Weg vom Ehrenamt "Sie müssen mehr Geld für Bildung ausgeben!"

Klar wurde bei der Neufahrner Diskussionsrunde, dass das Thema Ganztagsbetreuung drängt. Um die politischen Ideen umzusetzen, fehlt aber eines ganz besonders: Geld.

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Podiumsdiskussion zur Ganztagsbetreuung im Neufahrner Gymnasium macht die Defizite der Angebote deutlich.

Von Tobias Weiskopf, Neufahrn

Bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Ganztagsbetreuung in Bayern im Neufahrner Oskar Maria-Graf-Gymnasium (OMG) sind zwei Dinge klar geworden: Das Thema ist drängender denn je und es fehlt vor allem am nötigen Geld, um die Visionen der Politik auch umzusetzen. Nachdem lange über Vielfalt, bessere Chancen, die besten Konzepte, Infrastruktur und den Bedarf und dessen Ermittlung diskutiert wurde, brachte eine Wortmeldung aus dem Publikum das eigentliche Problem auf den Punkt. "Wir müssen uns endlich vom Begriff Ehrenamt verabschieden, den Leuten ordentliche Verträge geben", forderte Annegret Harms und erntete dafür lautstarken Applaus, "denn wenn man den Ganztag will, hat der Freistaat das zu finanzieren."

Die Leiterin einer Einrichtung schilderte sogar, sie können sich diesen Job nur mit einem zusätzlichen Minijob leisten. Das Geld reiche hinten und vorne nicht und die finanziellen Mittel seien so ausgelegt, dass die Betreuer über die Sommerferien keinen Vertrag hätten. Daraufhin erhob sich OMG-Schulleiter Franz Vogl und appellierte an die Teilnehmer der Diskussion: "Egal von welcher Partei Sie sind, Sie müssen mehr Geld für die Bildung ausgeben!"

"Egal, von welcher Partei Sie sind", sagte der Direktor des Neufahrner Gymnasiums, Franz Vogl, "Sie müssen mehr Geld für die Bildung ausgeben."

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Eingeladen zur Veranstaltung hatte der Förderverein des OMG zusammen mit dem Landesverband der Kita- und Schulfördervereine. Auf dem Podium saßen Gastgeber Harald Renz, Vertreter der Landtagsparteien, Michael Rißmann, Leiter des Referates für Ganztagsschulen und Mittagsbetreuung im Kultusministerium, Hans Schindele vom Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband, und Beatrix Zurek, Stadtschulrätin aus München. Derzeit baue die Ganztagsbetreuung auf drei Säulen auf, erklärte Rißmann zu Beginn. Zum einen gebe es Hort- und Kinderbetreuung, die häufig von den Kommunen getragen würden, dann seit den 80-er Jahren zusätzlich Mittagsbetreuungen, zunächst in den Grundschulen bis 14 Uhr, durch Elterninitiative und ehrenamtliches Engagement aber inzwischen ausgeweitet und zuletzt den offenen und gebundenen Ganztag seit 2010. Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag, sagte, die Halbtagsschule habe ausgedient, denn: "Man sieht, Kinder werden zuhause nicht mehr richtig betreut." Daher fordere er, den Ganztag auszubauen: "Wir sind in Bayern erst am Anfang!"

Der frühere Ministerpräsident Seehofer habe versprochen, jedes Kind bis 14 Jahre habe Anspruch auf Ganztagsbetreuung, was bis heute nicht eingehalten sei

Auch Bernhard Seidenath (CSU) plädierte für eine Aufstockung von derzeit 53 auf 80 Prozent der betreuten Kinder im Ganztag, stellte aber klar, man habe in Bayern schon jetzt bedarfsgerechte Angebote, denn alle Anträge der Kommunen würden bewilligt. Die Aussage führt zu heftigem Kopfschütteln bei Michael Piazolo (FW). Der Bildungspolitiker fragte: "Was ist bedarfsgerecht?" Denn für die Anträge gebe es gewisse Voraussetzung und nicht jeder bekomme einen Platz. Es hänge davon ab, ob eine Ganztagesklasse überhaupt angeboten werde. Der frühere Ministerpräsident Seehofer habe versprochen, jedes Kind bis 14 Jahre habe einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung, was bis heute nicht eingehalten sei.

Dieses Problem sah auch der Landesvorsitzende der Grünen, Eike Hallitzky, der die Thematik mit einem Beispiel aus seiner niederbayerischen Heimat unterstreicht. Dort haben sich mehrere Kommunen beim Ganztag zusammengeschlossen. Das habe zur Folge, dass einige Schüler allerdings für die Betreuung 15 Kilometer in die Nachbargemeinde fahren müssten. Er plädierte dafür, dass die gebundene Ganztagsschule zur Regel und an jeder Schule angeboten würden. Stadtschulrätin Zurek legte großen Wert auf das pädagogische Konzept sowie passende Angebote auch für den gymnasialen Bereich. Derzeit sei der große Bedarf besonders an den Grundschulen zu finden.

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