Zeitumstellung Wenn die Uhren anders ticken

Uhren über Uhren: Die Kirchturmuhren im Landkreis stellen mittlerweile automatisch von Winter- auf Sommerzeit um, die Uhren auf dem Handydisplay sowieso. Von der Zeitumstellung am Wochenende verschont geblieben ist die Sonnenuhr am Kardinal-Döpfner-Haus in Freising.

(Foto: SZ)

Für die meisten Menschen im Landkreis Freising ist die Umstellung wohl kein großes Problem. Bei der Frage nach Sommer- oder Winterzeit gibt es aber eine eindeutige Präferenz.

Von Thilo Schröder und Nadja Tausche, Freising

Seit ein paar Tagen ticken die Uhren wieder anders. Es könnte eines der letzten Male sein, dass die Uhren in Europa umgestellt worden sind: Ende März hat das EU-Parlament beschlossen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Jetzt sollen die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie lieber die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten wollen. Für die Menschen im Landkreis scheint die Zeitumstellung kein sonderlich großes Problem gewesen zu sein - bei der Frage nach Sommer- oder Winterzeit gibt es aber eine eindeutige Präferenz.

Der Uhrmacher

Die höchste Uhrendichte - und damit die meiste Arbeit bei der Zeitumstellung - hat vermutlich der Uhrmacher. "Es ist schon ein gewisser Aufwand", sagt Heiko Widmann. In seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in Freising gebe es über 500 Uhren. Die Zeitumstellung dauere deshalb etwas länger. "Wir fangen eine Woche vorher an", sagt Widmann. Aber nicht nur um die eigenen Uhren kümmere er sich, auch um die der Kunden. "Wir haben sehr viele Kunden, die den Service nutzen." Dass die Zeitumstellung ab 2021 wegfallen soll, "das ist schon eine Arbeitsersparnis, aber man ist daran gewöhnt", sagt Widmann. Man erledige das nebenher. Vergessen habe er die Zeitumstellung jedenfalls nie, auch wenn er sie persönlich nicht möge und die Sommerzeit bevorzuge. "Ich mag's halt, wenn's abends länger hell ist."

Der Psychosomatiker

Hat es Auswirkungen auf Menschen mit psychischen Erkrankungen, wenn es zu einer anderen Zeit dunkel wird, wenn sie Medikamente zu einer anderen Uhrzeit nehmen müssen als bisher? Bruno Schröder ist Chefarzt der psychosomatischen Abteilung des Freisinger Krankenhauses, er sagt: Von sich aus haben seine Patienten das Thema Zeitumstellung bisher nicht thematisiert. Er gehe also nicht davon aus, dass sie ein großes Problem damit haben. Man könne durchaus festhalten, dass die Sommerzeit für Menschen mit Depressionen von Vorteil sei: "Für sie ist es tendenziell besser, wenn es abends eine Stunde länger hell ist", sagt Schröder. Auch im Winter ließen sich bei Depressionen saisonale Häufungen feststellen, die unter anderem mit dem wenigen Tageslicht im Winter zusammenhängen. Er persönlich sei für das Beibehalten der Sommerzeit, sagt er.

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Der Landwirt

Für Landwirt Martin Wildgruber ist die Zeitumstellung kein großes Problem. In seinem Stall in Niederhummel in der Gemeinde Langenbach stehen 35 Milchkühe. Zwar merken die bei der Umstellung auf die Winterzeit, wenn sie später gefüttert werden: "Aber das hat sich nach zwei Tagen eingespielt", sagt er. Außerdem füttere er die Tiere nicht immer auf die Minute genau zur gleichen Zeit. Auch für den Landwirt selbst spielt keine Rolle, wann es dunkel wird. "Die Getreideernte geht sowieso bis in die Nacht hinein", sagt er, und in der Winterzeit sei auf seinem Hof im Vergleich zum Sommer wenig zu tun - um wie viel Uhr es dunkel werde, sei deshalb egal. Beruflich mache die Zeitumstellung also wenig Unterschied, als Mensch sieht Wildgruber sie positiv: "Es ist doch schön, wenn es im Sommer abends länger hell ist", sagt er.

Die Bäckereiverkäuferin

In der Bäckerei Welter in Freising scheint man auf die Zeitumstellung eingestellt zu sein. "Das ist kein Problem", sagt Verkäuferin Karoline Haage. Eine Sorge gebe es an den beiden Wochenenden in jedem Jahr, wenn die Zeit umgestellt wird, aber doch: "Wir haben nur Angst, dass diejenige verschläft, die am Sonntag Dienst hat."

Die Kirchen

Während früher noch der Mesner auf den Kirchturm klettern musste, wenn mit der Kirchturmuhr etwas nicht gestimmt hat, ist das heute anders. In der Kirche Sankt Lantpert in Freising stelle sich die Kirchturmuhr zwei Mal im Jahr automatisch um, heißt es von der Pfarrei. Auch am Kastulusmünster in Moosburg hängt eine Funkuhr. "Dass man die Zeiger per Hand drehen muss, gibt es schon seit 50 Jahren nicht mehr", schätzt Rosina Lobmayer vom dortigen Pfarrbüro. Nur, wenn ein Zeiger kaputt sei, müsse heute überhaupt noch jemand nach oben steigen - das passiere dann mithilfe eines Gerüsts, berichtet sie, komme aber nur alle paar Jahre vor.

Die Bahn

Bei laufendem Betrieb sind am vergangenen Wochenende die Uhrzeiger an Bahnhöfen, Ticketautomaten und in Zügen im Landkreis Freising um eine Stunde vorgesprungen. Dadurch fehlt rechnerisch eine Stunde im Fahrplan, was zwar für Verwirrung sorgen kann, aber nicht weiter auffällt. Der Wegfall der Zeitumstellung in der EU könnte für die Bahn allerdings nicht weniger sondern mehr Aufwand bedeuten, da jedes Land selbst entscheidet, ob es die Sommer- oder die Winterzeit beibehält. Bei grenzüberschreitenden Reisen könnte es also tatsächlich Probleme mit den Fahrplänen geben. Ein Sprecher sagt: "Für die Deutsche Bahn ist wichtig, dass wir eine einheitliche europäische Zeit haben."

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