nur bunt gefüllte Einmachgläser zu bewundern. In den Regalen stapeln sich Bildbände zum Schmökern sowie das hauseigene Geschirr, und auch die Wände voller Kunst und ukrainischer Naturweine sind hübsch anzusehen; das Herzstück des Restaurants und damit der größte Blickfänger ist aber die rundum einsehbare Küche.
Den Köchinnen und Köchen hier bei der Arbeit zuzusehen, verkürzt gefühlt die Wartezeit, die gelegentlich länger ausfällt. Das verzeiht man dem Team aber gerne, da der freundliche Service jeden Teller schön angerichtet und handwerklich einwandfrei zubereitet an den Tisch bringt. Die Kartoffelrösti mit Lachs, Guacamole, Salat und Ei Benedict (19 Euro) sind zum Beispiel dampfend heiß und knusprig, der Lachs darauf butterzart und die Sauce hollandaise auf pochiertem Ei seidig glatt und cremig.
Ganz ohne süßen Abschluss geht’s dann doch nicht: Die Teigtaschen Warenyky werden zum Brunch nicht wie sonst mit Pilzen, Kartoffeln oder Fleisch gefüllt, sondern mit Kirschen und Mascarpone (16 Euro). Dafür sollte man unbedingt noch Platz lassen, oder aber man bleibt einfach etwas länger sitzen, bis man wieder nachlegen kann. Bis 16 Uhr bleibt genug Zeit, dann wird das Brunch-Menü gegen die Abendkarte getauscht.
Ruta Bistro, Tulbeckstraße 9, 80339 München, Telefon: 0176 812291-81, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 17 bis 23 Uhr, Brunch Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr.

