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Freisinger Hof:Österreich am Isarufer

Im Freisinger Hof steht immer Siedefleisch auf dem Herd. Und auch sonst ist das Restaurant ein Ort der Fleischeslust - das Angebot für Vegetarier fällt eher klein aus.

Bayern und Österreich verbindet eine innige Liebe zu gekochtem Rindfleisch. Das kann man schon daran erkennen, dass Richard Strauss sich mit dem Gedanken getragen haben soll, nach seinem Ballett "Schlagobers" ein weiteres mit dem Titel "Beinfleisch" zu komponieren.

Eine Kellnerin serviert im Freisinger Hof.

(Foto: Foto: Robert Haas)

Dass es nicht dazu kam, bedauerten Wiener Musikkenner, weil ein Tongemälde über das Beinfleisch "die transzendente Schönheit von Tod und Verklärung" übertroffen hätte. In solche Verzückung versetzte in Wien das Restaurant Meissl & Schadn, wo man unter 24 verschiedenen Rindfleischstücken wählen konnte und wo Richard Strauss Beinfleisch aß. Das Meissl & Schadn ist untergegangen, nicht aber die Kunst, Rindfleisch zu sieden. Es gibt sie noch in Wien - und auch in München.

Im Freisinger Hof in Oberföhring steht immer Siedefleisch auf dem Herd. Nicht 24, aber immerhin sechs Stücke vom Mastochsen sind fester Bestandteil der Speisekarte seit gut 15 Jahren. Die österreichischen Wirtsleute Wallisch pflegen Traditionen und auch den ländlichen Stil in den Gasträumen des ockergelben alten Hauses: An den Wänden viele Bilder, die Tische weiß gedeckt, überall Blumen, auf Simsen und Fensterbrettern Kurioses und Kitsch.

Die Küche gibt sich mehr österreichisch als bayerisch und ist fein und gehoben, sowohl im Anspruch als auch in den Preisen. Nun hätte selbst Joseph Roths literarischer Kenner in Sachen Tafelspitz, der Bezirkshauptmann im "Radetzkymarsch", das für gerechtfertigt gehalten, denn am heimischen Sonntagstisch litt der alte Trotta: "Das feinste Fleisch ist verdorben, nur durch einen falschen Schnitt, es zerfällt in Fasern, es zerflattert geradezu."

Im Freisinger Hof zerflattert nichts, nicht das Beinfleisch und nicht der Tafelspitz, der sich mit einer Gabel zerteilen ließ. Dazu gab es in Saucieren Schnittlauchsauce und Apfelkren sowie knusprige Bratkartoffeln und tiefgrünen Spinat. Das Fleisch ruhte in der Brühe und im Kupfertopf - ein k.u.k. Gesamtkunstwerk (17,30 und 18,90 Euro).

Der Koch hat einen Hang zu fein dekorierten Kunstwerken und teilt sie in großzügigen Portionen aus, auch die Suppen und Vorspeisen: eine intensive Tafelspitzbouillon mit gebratenen Kaspressknödelchen etwa oder eine aufgeschäumte Dill-Senfsuppe mit geräuchertem Lachs, eine köstliche Mischung, hätte nicht der Lachs der Suppe viel Salz gespendet.

Warum zur samtigen Topinambursuppe ein Weißbier im Miniaturglas serviert wurde, hat sich nicht erschlossen. Reinschütten oder trinken? (4,20 bis 7,80). Die hauchdünn geschnittene, geräucherte Gänsebrust harmonierte wunderbar mit einem säuerlichem Linsensalat, und die geräucherten und angebratenen Blutwürste mit Äpfeln und Röstzwiebeln waren zum Niederknien (9,80 und 12,20).

Vegetarier haben es nicht leicht im Freisinger Hof, nur ein oder zwei Gerichte standen auf der Karte. Von den Bittersalat-Ravioli aber, gefüllt mit Radicchio, umgeben von gebratenem Chicorée und einer Orangen-Sauce konnten selbst Fleischesser nicht genug kriegen (14,50).

Auch Fische machen sich rar, doch der pochierte Lachs mit milder Meerrettich-Sauce und duftigem Rote-Rüben-Kartoffel-Püree war eine feine Sache (22,50).

Das Restaurant ist ein Ort der Fleischeslust: Das Wiener Schnitzel, hauchdünn und riesengroß, war eingehüllt in eine schön gewellte Panade. Saftig und mit Petersilienkartoffeln kamen die Backhendl auf den Tisch. Die halbe Bauernente mit Knödeln, Blaukraut und Bratapfel war rundum knusprig und zart - und zwar mittags und abends.

Die Lammkoteletts mit Bohnen und Kartoffelgratin im duftenden Thymianjus hatte der Koch wunderbar rosa gebraten, ebenso den Zwiebelrostbraten mit den freilich etwas batzigen Bratkartoffeln (14,90 bis 23,50). Die Pflichtfrage, wie der Gast den Rostbraten gerne hätte, vergaß die Bedienung, was vielleicht an der abendlichen Rushhour lag.

Freundlich und präsent waren die Bedienungen, doch eines gelang ihnen nicht: Im Lokal auch nur ein scharfes Messer aufzutreiben.

Die Weinkarte enthält schöne Angebote vor allem von österreichischen Weingütern. Die Offenen, ob Merlot, Welschriesling, Grüner Veltliner oder Silvaner, waren angenehm und trocken - und manchmal zu warm (0,2 Liter 4,20 bis 4,40).

So gut wie perfekt gelangen dafür die Nachspeisen. Ob Eismarillenknödel mit Vanille-Sauce, leichte Mohnmousse mit Preißelbeeren oder Pralinenmousse im feinen Baumkuchenmantel mit herben Zwergorangenragout (9,20 bis 10,80) - es gibt keinen Zweifel: Das glückliche Österreich liegt auch am Isarhochufer.

FREISINGER HOF, Oberföhringer Straße 189. Telefon: 952302, www.freisinger-hof.de. Warme Küche täglich von 11.30 bis 14.30 und von 18 bis 22 Uhr.

© SZ vom 11.02.2008/ngh

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