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Werkstatt-Cafe in Eching:Noch längst kein altes Eisen

Wolfgang Edlinger (Mitte) kümmert sich im Echinger Werkstatt-Café um den PC von Johann Kohlmaier (l.), auch Georg Haas (r.) gehört zu den Handwerkern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Innerhalb weniger Wochen hat sich das Werkstatt-Café im Echinger Alten-Service-Zentrum zum Geheimtipp entwickelt. Tüftler retten dort defekte Wasserkocher, Computer oder Radios vor der Ausmusterung.

Normalerweise sind zwölf Fachleute im Einsatz, am Samstag waren es krankheitsbedingt nur fünf. Entsprechend viel hatten sie zu tun, denn das Werkstatt-Café im Echinger Alten- und Service-Zentrum (ASZ) ist in den zwei Monaten seines Bestehens schon zum Geheimtipp geworden. Über 25 hilflose Besitzer von Computern, Wasserkochern, Bügeleisen, Handys und Radios sind am Samstag gekommen, die meisten zogen glücklich wieder von dannen.

Die Idee, kaputte Haushaltsgeräte nicht wegzuwerfen, sondern zu reparieren, kommt aus Holland, in Deutschland gibt es derzeit 400 Initiativen, drei davon im Landkreis, in Moosburg, bei Rentabel in Freising und in Eching. Gemeinsames Reparieren ist freilich mehr als bewusste Müll- und Konsumvermeidung. Es ist auch ein sozialer Treff und ein Weg, einen verloren gehenden Wissensschatz weiterzugeben.

Im Saal des ASZ sitzen die Kunden an Tischen und warten auf den nächsten freien Spezialisten. "Es ist super, dass es so etwas gibt", sagt Anneliese Piller, "das Meer ist voller Plastikmüll, dank der Wegwerfgesellschaft." Die Echingerin will etwas dagegensetzen, sie hat das Fußpedal ihrer Nähmaschine dabei. "So etwas sollte es in jedem Ort geben", findet sie, "in einen Laden brauche ich damit nicht kommen, die lachen mich ja aus." Einen Tisch weiter sitzt Olga Hlivarowa. Sie betreut eine alte Dame, "sie wollte nicht kommen, jetzt bin ich hier, mit dem Wasserkocher. Das Licht leuchtet, aber er wird nicht warm".

Am nächsten Tisch beugen sich Max Frank und eine Frau über ein Bügeleisen. Der Freisinger hat früher bei Telekom gearbeitet, jetzt ist er in Rente und macht beim Echinger Repair-Café mit. "Ich war schon immer ein Bastler", erzählt er, wegen des Erfolgserlebnisses. Vorsichtig löst Frank den Tesafilm, der um das lose Kabel gewickelt ist. Er sucht per Handy im Internet, ob es Ersatzkabel zu kaufen gibt - und wird fündig. Im Nebenzimmer schraubt derweil Wolfgang Edlinger in einem geöffneten Computer herum. Besitzer Johann Kohlmaier aus Kranzberg ist schon das zweite Mal da. Das erste Mal zur Fehlersuche, "wahrscheinlich nur ein Netzteil", lautete da Edlingers Diagnose. Jetzt, beim zweiten Besuch, baut er es ein, "zufällig hatte ich noch eines daheim". Johann Kohlmeier hat vom Werkstatt-Café in der Zeitung gelesen, eine tolle Idee, wie er findet, "wegschmeißen kann man immer noch".

Am Nebentisch hat Harald Heitmann eine Brotschneidemaschine zerlegt. Heitmann ist im Vorstand des ASZ Eching, und als die Idee des Reparatur-Cafés im Raum stand, wusste er, da macht er mit. Wolfgang Edlinger am Nachbartisch hebt den Kopf und feixt, "mich hat meine Frau geschickt, weil ich im Ruhestand bin und dann daheim nicht so viel Unfug machen kann". Fast jeder der Fachleute im Repair-Café ist in Rente. Allesamt gehören sie zu einer aussterbenden Spezies der Allround-Tüftler, die meisten sind Elektriker. Auf den Tischen liegen Schraubenzieher, Kleber, Feilen, Zangen, Lötkolben und Prüfgeräte. Viele bringen ihre Werkzeugkoffer mit, einiges schafft das ASZ an, von den Spenden, die dankbare Gerätebesitzer da lassen. Schließlich arbeiten die Helfer ehrenamtlich, repariert wird, von Ersatzteilen abgesehen, umsonst.

Ob es nicht nerve, wenn die Besitzer einem bei der Arbeit über die Schulter schauen? Edlinger verneint. "Das ist so schön, wie die Leute sich freuen, wenn es wieder funktioniert." Er erzählt die Geschichte einer älteren Dame, die ein Weihnachtskarussell dabei hatte und ein Sieb. Das Karussell lag ihr besonders am Herzen, doch es drehte sich nicht mehr. Edlinger behob die Sache mit einem Tropfen Öl, den abgebrochenen Henkel des Siebes machte er auch fest, "alles, was es gebraucht hat, waren zwei Nieten. Aber die Freude, die sie gehabt hat!" Über der zerlegten Brotschneidemaschine hat sich derweil ein Fachgespräch entwickelt, Besitzer Georg Haas schaut auf: "Ich bin ja aus der Mechanik, drum schaue ich bei der Elektrik gerne zu, da lerne ich was." Am Ausgang steht Olga Hlivarowa, der Wasserkocher funktioniert wieder: "Beim Putzen haben wir die Kindersicherung angeschaltet", sagt sie und schiebt einen Schein in den Sparpilz, "jetzt wissen wir, worauf wir achten müssen".