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Fridays for Future:"Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die wir nicht haben?"

Schülerdemo Marienplatz Klimawandel

Tausende Schüler fordern auf dem Marienplatz eine bessere Klimapolitik, sogar aus dem Umland sind einige für die Demo angereist.

(Foto: Florian Peljak)

In München gehen 3500 Schüler auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Manchen von ihnen drohen dafür Sanktionen, andere wurden extra vom Unterricht freigestellt.

"Warum in die Schule gehen, wenn die Welt untergeht?" "Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel eher nicht." Solche Sätze stehen auf den Plakaten der Schüler, die sich am Freitag auf dem Marienplatz versammelt haben, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Es ist bereits das dritte Mal, dass sie in München auf die Straße statt in den Unterricht gehen, doch so viele waren es noch nie: 3500 Schüler, unter die sich auch ein paar Studenten gemischt hatten, nahmen laut Polizei an der Demo teil; vergangene Woche waren es noch 750. Vorbild der deutschlandweiten Proteste unter dem Motto "Fridays for Future" ist die 16-jährige Greta Thunberg, die Schwedin erlangte weltweit Beachtung als Klimaschutzaktivistin.

Auch Luisa ist dabei. Sie geht in die zehnte Klasse und eigentlich wollte sie sich vom Unterricht freistellen lassen, doch die Schulleitung des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar sei dagegen gewesen. Weil Luisa trotzdem demonstriert, droht ihr nun Nachsitzen oder sogar ein Verweis. Doch der 15-Jährigen ist die Umwelt heute wichtiger. "Es gibt keinen Planet B" hat sie auf ihr Plakat geschrieben und daneben eine durchgestrichene Weltkugel gemalt. Luisa ist mit zwei Mitschülerinnen gekommen. Bei ihnen fällt der Unterricht heute aus, doch auch sie wären bereit, für den Protest Strafen zu riskieren. Luisa und die anderen beiden Mädchen sind enttäuscht von ihrem Gymnasium, das sogar eine Auszeichnung als "Umweltschule" hat. Sie finden, dass die Schule ihr Engagement unterstützen sollte. "Der Hilfeschrei der Schüler sollte ernst genommen werden", sagt Luisa.

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Nicht nur Schüler aus München haben sich auf dem Marienplatz versammelt, manche sind extra angereist. So zum Beispiel Nele Isop und ihr Mitschüler Nicola Braun, die in Kempten auf die Montessori Fachoberschule gehen. "Unser Lehrer hat uns viel Spaß gewünscht", sagt Nele. Nach Berlin zu reisen, wo an diesem Tag die Hauptdemonstration stattfindet, hätte sie auch gereizt. Weil die Zugtickets aber recht teuer seien, sei es eben München geworden.

Mit Nele und Nicola sind noch acht weitere Schüler aus Kempten nach München gefahren. "In der Schule heißt es, dass wir demokratisch sein sollen", sagt Nicola. "Jetzt sind wir es." Verweise befürchten sie nicht, aber sie werden die verpassten Stunden nachholen müssen. "Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die wir nicht haben", sagt Nicola und zitiert damit seinen Vater, der sein Engagement unterstützt. Von Seiten der Eltern befürchtet kaum ein Schüler Ärger.

Wie die meisten hier, so sind auch die 16-jährige Nele und der 17-jährige Nicola noch nicht alt genug, um wählen zu gehen. Doch mit "Fridays for Future" haben sie das Gefühl, etwas tun zu können für eine Sache, die ihnen wichtig ist. "Wir sind hier, wird sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!", rufen die Schüler, als sie bei Minusgraden durch die Innenstadt in Richtung Stachus ziehen, wo die Demonstration mit einer Abschlusskundgebung enden wird. "Wenn wir nur schwänzen würden, dann würden wir uns nicht in diese Kälte stellen", steht auf einem Plakat.

Christina Paulus und Ina Noth gehen in die elfte Klasse des Gymnasiums Olching. Mit ihnen sind etwa 150 Mitschüler gekommen, um zu demonstrieren. Es seien vor allem Schüler ab der zehnten Jahrgangsstufe darunter, sagen die beiden Mädchen. Sie hätten sich vom Unterricht freistellen lassen, mit dem Schulleiter sei diese Möglichkeit abgesprochen worden. Er unterstütze den Protest für den Klimaschutz.

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, steht hinter den Demonstrationen. Er betont allerdings, dass ein langfristiges Engagement wichtig sei. Damit, nur einmal auf die Straße zu gehen, sei es nicht getan. Meidinger ist Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf. Er selbst hat sich gegen eine Ordnungsstrafe entschieden. Stattdessen müsse der Unterricht in Form einer Podiumsdiskussion zum Thema Klimaschutz nachgeholt werden.

Viele Schüler auf dem Marienplatz sehen das kritisch, da das Thema auf diese Weise in den Schulen bleibe. Diskussionsangebote finden sie jedoch generell gut. Auch das des bayerischen Kultusministers Michael Piazolo (Freie Wähler), der Schüler zu einem Gespräch einladen möchte. Ihnen ist vor allem wichtig, dass ihr Protest diejenigen erreicht, die wirklich etwas verändern können.

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