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Fußballtrainer Sepp Summerer im Interview:"Der Fußball hat gleich wieder Spaß gemacht"

Seit Ende Juli wird beim SVA Palzing wieder richtig trainiert. Trainer Sepp Summerer (2. von links) ist guter Dinge, den Klassenerhalt in der Bezirksliga in den restlichen elf Spielen noch zu schaffen - immer vorausgesetzt, Corona macht seinem Team nicht noch einen Strich durch die Rechnung.

(Foto: Marco Einfeldt)

Trainer Sepp Summerer schildert, wie der SVA Palzing die Rückkehr ins Training unter Corona-Bedingungen meistert, wie die Hygieneauflagen umgesetzt werden können - und was er von dem eigens eingeführten Ligapokal hält.

Von Johann Kirchberger, Freising

Als im März die Fußballsaison unterbrochen wurde, dachte wohl niemand daran, dass die Pause so lange dauern würde. Nun scheint die Fortsetzung im September gesichert, seit einer Woche dürfen wieder Trainingsspiele zur Vorbereitung ausgetragen werden. Trainer Sepp Summerer ist echt froh darüber, der Fußball sei ihm schon sehr abgegangen, sagt er. Jetzt hoffe er nur darauf, dass die Saison ohne Probleme zu Ende gespielt werden kann. Die Freisinger SZ hat sich mit ihm über seinen Verein, den SVA Palzing, und über die Hygiene-Vorschriften in Corona-Zeiten unterhalten.

SZ: Der SVA Palzing hat ja schon getestet und gegen den BC Attaching mit 3:1 gewonnen. Wie groß ist momentan noch der Trainingsrückstand und wie macht sich der im Spiel bemerkbar?

Josef Summerer: Die Fitness ist nach der langen Pause natürlich noch nicht ganz da. Man hat schon gemerkt, dass die Sicherheit fehlt, das Timing, einen sauberen Ball zu spielen. Aber im Grunde funktioniert es schon wieder ganz gut, meine Spieler haben das recht ordentlich gemacht.

Wie habt ihr eigentlich die Zwangspause überstanden? Wie haben sich die Spieler fit gehalten?

Einige Spieler waren sehr fleißig im Ausdauerbereich, haben Läufe gemacht und sind mit dem Radl gefahren. Aber um fit zu sein, brauchst du ein richtiges Training, brauchst du den Wettkampf.

Seit wann trainiert ihr wieder und wie war das mit Training in Gruppen und ohne Zweikämpfe?

Mitte Juni haben wir uns erstmals wieder getroffen, einmal die Woche. Die Spieler haben sich gefreut, sich wieder einmal zu sehen. Weil körperlicher Kontakt noch nicht möglich war, haben wir Pässe geübt, Hütchen aufgestellt, Fußballtennis gespielt und kleine Wettbewerbe durchgeführt. Da muss man eben kreativ sein. Wichtig war die soziale Komponente - und der Fußball, so eingeschränkt er auch möglich war, der hat gleich wieder Spaß gemacht. Seit 27. Juli trainieren wir jetzt wieder voll.

Da gibt es ja noch weitere Auflagen, wie etwa in Sportklamotten zum Training zu kommen, nicht zu duschen, Bälle und Tore zu desinfizieren, außerhalb des Spielfelds Maske zu tragen und vieles mehr. Wie schwierig ist es, sich daran zu halten?

Wir haben schon versucht, die Vorschriften einzuhalten, haben einen Hygiene-Beauftragten eingesetzt, sind nicht in der Kabine zusammengesessen, haben Abstand gehalten und nicht gemeinsam geduscht. Aber die Bälle ständig zu desinfizieren, wie soll denn das gehen?

Die Teilnahme an Testspielen ist nur Aktiven mit symptomfreiem Gesundheitszustand erlaubt. Von wem und wie soll das überprüft werden?

Da kann man nur an das Grundverständnis jedes Einzelnen appellieren, vorsichtig zu sein und nicht zu erscheinen, wenn man erkältet ist oder gar Fieber hat. Ansonsten können wir nur hoffen, dass nichts passiert, dass sich keiner infiziert und wir dann nicht in Quarantäne müssen. Das wäre katastrophal.

Das Hygienekonzept des Verbands sieht vor, für Spieler und Offizielle im Freien Waschgelegenheiten, Flüssigseife und Einmalhandtücher bereitzustellen. Wie muss man sich das vorstellen, werden da große Waschzuber herangeschafft?

Seife und Handtücher: ja. Aber eine Schüssel Wasser, in der sich alle waschen, das ist ja Unsinn. Da ist es wesentlich hygienischer, die Duschen aufzudrehen.

Zuschauer sind bei den Testspielen und womöglich auch bei den kommenden Punktspielen nicht erlaubt. Ist das vertretbar? 100 Leute könnten doch locker in einem Stadion verteilt werden, ohne die Abstandsregeln zu verletzen.

Bei Trainingsspielen kommen vielleicht 20 Leute, die einfach die Mannschaft mal wieder sehen wollen. Wir bitten sie dann eben, nicht so nah an das Spielfeld heranzugehen und aus der Ferne zuzuschauen. So ein Stadion ist so groß, da kann man locker 200 Leute verteilen, ohne dass die sich zu nahe kommen. Mehr kommen doch eh nicht. Und wenn Desinfektionsmittel auf den Toiletten bereitliegt, sollte das reichen. Ich hoffe deshalb, dass bald wieder Zuschauer zugelassen werden und dieses Verbot aufgehoben wird.

Um bis Saisonende im Mai nächsten Jahres keine Pausen entstehen zu lassen, lässt der Fußballverband einen Ligapokal ausspielen. Ist das für die Vereine interessant oder eher eine lästige Pflichtaufgabe?

Von diesem Ligapokal halte ich nicht viel, ich weiß nicht so recht, was uns das bringen soll, außer spielfreie Wochenenden zu überbrücken und im Rhythmus zu bleiben. Mir wäre es da schon lieber gewesen, die alte Saison abzubrechen, den Ersten aufsteigen zu lassen und dann völlig neu zu starten.

Wie groß ist die Chance aus Ihrer Sicht, die restliche Saison einigermaßen störungsfrei zu Ende zu spielen?

Das ist schwierig. Keiner weiß, wie sich Corona entwickelt. Ich kann nur hoffen, dass sich keiner infiziert und wir wieder Fußball spielen können.

Der SVA Palzing steht momentan in der Bezirksliga auf einem Abstiegsplatz. Wie zuversichtlich sind Sie, den Klassenerhalt in den restlichen elf Spielen noch zu schaffen?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Wir versuchen, uns gut vorzubereiten, wollen fitter sein als die Gegner und hoffen, möglichst wenig Verletzte zu haben. Die Spieler ziehen gut mit, die Trainingsbeteiligung ist sehr gut, ich habe ein gutes Gefühl, dass wir das noch schaffen können. Wir haben ja in der ganzen Saison noch kein Heimspiel gewonnen, das ist unglaublich und mir in meiner ganzen Laufbahn noch nie passiert. Aber irgendwann wird sich das hoffentlich auch mal ändern, so viel Pech kann man auf Dauer ja gar nicht haben.

© SZ vom 10.08.2020/nta

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