Frühstück an Münchner Schulen:Oft fehlt es am Nötigsten

Lesezeit: 4 min

In vielen Schulen steht an erster Stelle die schlichte Nahrungsaufnahme. Ärmere Familien können sich das Mittagessen in der Ganztagsschule kaum leisten - sie bekommen Zuschüsse von der Stadt, entweder über das Bildungs- und Teilhabepaket oder, wenn sie dort nicht anspruchsberechtigt sind, weil sie über der Verdienstgrenze liegen, vom Bildungsreferat über einen Sondertopf. Damit aber bleibt das Problem mit dem Frühstück ungelöst.

"Manche Eltern fangen so früh mit der Arbeit an, dass sie ihre Kinder mit dem Handy aufwecken", berichtet Anita Bock, Rektorin an der Grundschule am Schererplatz. Und Sechsjährige seien manchmal überfordert, sich selbst ein Frühstück oder ein Pausenbrot zuzubereiten. Hier hilft mittlerweile eine Vielzahl privater Vereine oder Organisationen. Brotzeit ist ein Beispiel dafür oder auch der Verein Deutsche Lebensbrücke, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. Im vergangenen Schuljahr haben die Verantwortlichen und ehrenamtlichen Helfer in ihren Frühstückclubs und Mittagstisch-Projekten in Frankfurt, Duisburg und München insgesamt 33 000 Kinder mit gesunden Mahlzeiten versorgt.

Voraussetzung für einen guten Schultag

"Und ihnen damit den Start in einen erfolgreichen Schultag ermöglicht und die Voraussetzungen geschaffen, damit sie nach der Schule mit Kraft und Energie an die Hausaufgaben gehen konnten", sagt die Vorstandsvorsitzende Petra Windisch de Lates. Die Hilfe der Lebensbrücke ist unbürokratisch und unkompliziert: Wenn eine Schule bemerkt, dass ein Kind hungrig ist, kann es einfach mitessen - ohne großen Aufwand oder Anträge.

Ähnlich läuft es auch an der Mittelschule an der Wörthstraße in Haidhausen. Dort können die Schüler jeden Morgen von sieben bis 7.55 Uhr kostenlos frühstücken. Auch an dieser Schule hatten Lehrer und Schulsozialarbeiter vor sieben Jahren festgestellt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit leerem Magen kommen und oft auch kein Pausenbrot dabei haben - entweder weil sie sich morgens selbst versorgen müssen und damit überfordert sind oder weil die Eltern Arbeitslosengeld beziehen und daher sparen müssen - oder weil sie gerade erst als Flüchtlinge in München angekommen sind und es ihnen am Nötigsten fehlt.

Ein Treffpunkt vor dem Unterricht

Für die Kinder hat das Frühstück in der Schule an der Wörthstraße noch weitere Vorteile: Sie müssen zum Beispiel vor dem Unterricht nicht mehr draußen warten, sondern können sich in der Mensa treffen, auch wenn sie nichts essen wollen. Mittlerweile nehmen gut 50 Schüler täglich dieses Angebot wahr - und die Lehrer haben bereits festgestellt, dass die Atmosphäre in der Schule sehr viel entspannter und die Zahl der Konflikte zurückgegangen sei.

Organisiert wird das Frühstück hier vom Verein Kinderschutz, der an der Mittelschule auch mit Schulsozialarbeitern tätig ist und Kooperationspartner beim offenen Ganztag. Zwei Honorarkräfte bereiten das Essen zu und räumen hinterher wieder auf. Die Münchner Tafel liefert einen Teil der Lebensmittel und Getränke, um die Kosten gering zu halten. Auf dem Speiseplan fehlt nichts: Es gibt Wurst ebenso wie Käse, Marmelade, Joghurt, Frischkäse, Honig, Müsli oder Cornflakes. Und natürlich Nutella - die ist auch hier mit Abstand am beliebtesten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema