Jubiläum in Zolling:"Ein halbes Jahrhundert erfolgreiche Kommunalpolitik"

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Jubiläum in Zolling: Ungleiche "Twin-Towers" mit Symbolcharakter: Während die traditionelle Zollinger Bevölkerung eher CSU wählte, fanden Arbeitnehmer des Kraftwerks, dessen Kamin man links sieht, beim Vorgänger der UBZ eine politische Heimat.

Ungleiche "Twin-Towers" mit Symbolcharakter: Während die traditionelle Zollinger Bevölkerung eher CSU wählte, fanden Arbeitnehmer des Kraftwerks, dessen Kamin man links sieht, beim Vorgänger der UBZ eine politische Heimat.

(Foto: Johannes Simon)

Die Unabhängigen Bürger, die heute sechs von 16 Gemeinderatsmitgliedern und den Bürgermeister stellen, feiern ihr 50-jähriges Bestehen.

Von Katharina Aurich, Zolling

Etwa 40 Gäste haben kürzlich den 50. Geburtstag der Wählergruppierung "Unabhängige Bürger Zolling" (UBZ) gefeiert, die in dieser Wahlperiode sechs der 16 Gemeinderäte in der Gemeinde stellen. Vorsitzender Stephan Griebel freute sich, dass endlich wieder gefeiert und dieses Jubiläum gebührend gewürdigt werden könne, denn die Unabhängigen Bürger stünden für ein "halbes Jahrhundert erfolgreiche Kommunalpolitik in Zolling," sagte er.

Ursprünglich hieß die Wählergruppierung "Arbeitnehmer und Siedler", denn diese gründeten die Gruppierung. Die bayerische Gebietsreform von 1971 bis Ende der 1970er Jahre bescherte der kleinen Gemeinde Zolling zusätzlich die Ortsteile Anglberg, Palzing und Oberappersdorf, so dass die Kommune bei der Gemeinderatswahl 1972, als die "Arbeitnehmer und Siedler" das erste Mal antraten, deutlich gewachsen war. Außerdem wurden neue Baugebiete ausgewiesen, um auch für die steigende Mitarbeiterzahl des Leininger-Werkes, das später dann zu den Isar-Amper-Werken gehörte, Bauland zu schaffen.

Die Kraftwerksmitarbeiter hatten andere politische Interessen

Doch nicht nur die Bevölkerung der Gemeinde sei gewachsen, sondern die Kraftwerksmitarbeiter und ihre Familien hätten auch andere politische Interessen und Ziele verfolgt als die traditionelle Zollinger Bevölkerung, schilderte Griebel in seinem Rückblick. Außerdem fanden sogenannte Vertriebene in Zolling eine neue Heimat. Alle diese Neubürger waren keine Landwirte und meist auch keine Handwerker oder Unternehmer, sondern Arbeiter und Arbeitnehmer, die sich selbst auch als Siedler bezeichneten. Die Gemeinde war bis dahin überwiegend von den großen landwirtschaftlichen Höfen geprägt, Landwirte wählten eher die CSU.

Die Gründer der heutigen UBZ, allen voran Franz Schwaiger, sahen ihre Interesse von den bestehenden Wählergruppierungen in der Kommunalpolitik nur unzureichend vertreten, erläuterte Griebel. Es war dann Schwaiger, der eine Handvoll Gleichgesinnte um sich scharte und sich Anfang der 1970er Jahre traute, mit einer eigenen Liste im Kommunalwahlkampf anzutreten. Dies war die Geburt der Wählergemeinschaft "Arbeitnehmer und Siedler", die sofort fünf Gemeinderäte in den damals noch 14-köpfigen Gemeinderat entsandte. Anfangs habe man sich vor allem zu den Wahlterminen koordiniert getroffen, erst später dann die politische Arbeit systematisiert und aus dem Zusammenschluss kommunalpolitisch interessierter Zollinger einen Verein gegründet, erinnerte der Vorsitzende.

Auf einen programmatischen Überbau wurde all die Jahre verzichtet

Auf einen programmatischen Überbau sei all die Jahre verzichtet worden, weil man sich als Gegenentwurf zu den etablierten Parteien verstanden habe, erklärte Griebel. Besonders wichtig sei den Mitgliedern möglichst viel individuelle Freiheit gewesen und es habe keinen Fraktionszwang gegeben, sondern jeder seiner Überzeugung nach abgestimmt. Die notwendige Übereinstimmung habe sich dadurch ergeben, dass kommunalpolitisch Interessierte ihre Gemeinde aktiv gestalten wollten und offensichtlich in Vielem gleicher Meinung waren.

Jubiläum in Zolling: In Helmut Priller stellen die Unabhängigen Zollinger Bürger seit 2020 auch den Bürgermeister.

In Helmut Priller stellen die Unabhängigen Zollinger Bürger seit 2020 auch den Bürgermeister.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Gruppierung nannte sich schließlich in "Unabhängige Bürger und Siedler" und dann in "Unabhängige Bürger Zolling" um und stellt seit 2020 mit Helmut Priller den Bürgermeister. Auch in Zukunft wollten die Mitglieder wie seit 50 Jahren das Beste für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde erreichen, betonte der Vorsitzende. Kommunalpolitik sei nichts für schnelle, unstete Menschen, denn Kommunalpolitik könne mühsam sein und bedeute, mit langem Atem dicke Bretter zu bohren.

Kommunalpolitik heiße aber auch, Bürgern gesellschaftliche Ziele zu vermitteln, beispielsweise die Wichtigkeit, nachhaltig zu leben, sagte Griebel. Wie die Verzahnung von Nachhaltigkeit und Kommunalpolitik aussehen könne, erläuterte bei der Geburtstagsfeier anschließend Johannes Becher, der für die Grünen im Bayerischen Landtag sitzt.

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