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Westtangente in Freising:Umgehungsstraße wird noch teurer

Im Norden wird an der Kreuzung der Thalhauser mit der Griesfeldstraße bis Mai 2020 ein Kreisel entstehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wegen der nötigen künstlichen Dichtungsschicht im Untergrund liegt man jetzt bei 133,8 Millionen.

Der Bau der Freisinger Westtangente wird noch einmal deutlich teurer. War man zuletzt bereits von gut 108 Millionen Euro ausgegangen, die für die 3,5 Kilometer lange, über Jahrzehnte umstrittene Umfahrung der Stadt aufgebracht werden müssen, sprach Projektleiter Franz Piller am Montag im Finanzausschuss bereits von stolzen 133,8 Millionen - zur Verärgerung vor allem der Grünen-Fraktion, für die Stadtrat Sebastian Habermeyer eine "mehr als unglückliche Entwicklung" kritisierte. Er wolle "sehr, sehr deutlich unser Missfallen zum Ausdruck bringen", sagte Habermeyer - und deutete weitere Kostensteigerungen an, die offenbar nicht-öffentlich besprochen werden sollten. "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange - und da reden wir auch nicht von kleinen Summen", orakelte er: "Ich hoffe, da will jetzt keiner widersprechen, nach den Fakten, die wir kennen."

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich auf der Baustelle der Westtangente in Vötting herausgestellt, dass man bei der Beurteilung des Untergrundes entlang der Trasse teilweise von falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Anders als angenommen, fehlte im Bereich südlich der Giggenhauser und der Bachstraße plötzlich der bei Probebohrungen vorgefundene "Stauer" - eine stark verdichtete, gut zwei Meter dicke Tonschicht, die das Grundwasser von unten abhalten sollte. Als Folge muss diese natürliche Barriere nun aufwendig durch eine sogenannte Weichgelsohle ersetzt werden, was den geplanten Bauablauf in verschiedenen Bereichen erheblich verändert und zu Verzögerungen und den enormen Mehrkosten führt.

Westtangente Infografik

Die 3560 Meter lange Trasse verknüpft die Thalhauser Straße (Staatsstraße 2084) mit der ehemaligen Bundesstraße 11, heute Kreisstraße FS 44.

(Foto: SZ Infografik)

Alle Kostenprognosen lagen bisher daneben

War man bei Bekanntwerden der Stauerproblematik im Oktober 2018 noch von 98,4 Millionen Euro an Kosten ausgegangen, warnte Projektleiter Piller kurz darauf schon vor der Unvorhersehbarkeit der Entwicklung: "Jede Zahl, die ich jetzt nenne, ist definitiv falsch", sagte er - seit gestern weiß man, dass auch die dann Anfang Dezember 2018 vor den Haushaltsberatungen im Stadtrat bekannt gewordene Summe von 108,2 Millionen falsch war.

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"Es ist wohl keiner da, der sich darüber freut", fasste Birgit Mooser-Niefanger (FSM) die Stimmung im Ausschuss zusammen, während Rudi Schwaiger (CSU), wie zuvor schon Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher unterstrich, dass die für den Bau der Straße zugesicherten staatlichen Zuschüsse glücklicherweise eine Anteilsfinanzierung seien und sich deshalb ebenso erhöhen würden. Nachdem Habermeyer in seiner Kritik zuvor auch einmal mehr die Nachhaltigkeit der Westtangente bestritten hatte - "die hilft uns nichts bei der Verkehrswende" - entspann sich noch eine kurze Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Projektes, in der unter anderem Benno Zierer (Freie Wähler) erklärte, dass eine Verkehrsberuhigung in Freising ohne den Bau der Umfahrung schlicht unmöglich wäre. Auch E-Autos müssten schließlich auf Straßen fahren, gab FSM-Stadtrat Hans Hölzl zu bedenken. "Oder fliegen die?", fragte er provokant, was Habermeyer schließlich an die Grenzen seiner Geduld brachte. "Wir führen hier eine Neandertal-Diskussion, wenn wir beim Verkehr weiter immer das eine mit dem anderen begründen", ärgerte er sich: "Dazu habe ich keine Lust mehr."

Habermeyer und Grünen-Bürgermeisterin Eva Bönig sowie ÖDP-Kollegin Monika Hobmair stimmten am Ende gegen die Kostensteigerung, die nun allerdings auch dem gesamten Stadtrat noch vorgelegt werden muss.

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