Immobilienmarkt in EchingFür kleinere Einkommen zu teuer

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Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Eching sind inzwischen so hoch, dass sich für das soziale Wohnbaumodell der Gemeinde an der Böhmerwaldstraße keine Interessenten finden.
Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Eching sind inzwischen so hoch, dass sich für das soziale Wohnbaumodell der Gemeinde an der Böhmerwaldstraße keine Interessenten finden. Marcus Brandt/dpa

Bei einem Neubauprojekt an der Echinger Böhmerwaldstraße sollten 30 Eigentumswohnungen zu vergünstigten Preisen angeboten werden, doch auch sie gehen nun in den freien Verkauf. Es gab nur sechs Bewerber – und alle haben inzwischen abgesagt.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Der erste Versuch der Gemeinde Eching, ein vergünstigtes Wohnbaumodell auch für Eigentumswohnungen an den Markt zu bringen, ist gefloppt. Die galoppierenden Preise auf dem Immobilienmarkt haben die soziale Idee überholt. Jetzt gehen die 30 für eine vergünstigte Vergabe reservierten Wohnungen im Neubauprojekt an der Böhmerwaldstraße zurück an den Bauträger und dann in den freien Verkauf.

1000 Euro Abschlag je Quadratmeter, das war in diesem Fall das vorgesehene Sponsoring der Gemeinde Eching für weniger Begüterte, um ihnen Wohneigentum zu ermöglichen. Allerdings haben die Immobilienpreise während jedes Bearbeitungsschritts des Modells den sozialen Gedanken konterkariert.

Über 8000 Euro werden an der Böhmerwaldstraße nun als Quadratmeterpreis aufgerufen. Da die Zulassung zu einem vergünstigten Wohnbaumodell an Obergrenzen bei Einkommen und Vermögen gekoppelt ist, war dann selbst die Reduktion um 1000 Euro für den Bewerberkreis nicht ausreichend hilfreich.

Für 30 vergünstigt angebotene Wohnungen hatten sich gerade einmal sechs Bewerber gemeldet – und nach dem Gang zur Kreditabteilung ihrer Bank haben alle sechs wieder zurückgezogen. Um das Modell auch nur ansatzweise aufrechtzuerhalten, hat die Gemeindeverwaltung jetzt das Konstrukt ersonnen, die Wohnungen ohne Zulassungsbeschränkung zu vergeben; für die 1000 Euro Preisnachlass sollte einzig die Auflage verbunden sein, sie dann günstig zu vermieten.

So würde die Intention des Modells wenigstens in Grundzügen noch erreicht, argumentierte Echings Bürgermeister Sebastian Thaler. Der Hauptausschuss des Gemeinderats konnte mit dieser Konstruktion allerdings nichts anfangen, mit 9:1 Stimmen wurde die Idee gegen die Stimme des Bürgermeisters schließlich verworfen.

Ein Drittel der Wohnfläche sollte für das soziale Wohnbaumodell zur Verfügung stehen

Das Wohnbaumodell habe „ganz klar soziale Kriterien verfolgt“, fasste Christoph Gürtner im Ausschuss die ablehnende Haltung zusammen, das würde bei dieser Lösung „in keinster Weise mehr umgesetzt“. Mit der Notwendigkeit, zehn Jahre lang Mietpreise zu kontrollieren, wäre auch die Umsetzung „äußerst kompliziert“.

Als Abschluss des seit einigen Jahren entwickelten Neubaugebiets östlich der Böhmerwaldstraße entsteht gerade entlang der Bahngleise ein Wohnblock mit 100 Wohneinheiten. Die Gemeinde hatte das Grundstück dazu an einen privaten Bauträger verkauft mit der Auflage, selbst ein Drittel der Wohnfläche zum vergünstigten Preis vergeben zu können.

„Wir hatten ein anderes Ziel“, sagt der Bürgermeister

Als Klausel für den jetzt eingetretenen Fall wurde vereinbart, dass der Bauträger nun alle Wohnungen frei verkaufen kann, die Gemeinde erhält dafür eine nicht öffentlich bezifferte Abschlagszahlung. Nun sei die Ablöse zwar ein warmer Regen, „aber wir hatten ein anderes Ziel“, bedauerte der Bürgermeister.

Der Ansatz, mit dem Erlös nun selbst zwei oder drei Wohnungen zum Marktpreis anzukaufen und sie dann günstig zu vermieten, wurde im Ausschuss nicht verfolgt. Für die Anlage werde „ein nicht gerade günstiger Kaufpreis“ aufgerufen, erinnerte Thaler.

Das Geld soll ohne Zweckbindung in die Gemeindekasse fließen; im unmittelbaren Anschluss an die Wohnanlage baut die Gemeinde demnächst selbst einen Mietblock mit 19 Wohnungen, dafür kann sie Geld gebrauchen.

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