Zu viel Verkehr 40-Tonner aus aller Herren Länder

Die enge Straße an der Kapelle in Inkofen ist nach einem Unfall gesperrt, weil das denkmalgeschützte Gebäude einsturzgefährdet ist. Ein Anwohner kämpft nun für ein Lastwagen-Durchfahrtsverbot.

(Foto: Lukas Barth)

Nach dem Unfall an der Kapelle ist die Staatsstraße in Inkofen derzeit gesperrt. Ein Anwohner fordert langfristig ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen - doch nach Auskunft des Staatlichen Bauamts ist das rechtlich nicht machbar

Von Katharina Aurich

Vorübergehend geht gar nichts mehr. Ende Oktober war eine junge Frau auf der schmalen Staatsstraße, die durch Inkofen führt, mit ihrem Autos gegen die kleine Kapelle in der Ortschaft geprallt. Da das Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert jetzt einsturzgefährdet ist, wurde die Straße auf unbestimmte Zeit gesperrt. Und der nächste Zwischenfall sei programmiert, fürchtet ein Inkofener Bürger in einem Brief an die Redaktion. Denn der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr, auf der engen, gewundenen Straße durch den Ort habe enorm zugenommen.

Er schlägt vor, die Straße für Lastwagen zu sperren oder eine Ampel aufzustellen, so dass der Verkehr nur jeweils von einer Seite komme, außerdem den Gehweg gegenüber der Kapelle zu verbreitern oder mit Pollern zu sichern. Diese Vorschläge haben laut Carola Hetzenecker vom Staatlichen Bauamt Freising keine Chance, verwirklicht zu werden. Denn der "ungehinderte Verkehrsfluss" müsse gewährleistet sein, die Straße dürfe nicht noch schmaler werden. Für ein Lastwagen-Fahrverbot auf der Staatsstraße gebe es "keinerlei Grundlage", denn wo sollten die Fahrzeuge hin?, fragt Hetzenecker. Aufgabe der Staatsstraße sei es, den überregionalen Verkehr zu befördern. "Sicherheit und Leichtigkeit" des Verkehrsflusses dürften nicht behindert werden.

Für den Inkofener Bürger, der an der Staatsstraße wohnt, steht jedoch die Gefährdung der Anwohner im Vordergrund und er hofft, dass der Unfall an der Kapelle, bei dem glücklicherweise niemand verletzt worden sei, die schwierige Lage in der Ortschaft deutlich mache. Da Inkofen sehr verkehrsgünstig für Lastwagenfahrer liege, die eine kostengünstige Route von der A 9 in Richtung Moosburg und Niederbayern suchten, würden "Tag für Tag 40-Tonner aus aller Herren Länder durch unseren Ort fahren", heißt es in dem Brief weiter. Besonders in den Morgenstunden hielten sich die Fahrer nicht an die Tempobegrenzung, sondern "donnerten mit leeren Ladeflächen durch die Straße". Wenn man diese überqueren wolle, könne man nur hoffen, dass gerade "kein 40-Tonner um die Kurve herab schießt oder eine Gruppe Motorradfahrer durch den Ort rast", schreibt der Vater zweier Söhne. Auf der Staatsstraße gilt Tempo 50, die Gemeinde hat eine Reduzierung auf 30 beantragt. Dazu fänden Gespräche zwischen dem Staatlichen Bauamt, der Polizei, dem Landratsamt und der Gemeinde statt, informiert Robert Stangl, Pressesprecher des Landratsamtes.

Außer auf die Gefährdung der Fußgänger, die auf dem schmalen Gehweg unterwegs sind oder die Straße überqueren, weist der Inkofener Bürger darauf hin, dass aufgrund der ständigen Erschütterungen durch den Schwerlastverkehr die Kapelle zerstört werde. Derzeit sei das beschädigte Bauwerk durch Spanngurte gesichert, die Risse würden jedoch größer, berichtet Hetzenecker. Dem Eigentümer sei geraten worden, einen im Denkmalschutz erfahrenen Statiker hinzuzuziehen, um eine Restaurierungsplanung zu erstellen, informiert Stangl, denn die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes ist für die Kapelle zuständig. Die Kosten für die Instandsetzung müsse wohl die Versicherung der Autofahrerin übernehmen.

Seit fünf Wochen rollt der Verkehr nun durch die noch schmalere Inkofener Dorfstraße. Es gebe zwar eine ausgeschilderte Umleitung um die Ortschaft herum, aber die allermeisten nutzten den direkten Weg. Der Autofahrer sei ein "freier Vogel", sagt Hetzenecker, und könne jede öffentliche Straße, die nicht gesperrt sei, nutzen.