Frühjahrsmüdigkeit:Am besten ein Nickerchen

Lesezeit: 2 min

Viel frische Luft und ein Mittagsschläfchen: Die LMU-Klimatologin Angela Schuh über die Gründe der Frühjahrsmüdigkeit und wie man dagegen ankämpft.

Christa Eder

Die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Cabrio-Saison ist eröffnet: Der Frühling erwacht, doch der Mensch will schlafen. Die Frühjahrsmüdigkeit befällt uns jedes Jahr aufs Neue. Warum das so ist, erklärt Angela Schuh, Medizinische Klimatologin am Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität.

Frühjahrsmüdigkeit

Ein kurzes Nickerchen zwischendurch hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Warum macht uns der Frühling so schlapp?

Schuh: Da gibt es mehrere Gründe. Der schnelle Temperaturwechsel und die raschen und teils heftigen Wetterwechsel um diese Jahreszeit belasten die Gefäße, vor allem bei untrainierten Leuten. Zweiter wichtiger Faktor ist das Licht. Im Winter ist die Kerntemperatur des Menschen reduziert und versetzt ihn quasi in eine Art Winterschlaf. Unser Stoffwechsel ist auf Ruhe und Wärme eingestellt. Wegen des helleren und länger andauernden Tageslichts stellt sich im Frühjahr der Stoffwechsel um, das kann anstrengen. Und schließlich der geänderte Tag- und Nachtrhythmus. Man wacht wegen der Helligkeit früher auf und geht später ins Bett. Dies führt zu einem Schlafdefizit.

SZ: Wie lange dauert die Frühjahrsmüdigkeit?

Schuh: Normalerweise etwa zwei Wochen.

SZ: In diesem Jahr scheinen die Gähnattacken gar kein Ende mehr zu finden. Liegt das am langen Winter?

Schuh: Mir sind keine Daten bekannt, dass die Frühjahrsmüdigkeit dieses Jahr intensiver ist als in den vergangenen Jahren. Wenn, dann könnte man dies höchstens damit erklären, dass es derzeit erst relativ spät am Tag warm wird. Außerdem hatten wir es in den vergangenen Wochen mit häufigen Wetterwechseln zu tun, die den Körper beanspruchen.

SZ: Wen trifft es am meisten?

Schuh: "Frühjahrsmüde" sind vor allem jene, deren Wärmeregulation wenig trainiert ist und die wetterfühlig sind. Wer sich aber regelmäßig an der frischen Luft bewegt oder in die Sauna geht, ist an den Temperaturwechsel gewöhnt und weniger empfindlich.

SZ: Was ist mit den Frühlingsgefühlen, die müssten doch wach machen?

Schuh: Im Frühjahr hält sich der Mensch mehr im Freien auf und bewegt sich mehr. Dadurch wird er auch positiv gestimmt. Diese Umstellung geht mit einer Veränderung der Hormone einher. Am wichtigsten ist dabei, dass die im Winter verstärkte Melatonin-Produktion durch das helle Licht im Frühjahr reduziert wird.

SZ: Was tut man gegen das Gähnen?

Schuh: Helles Licht in die Augen lassen. Am besten morgens ohne Sonnenbrille einen Spaziergang machen, sich viel an der frischen Luft bewegen. Wer kann, sollte sich ein kurzes Mittagsschläfchen gönnen oder früher ins Bett gehen.

SZ: Viele Menschen sind nicht nur müde, sie klagen in diesen Tagen auch über Schwindel und Kreislaufbeschwerden.

Schuh: Die Ursache dafür - wenn organische Probleme ausgeschlossen sind - kann die vegetative Umstellung oder Wetterfühligkeit sein. Beides lässt sich mit den genannten Maßnahmen lindern.

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