Gerade erst wurde in München gegen Frauendiskriminierung und sexuelle Gewalt gegen Frauen demonstriert, so wie in vielen anderen deutschen Städten auch. Das Thema ist aktuell, neu ist es leider nicht: Der Schweizer Spielfilm „Friedas Fall“ rollt einen historischen Justizfall auf, genauer gesagt geht es um die Geschichte der Näherin Frieda Keller.
Die junge Frau war Ende des 19. Jahrhunderts von einem Freund ihres Vaters vergewaltigt worden, was zu jener Zeit nicht strafbar war – zumindest für Männer. An ungewollten Schwangerschaften waren zu jener Zeit in der Schweiz grundsätzlich die Frauen schuldig, so auch Frieda. Sie bekam ein Kind von ihrem Vergewaltiger und wurde gesellschaftlich geächtet. Ihren Sohn musste sie in einer Kinderbewahrungsanstalt unterbringen.
Als dieser dort nicht mehr bleiben konnte und sie keinen Ausweg sah, erdrosselte sie den Fünfjährigen. Die Täterin war bald gefasst, sie gestand sofort und ließ sich abführen. Im Film will ein Staatsanwalt an ihr ein Exempel statuieren und fordert die Todesstrafe. Friedas Verteidiger möchte die Umstände, die zu dieser Tat führten, berücksichtigt wissen. Mit ihren persönlichen und moralischen Konflikten fordern sie das Rechtssystem heraus.
Die Titelrolle spielt die aus St. Gallen stammende Schauspielerin Julia Buchmann, vor Gericht streiten Stefan Merki und Max Simonischek um ihren Fall. Eine weitere Rolle hat Liliane Amuat übernommen, die die Münchner Theatergemeinde aus dem Residenztheater kennt. Am 19. April wird der Film im Theatiner Kino gezeigt, im Anschluss ist ein Publikumsgespräch mit Liliane Amuat geplant.
Friedas Fall, CH 2024, Regie: Maria Brendle, Sonntag, 19. April, 20 Uhr, Theatiner, Theatinerstraße 32

