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"Fridays for Future":Radikale Forderungen und was die Politik dazu sagt

Schülerinnen und Schüler bei einer Demonstration auf der Münchner Theresienwiese im Mai.

(Foto: Robert Haas)

Die Schülerinnen und Schüler der Freitags-Kundgebungen haben 31 Vorschläge für die Stadt München erarbeitet. Die SZ hat zwölf davon ausgewählt - und bei Entscheidungsträgern nachgehakt.

Recyclingquote von 90 Prozent

Was Fridays for Future fordert:

Die Recyclingquote im Stadtgebiet soll ab 2030 nicht unter 90 Prozent liegen.

Was der Abfallwirtschaftsbetrieb sagt:

Das ist ein sportliches Ziel, für das wir uns gerne einsetzen. Zu erreichen ist es, wenn alle an einem Strang ziehen. Was nicht funktionieren wird: Industrie, Handel und Konsumenten nutzen und konsumieren massenweise Güter und Verpackungen aus Materialien, die sich zum Recyceln nicht oder nur sehr schlecht eignen, und der AWM soll dann 90 Prozent dieser Abfälle recyceln. Als Beispiel sei der wachsende Konsum von Einwegverpackungen bei Fast-Food-Ketten zu nennen. Aktuell beträgt die Recyclingquote der Münchner Abfälle 55 Prozent.

Was die Bayernpartei dazu sagt:

Die Einführung einer "gelben Tonne", in der - wie in anderen Kommunen - der Wertstoffmüll gesammelt wird, erscheint sinnvoll, um die Recyclingquote der Stadt zu verbessern.

Was die Grünen dazu sagen:

Da viele Verbundwerkstoffe in Umlauf sind, deren Recycling sehr aufwendig ist, ist diese Marke nur zu erreichen wenn auf Bundes- und EU-Ebene die Weichen entsprechend gestellt werden.

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Kein Einwegplastik in der Stadt

Was Fridays for Future fordert:

München soll spätestens ab 2025 vollständig einwegplastikfrei sein.

Was der Abfallwirtschaftsbetrieb sagt:

Wir unterstützen diese Forderung voll und ganz! Leider gibt es für den AWM keine gesetzliche Handhabe, um Einwegplastik zu unterbinden. Lediglich bei Veranstaltungen auf städtischem Grund können wir das durchsetzen. Bereits vor drei Jahrzehnten hat der AWM versucht, Einwegverpackungen in München zu verbieten. Dagegen klagten Handel und Industrie, die Angelegenheit ging bis in die oberste gerichtliche Instanz, die schließlich urteilte, die Stadt darf dem Handel Einwegverpackungen nicht verbieten.

Was die Grünen dazu sagen:

Die Handlungsmöglichkeiten des Stadtrats beschränken sich auf den städtischen Einflussbereich. Hier wollen wir Einwegplastik möglichst noch vor 2025 abschaffen.

Was die CSU dazu sagt:

München soll spätestens ab 2025 vollständig einwegplastikfrei sein.

Was die SPD dazu sagt:

Wir müssen auf Einwegplastik verzichten, wo wir können - und wir fordern das auch vom Kaffeebecherdeckel bis zum Hundekotbeutel. Mit dem Mehrwegsystem auf der Wiesn und Kampagnen für Mehrwegsysteme bei Coffee-to-Go-Anbietern hat die Stadt bereits wichtige Weichen gestellt und es müssen weitere folgen. Vieles ist hier europa- oder bundesrechtlich geregelt, hier wollen wir weiter Druck auf allen Ebenen ausüben.

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Keine Lebensmittel verschwenden

Was Fridays for Future fordert:

Eine verantwortungsvolle Sammlung weggeworfener noch essbarer Nahrung, um Containern zu ermöglichen, und die Erhebung von nennenswerten Gebühren für Entsorgung von Lebensmitteln, insbesondere für Gastronomie und Einzelhandel.

Was die Grünen dazu sagen:

Wir unterstützen die Legalisierung des Containerns, hier ist aber die Bundesgesetzgebung gefragt. Auf städtischer Ebene wollen wir die Weitergabe von Lebensmitteln mit Ablaufdatum erleichtern, auch in städtischen Einrichtungen. Die Erhebung von Gebühren für die Entsorgung von Lebensmitteln, insbesondere für Gastronomie und Einzelhandel, ist eine völlig neue Idee, die noch gründlich untersucht werden muss.

Was die Bayernpartei dazu sagt:

Gastronomie und Supermärkten Gebühren für die Entsorgung von Lebensmitteln aufzubürden ist weltfremd. Erstens sind die Unternehmen aufgrund von Hygienebestimmungen gezwungen, abgelaufene Lebensmittel zu entsorgen, zweitens können "nennenswerte Gebühren" hier schnell existenzgefährdend werden.

Was der Abfallwirtschaftsbetrieb sagt:

Eine Sammlung von weggeworfenen, noch essbaren Nahrungsmitteln ist sicher sinnvoll. Der AWM hat dafür aber keine rechtliche Handhabe.