Ehrenamt:Miteinander, füreinander

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Ehrenamt: Die Ärztin Amira Chadid (links) und Ehrenamtskoordinatorin Andreja Topsch von "Ärzte der Welt" helfen Menschen, die keinen Zugang zur medizinischen Regelversorgung haben.

Die Ärztin Amira Chadid (links) und Ehrenamtskoordinatorin Andreja Topsch von "Ärzte der Welt" helfen Menschen, die keinen Zugang zur medizinischen Regelversorgung haben.

(Foto: Robert Haas)

Bei der digitalen Freiwilligenmesse am Sonntag präsentieren 65 Organisationen Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement.

Von Sven Loerzer

Unter Mangel an Beschäftigung litt die junge Medizinstudentin ganz gewiss nicht. Über eine Studienfreundin kam sie 2015 zu der Hilfsorganisation "Ärzte der Welt" und half mit, über das Projekt open.med Geflüchteten eine medizinische Erstversorgung zu bieten. Selbst als sie auf das Staatsexamen lernen musste, engagierte sich Amira Chadid weiter. Sie trug dazu bei, die Sprechstunde in der Bayernkaserne sicherzustellen. Für sie sei das ein "schöner Ausklang eines Lerntages" gewesen. Inzwischen ist Amira Chadid Assistenzärztin in einem Krankenhaus, arbeitet im Schichtdienst auf der Intensivstation. Und übernimmt trotz dieser beruflichen Belastung noch ehrenamtliche Dienste für open.med. "Man muss sich einfach Zeit nehmen wollen", sagt die junge Ärztin. Bei ihrem ehrenamtlichen Einsatz fühle sie sich wohl: "Das Schöne ist das Team. Es sind nur Leute da, die auf die Arbeit auch wirklich Lust haben." Die Atmosphäre sei freundschaftlich-professionell.

Lust machen auf den ehrenamtlichen Einsatz und Interessierten dabei helfen, bei 65 ganz unterschiedlichen Organisationen den richtigen Platz für sich zu finden - das will die Freiwilligenmesse unter dem Motto: "Zueinander. Miteinander. Füreinander." Angesichts von Corona findet sie in diesem Jahr wieder digital statt. Auch wenn das Projektleiterin Michèle Rotter von der Förderstelle für Bürgerschaftliches Engagement (Föbe) schmerzt, weil die persönliche Begegnung fehlt, freut sie sich auf das digitale Rendezvous am Sonntag, 23. Januar, von 10 bis 17 Uhr.

Der Schul- und Bildungsbereich ist ein großes Einsatzgebiet

Nach der Eröffnung mit Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne), dem Kabarettisten Michael Altinger und dem Musiker Luis Borda gibt es um 11 Uhr eine Informationsveranstaltung zu allen Fragen rund ums Engagement, alles übertragen im Livestream auf der Messe-Website (www.muenchner-freiwilligen-messe.de). Von 12.30 bis 16.30 Uhr können Interessierte via Zoom in vier Zeit-Slots die 65 Organisationen kennenlernen. Dazu gibt es offene Gesprächsrunden in unterschiedlichen virtuellen Räumen. Wie üblich ist aber auch eine gedruckte Broschüre mit den wichtigsten Informationen über die Organisationen und die angebotenen Aufgabengebiete für Freiwillige bei der Rathaus-Information oder bei Föbe erhältlich.

Trotz Corona steht das Ehrenamt hoch im Kurs. Bei den sieben Freiwilligenagenturen hätten sich im vergangenen Jahr vor allem Jüngere gemeldet. Die größte Gruppe aber bildeten nach wie vor Berufstätige, sagt Föbe-Geschäftsführerin Gerlinde Wouters. Gerade wegen Corona sei der Schul- und Bildungsbereich nun ein großes Einsatzgebiet, weil es gelte, Versäumtes nachzuholen. Das Ehrenamt lasse sich auch da oft digital ausführen, erklärt Wouters, etwa in Lesegruppen oder aber beim so wichtigen Ausbildungstraining.

Jungen Leute, die sich engagieren, steht ein Profi zur Seite

"Ärzte der Welt", macht Andreja Topsch deutlich, biete nicht nur Engagement-Möglichkeiten im medizinischen Bereich. Dort sind auch Dolmetscher tätig. Den Behandlungsbus betreut ein ehrenamtlicher Fahrzeugwart, Datenbank-Programmierer sorgen für ordentliche Dienstpläne.

In die Telefon- und Onlineberatung von Jugendlichen könnten bei Infofon Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren nach einer im März beginnenden Ausbildung einsteigen, wirbt Infofon-Geschäftsführer Thomas Grashei um Nachwuchs. Jeden Tag von 18 bis 22 Uhr erhalten Jugendliche nicht nur Informationen, sondern können mit Gleichaltrigen auch Mobbing, Beziehungsprobleme oder familiäre Konflikte bereden. "Infofon will keine professionelle Beratung ersetzen", betont Geschäftsführer Ernest Hodzic. In den vergangenen zwei Jahren hätten die Problemanrufe zugenommen, Corona sei aber nicht direkt Thema, sondern Spannungen zu Hause. Den 30 Jugendlichen, die sich bei Infofon engagieren, stehe auch immer ein "Profi" - ein ebenfalls ehrenamtlich arbeitender Sozialpädagoge oder Psychologe - zur Verfügung, an den sie bei schwierigen Themen übergeben könnten.

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