Was SZ-Leser wissen wollen Freisinger Nachtleben, ein echter Teufelskreis

Lesungen, Theateraufführungen, Tanzabende: Im Furtner ist immer was los, auch darum läuft es gut.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Freisinger beklagen sich oft über das fehlende Nachtleben in ihrer Stadt. Neue Bars aber haben es schwer, weil viele Studenten an den Wochenenden heim fahren, oder das nahe München lockt.

Von Nadja Tausche, Freising

Die Redaktion der Freisinger SZ hat ihre Facebook-Seite genutzt und nachgefragt: Was interessiert die Menschen im Landkreis Freising? Welche Themen aus ihrer Lebenswirklichkeit kann die SZ aufgreifen, Fragen dazu beantworten und Vorgänge öffentlich machen? Zu den Vorschlägen, die bei dieser ersten Runde die meisten "Likes" bekommen haben, gehörte die Frage: "Warum gibt es in Freising kein Nachtleben?"

Das Problem dabei: Es ist ein Teufelskreis. In Freising gibt es nicht viele Bars und Clubs, deshalb fahren die Leute zum Weggehen nach München und die Studenten am Wochenende nach Hause. Weil wenig Nachfrage da ist, haben es neue Angebote wiederum schwer. Robert Mayr, Inhaber des Augustiner Bierstüberls, bezweifelt, dass sich neue Bars und Clubs überhaupt halten würden. Dafür sei das Image der Stadt in Bezug auf das Nachtleben zu schlecht: Das Vorurteil, dass nichts los sei, "ist jetzt schon zu festgefahren". Seit einigen Jahren bemerke er, dass die Leute oft schimpften, es gebe einfach zu wenig in Freising. Mayr ist der Meinung, man müsste ein Umdenken in dem Bereich fördern.

In den vorhandenen Bars und Clubs läuft es nicht schlecht

In den Bars und Clubs, die es in Freising gibt, läuft es derweil offenkundig nicht schlecht. Mayr selbst sagt, er könne nicht klagen: Bis drei Uhr morgens hat das Bierstüberl unter der Woche auf, wenn viel los ist auch länger - und das komme oft vor, berichtet er. Unter der Woche sei mal mehr los, mal weniger, am Wochenende gehe es gut.

Das Nachtcafé hat jedes Wochenende geöffnet, zusätzlich gibt es Sonderveranstaltungen. "Wenn unter der Woche Studentenpartys stattfinden, ist sehr viel los", sagt Leiter Michael Elbauer. Auch mit den Ü-30-Partys ist er zufrieden: "Man darf sie nicht zu oft machen, dann laufen sie gut", sagt er. Gemessen an der Einwohnerzahl sei aber recht wenig los: Am Wochenende fehlten die Studenten.

Und auch im Furtner läuft es gut. Gerade das Kulturprogramm werde sehr gut angenommen, erzählt Wirtin Franziska Kreuter: Dazu zählen Lesungen, Theateraufführungen, Tanzabende. "So viel Programm gibt es nur, weil wir einen fairen Pachtpreis haben." Denn dass in Freising so wenig los ist, erklärt sie sich unter anderen mit den Pachtpreisen, die ihr zufolge immer höher werden. Was Kreuter noch aufgefallen ist: Die Studenten blieben eher unter sich, die Freisinger ebenfalls. Sie ist sich aber sicher: "Das Potenzial wäre eigentlich da."

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Ein Problem im Freisinger Nachtleben sind Beschwerden wegen Lärm

Es gibt auch Clubs, die zugemacht haben in Freising. Das hat aber nicht immer mit fehlender Kundschaft zu tun. Zum Restaurants Schrödl gehörte früher ein Barbetrieb, den gibt es mittlerweile nicht mehr. Allerdings nicht, weil keiner gekommen sei, heißt es von der Familie Schrödl: Man habe es einfach zeitlich nicht mehr geschafft.

Ein Problem beim Nachtleben in Freising: Lärm. "Das Nichtrauchergeschäft hat viel kaputt gemacht", sagt Mayr vom Bierstüberl. Seit das Rauchen in Bars und Restaurants verboten ist, gehen die Leute vor die Tür. Früher habe es jeden Samstag eine Veranstaltung gegeben, da sei die Polizei oft da gewesen, sagt Mayr. Die Veranstaltungen hat das Bierstüberl deshalb reduziert. Mittlerweile sind es noch vier bis fünf pro Jahr. Inzwischen halte sich die Zahl der Lärmbeschwerden aber in Grenzen. Lärm ist also eher ein Problemchen.

Die Freisinger Polizei bestätigt das auch für den Rest der Stadt. Beschwerden wegen Ruhestörungen gebe es zwar, sagt Hauptkommissar Michael Ertl, allerdings nicht wirklich viele. Im Winter werde man ab und zu in die Innenstadt gerufen, im Sommer gebe es öfter Beschwerden, weil die Leute mehr draußen sind. Aber: "Im Prinzip sind es Einzelfälle", so Ertl.

Womöglich gibt es bald frischen Wind

Für Julia Schröter, zweite Vorsitzende des Abseits-Vereins, ist klar: Ein kulturelles Angebot ist essenziell. Die Kultkneipe "Abseits" ist seit Jahren geschlossen, soll aber, wenn die Stadt mitzieht, zu einem Kulturzentrum umgebaut werden. Neben einer normalen Kneipe wolle man auch eine Bühne aufbauen, sagt sie: Für Konzerte, Kabarett und anderes Abendprogramm. Die Freisinger wünschten sich mehr Optionen, meint Schröter. Das habe man vor Kurzem wieder gemerkt, als der Verein ein Band-Festival im Furtnerbräu veranstaltet hat: Die Leute seien dankbar für solche Veranstaltungen.

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Wie viele Bars und Clubs es in Freising tatsächlich gibt, dazu liegen der Stadt keine Zahlen vor. Aktuell seien rund 100 Schankgenehmigungen erteilt, berichtet Christl Steinhart von der Pressestelle der Stadt, die gehörten allerdings vor allem zu Restaurants und Cafés. Das Nachtleben in Freising zu fördern, sei nicht Aufgabe der Stadt, so Steinhart.

Frischen Wind könnte es trotzdem bald geben, zum Beispiel im Nachtcafé. "Wir würden gerne weiter ausbauen", sagt Elbauer: Ihm schwebt eine Art Stadl vor, der als Café genauso wie als Bar und Veranstaltungsort dienen soll. Elbauer ist überzeugt: "Wenn das Angebot in Freising da ist, bleiben auch mehr Leute da". Konkurrenzdenken gebe es in Freising nicht, so seine Einschätzung. Man profitiere eher davon, wenn es mehrere Einrichtungen gebe. Dann zögen die Leute weiter - aber eben innerhalb von Freising, statt nach München oder in andere Städte auszuweichen.

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