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Umstrittenes Projekt:Windrad bei Nandlstadt: Landratsamt erteilt Genehmigung

Im September 2018 trafen sich Landrat, Bürgermeister und Bürger zum Ortstermin in Haslach. Dort wird das Windrad neben der Kirche aufragen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Landratsamt erteilt die Genehmigung für das umstrittene Windrad bei Großgründling. Gebaut wird aber noch nicht. Die Gegner erwägen eine Klage, während der Betreiber erst an einer Ausschreibung teilnehmen muss.

Das Windrad zwischen Nandlstadt und Au bei Großgründling kann zumindest formell gebaut werden. Vergangene Woche erteilte das Landratsamt die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zu Bau und Betrieb. Mehr als zwei Jahre hat das Verfahren gedauert, wegen der Erfahrungen mit dem Kammerberger Windrad hat es die Behörde diesmal ganz genau genommen. Dass der positive Bescheid des Bauantrags trotz geltender 10-H-Regelung möglich war, liegt daran, dass die Anlage schon beantragt wurde, als es die bayerische 10-H-Regelung, mit der Vorgabe, ein Windrad müsse das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Bebauung entfernt sein, noch nicht gab.

Diese Vorgabe nämlich erfüllt das Windrad bei Großgründling nicht. Die nächste Bebauung, im Auer Ortsteil Haslach und dem Nandlstädter Ortsteil Großgründling, sind nur 750 Meter entfernt, das Windrad selbst soll aber 200 Meter hoch werden. Erklärte Gegner des Projektes sind nicht nur die nächsten Anwohner und die Bürgerinitiative "Windwahnsinn", sondern auch die Bürgermeister und Gemeinderäte von Nandlstadt und Au. Die geplante Anlage nämlich liegt auf Nandlstädter Gebiet, nahe der Gemeindegrenze von Au.

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Noch diese Woche ist ein Termin beim Anwalt geplant

Der Zweite Nandlstädter Bürgermeister Jens-Uwe Klein geht davon aus, dass der Marktrat noch einmal über eine Klage entscheiden wird. Der Auer Bürgermeister Karl Ecker kündigte an, noch diese Woche einen Termin bei dem Anwalt wahrzunehmen, den die zwei Gemeinden gemeinsam beauftragt haben. Dann werde man weiter sehen. Eines stehe fest, so Ecker: "Wir werden Seite an Seite weiterkämpfen."

Auch im Landratsamt ist man wohl von einer Klage der Windradgegner ausgegangen. Denn der Bescheid wurde ohne Anordnung des sofortigen Vollzugs erteilt. Das bedeutet, dass mit dem Bau des Windrads erst begonnen werden kann, wenn der Bescheid nicht mehr durch eine Anfechtungsklage angegriffen werden kann oder ein entsprechendes gerichtliches Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Ansonsten aber, betonte Amtssprecher Robert Stangl auf Nachfrage, lägen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Genehmigung des Windrads vor, einen Ermessensspielraum habe das Landratsamt da nicht.

Der Entwickler muss erst einmal an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen

Erleichtert war Vitus Hinterseher, einer der Männer, die hinter dem Antragsteller stehen, der Firma Tetra r.e, einem Zusammenschluss von vier Windkraftentwicklern. Gebaut wird freilich noch nicht, und das hat nicht nur etwas mit dem möglichen Prozess gegen die Genehmigung zu tun. Vielmehr, erklärte Hinterseher, müsse man als Entwickler jetzt erst einmal an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen. Diese gibt in regelmäßigen Abständen ein gewisses Volumen an Stromleistungen aus, Betreiber von Anlagen können sich dann darum bewerben, den Zuschlag erhält das günstigste Angebot. "Erst wenn man die Ausschreibung hat, hat man eine Vergütungsgrundlage", erklärt Hinterseher.

Er hofft, dass die weitere Diskussion um das beantragte Windrad sachlich verläuft, denn unwahre Behauptungen kursierten schon genug. Fakt sei, betont er, die Prüfung durch das Landratsamt sei äußerst intensiv verlaufen, "da haben wir zwar graue Haare bekommnen, aber jetzt haben wir Unterlagen von höchster Aussagekraft und Qualität". Für die Windkraftgegner, zumindest die Anwohner unter ihnen, hege er durchaus Verständnis. Andererseits: "Jeder ist für die Energiewende und Klimaschutz, aber in dem Moment, wo es zu größeren Veränderungen kommt, wird das auf einmal viel differenzierter gesehen."

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