Zur OB-Wahl in Freising Ein Spiel mit 30 Millionen

Eschenbacher und Habermeyer dürfen beim SZ-Forum so richtig Geld ausgeben - müssen aber sagen wofür

Von Birgit Goormann

FreisingDas sind doch mal gute Nachrichten: Die Süddeutsche Zeitung schenkt der Stadt Freising und ihrem neuen Oberbürgermeister 30 Millionen Euro zum Einstand. "Schön wär's", haben sich die beiden OB-Kandidaten Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) und Sebastian Habermeyer (Grüne) am gestrigen Dienstagabend beim SZ-Forum wohl gedacht. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Stadt Freising mit über 100 Millionen Euro überdurchschnittlich hoch verschuldet ist. Den Haken an der Sache haben beide aber auch schnell erkannt, denn das Ganze war nur ein Spiel, das "Freisinger Millionenspiel".

Die beiden noch verbliebenen Wahlkämpfer sollten sagen, für was sie die 30 Millionen ausgeben würden, gesetzt den Fall, sie hätten sie tatsächlich. Schuldentilgung, Wohnungsbau, ein neues Hallenbad, Innenstadt, maroder Asamkomplex, Bau von Kinderkrippen, ein neues Studentenwohnheim, die Anbindung Lerchenfelds ans Zentrum, Bus- und Radverkehr, einen Isarpark und andere Freizeitmöglichkeiten, die Öffnung der Moosach und Sonstiges. Diese Projekte hat die SZ den beiden Diskutanten auf dem Podium zur virtuellen Realisierung vorgegeben. Die Liste hatten beide erst eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung bekommen.

Tobias Eschenbacher nahm das Angebot ernst und hatte das Geld dann auch ziemlich fix ausgegeben. Zehn Millionen für die Schuldentilgung, drei Millionen für die Innenstadt und die Moosachöffnung, fünf Millionen für neue Kinderkrippen, drei Millionen für eine bessere Anbindung von Lerchenfeld, 2,5 Millionen Euro für den Bus- und Radverkehr, 2,5 Millionen für das marode Asamgebäude und satte vier Millionen Euro für Sonstiges, wozu er ein professionelles Stadtmarketing zählte.

Grünen-Kandidat Sebastian Habermeyer steht freigiebigen Geldgebern dieser Art offensichtlich eher skeptisch gegenüber. Auf das Millionenspiel wollte er sich erst gar nicht einlassen. "Politik ist doch kein Wunschkonzert, es geht darum das Machbare umzusetzen", sagte er und empfahl stattdessen eine Bürgerbefragung, um die Freisingers selbst entscheiden zu lassen, was ihnen am wichtigsten ist. Ein "Investitions-Ranking", sozusagen. Ganz entziehen konnte er sich diesem Spielchen dann doch nicht und ließ sich entlocken, zumindest "einen großen Batzen" des geschenkten Geldes für die Schuldentilgung ausgeben zu wollen. "Ein paar Millionen" würde er auch gerne in ein besseres Bus- und Radewegenetz investieren. "Es ist eine echte Re-Investition in unsere Lebensqualität, wenn mehr Menschen ihr Auto stehen lassen. Am liebsten gleich und sofort" würde Habermeyer als OB zudem in die Anbindung Lerchenfelds investieren. "In Freising ist in einem Umkreis von zwei Kilometern alles mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen, wenn die Verbindungen optimiert sind", sagte er.

Ideen hätten beide Kandidaten also genug. Und wenn es Freisings künftigem OB dann gelingt, dafür auch Mehrheiten im Stadtrat zu schaffen, braucht er womöglich noch nicht mal 30 Millionen Euro von einem fremden Geldgeber.Birgit Goormann-Prugger