"Fridays for Future" Diese Schülerinnen gehen fürs Klima nicht nur streiken

Die Umweltgruppe des Edith-Stein-Gymnasiums will mit ihrer Lehrerin ein ganzes Maßnahmenpaket für die Umweltbildung verabschieden.

(Foto: Robert Haas)
  • Seit Januar demonstrieren Schüler in München unter dem Motto "Friday for Future" für den Umweltschutz.
  • Schülerinnen des Edith-Stein-Gymnasium, die am Streik teilgenommen haben, mussten die Umweltgruppe der Schule besuchen.
  • Dort entwickeln sie Ideen wie etwa eine Ausstellung über Plastikmüll.
Von Jakob Wetzel

Ihre Schule sei nicht das Problem, sagt Hildegund Nicklas. Wenn sich die Schülerinnen für den Klimaschutz engagieren, dann sei das unterstützenswert - aber doch bitte nicht per Schulboykott. "Ich finde, es sollte nur etwas boykottiert werden, gegen das man sich auflehnt", sagt die Schulleiterin des katholischen Edith-Stein-Gymnasiums in Haidhausen. "Aber das ist doch nicht die Schule."

Nicklas sitzt an diesem Nachmittag in der Aula des Mädchengymnasiums, sie besucht die Schülerinnen der Umweltgruppe, denn es gibt Redebedarf. Seit Januar boykottieren Schülerinnen und Schüler in München freitags den Unterricht, um stattdessen unter dem Motto "Fridays for Future" für den Umweltschutz auf die Straße zu gehen; auch das Edith-Stein-Gymnasium ist bestreikt worden. An diesem Freitag ist wieder eine Demonstration angemeldet, von elf Uhr an wollen die Schüler vom Odeonsplatz zur Theresienwiese ziehen; dort wollen bei einer Kundgebung Musiker wie Hans Söllner spielen. Ebenfalls seit Januar hat sich auch das Umwelt-Team am Edith-Stein-Gymnasium erheblich vergrößert, von fünf Schülerinnen auf bis zu 15, alle zwischen 13 und 15 Jahre alt, alle in der achten oder neunten Klasse. Doch dass sie nun so viele sind, kam nicht ganz freiwillig.

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"Die meisten hier sind zwangsverpflichtet worden", sagt Johanna Tyllack; die Lehrerin leitet die Umweltgruppe an der Schule. Den Schülerinnen, die zu einer der ersten Freitagsdemos gegangen waren, wollte die Schulleiterin keinen Verweis erteilen; stattdessen wurden sie zum Besuch der Umweltgruppe verdonnert, um zu sehen, wie sie sich konstruktiv für die Umwelt einsetzen können. Freilich: Verpflichtet wären sie nur zu einem Besuch gewesen. Die meisten aber sind dabei geblieben.

Eine der anfangs unfreiwilligen Teilnehmerinnen ist die 15-jährige Johanna; sie kommt jetzt regelmäßig zu den Treffen alle zwei Wochen. "Das war eigentlich keine richtige Strafe", sondern etwas Sinnvolles, sagt sie. In den vergangenen Wochen haben die Schülerinnen zum Beispiel Müll im Schulhaus aufgesammelt - und festgestellt: Die Schule mit ihren 620 Schülerinnen produziert pro Woche etwa 2200 Liter Abfall. Erst in dieser Woche haben sie eine Ausstellung über Plastikmüll in der Aula gestaltet. Dort zeigen sie, was sich in einer vorgepackten Schultüte findet: Stifte, eine Pausenbox, ein Geodreieck, Tintenpatronen, ein Tesafilm, überall Plastik. Und sie stellen Alternativen vor, etwa Heftumschläge aus Papier oder Zahnbürsten aus Holz. In der Mittagspause vor ihrem Treffen haben zwei Schülerinnen einen plastikfreien Laden ausprobiert. Sie haben Gläser mitgebracht voller Salz, Nudeln und Müsli sowie Papierbeutel mit Dinkel, verschlossen mit einem Haargummi.

Derzeit organisieren die Schülerinnen unter anderem einen Spendenlauf; Sponsoren sollen pro auf dem Sportplatz gelaufener Runde einen Geldbetrag für den Regenwald spenden. Und bei Projekttagen in der vorletzten Schulwoche soll es unter anderem einen Koch-Workshop geben, bei dem vegane und vegetarische Rezepte vorgestellt werden. Und die Schülerinnen wollen wieder Müll sammeln, diesmal an der Isar.

Bei ihrem Treffen sprudeln die Ideen

Die Schule unterstützt sie dabei. Schon seit 2017 nennt sich das Edith-Stein-Gymnasium "Fair-Trade-Schule"; ein Schulteam setzt sich mit Fragen fairen Handels auseinander, das Thema wird im Unterricht besprochen. Und seit Januar gibt es einen "Fairomat" - einen Snackautomat mit fair gehandelten Produkten, er funktioniert ohne Strom. Die Schule verkauft sogar eigene, fair gehandelte Schokolade.

Doch auch am Edith-Stein-Gymnasium sei mehr möglich, finden die Schülerinnen. Bei ihrem Treffen sprudeln die Ideen: Sie wünschen sich mehr vegetarisches Essen im Pausenverkauf und mehr Mülleimer, um auch in der Schule den Müll besser trennen zu können. An den Schulrechnern könnte eine Suchmaschine voreingestellt werden, die die Aufforstung des Regenwaldes unterstützt, schlägt Marta, 13, vor. Und Anne, 15, findet, die Lehrer könnten darauf achten, Kopierpapier vorne und hinten zu bedrucken, nicht nur einseitig.

Hildegund Nicklas bremst etwas. Man müsse die Zusammenhänge sehen und zum Beispiel fragen, wie viel Energie auch für die Herstellung einer Glasflasche benötigt werde, sagt die Schulleiterin. Die Rechnung sei oft etwas komplizierter. Die Idee mit der Suchmaschine wolle sie aber bei der Lehrerkonferenz Anfang April vortragen. Und sie regt weitere Konsequenzen an. Was denn mit den Austauschfahrten sei, fragt sie etwa. Bisher fliegen die Schülerinnen nach England und nach Rumänien. Stattdessen könnten sie auch mit dem Zug oder mit dem Bus fahren, sagt Nicklas, das dauere nur länger. "Das sind Dinge, die dann auch ein bisschen weh tun."

Und den Schulboykott? Wirklich beendet hat die Schule diesen mit der Umweltgruppe nicht. "Wir sehen das Umweltteam nicht als Ersatz für die Demonstrationen, sondern als Ergänzung", sagt etwa Johanna. Und die Diskussion reißt auch beim Treffen mit der Schulleiterin nicht ab. Wollen viele nicht doch nur schwänzen? "Da gehen bestimmt auch Leute mit, denen der Umweltschutz vielleicht nicht so wichtig ist", räumt die 15-jährige Emma ein. Aber vielleicht könne man diese ja bei den Demonstrationen überzeugen.

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