Schneller zum Münchner Airport Wo bleibt der "Humpel-Express"?

Per Express-S-Bahn sollen Reisende schneller zum Münchener Flughafen gelangen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mit extra komfortablen S-Bahnen sollen Reisende den Flughafen besonders schnell erreichen, so das Versprechen der Stadt München und der FMG. Doch es tut sich nichts auf der Strecke der S1.

Von Alexandra Vettori, Freising

Kommt er oder kommt er nicht, der "Humpel-Express" zum Flughafen auf der Strecke der S 1? Vor einem dreiviertel Jahr haben die Landeshauptstadt und der Flughafenbetreiber FMG die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt. Spezielle Komfort-S-Bahnen mit viel Platz für das Gepäck sollten auf der S 1-Strecke fahren und nur an einzelnen Punkten halten, solange, bis die zweite Stammstrecke fertig ist und die richtige Express-S-Bahn auf der Strecke der S 8 starten kann.

Konkrete Pläne für das Provisorium aber gibt es bis heute nicht, und das liegt vor allem an den vier beschrankten Bahnübergängen zwischen München und dem Flughafen.

Die Schranken bleiben bereits jetzt 39 Minuten in der Stunde unten

Schon jetzt kommt es an den Bahnschranken in den Münchner Stadtteilen Fasanerie und Feldmoching, sowie den beiden Übergängen in Oberschleißheim im Berufsverkehr regelmäßig zu langen Staus, weil die herab gelassenen Schlagbäume dicht befahrene Straßen blockieren. Es erhob sich denn auch sofort Protest in den Anliegerkommunen, als die Provisoriums-Express-S-Bahn im Vorjahr ins Gespräch kam. Denn mehr Züge bedeuten hier nicht nur mehr Lärm für die Anwohner, sondern auch noch länger geschlossene Schranken und noch längere Staus. Zu Spitzenzeiten, sagt Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbaur (Freie Wähler), "sind die Schranken in Oberschleißheim bereits jetzt 39 Minuten in der Stunde geschlossen."

Beim jüngsten Flughafen-Forum war trotzdem zu vernehmen, dass das Innenministerium weiter Überlegungen zu einer temporären Express-S-Bahn auf der Strecke S 1 anstellt. Auch wenn das Bayerische Ministerium des Innern, für Bau und Verkehr auf Anfrage der SZ lediglich bestätigt, dass es vonseiten der Flughafen München Gesellschaft (FMG) Überlegungen dazu gebe. Bevor eine solche Express-Verbindung Realität werden könne, so Ministeriumssprecher Oliver Platzer, "bedarf es aus Sicht des Freistaates noch der Klärung von Sachverhalten, zu denen auch die Frage zur Situation an den Bahnübergängen entlang der S1-Trasse zählt", betonte er.

Aus Diskussionen um Bahnübergänge hält sich das Verkehrsministerium raus

Nun kommt, wenn es um Bahnübergänge geht, allerdings das Eisenbahnkreuzungsgesetz zur Anwendung, und in dem spielt das Verkehrsministerium nicht mit. "Wir sind da raus", so Pressesprecher Platzer, das Gesetz sehe eine Einigung zwischen Bahn und Kommunen vor. Eine solche beinhaltet nicht nur die planerische Entscheidung für eine Bahnüber- oder unterführung, sondern bedeutet auch die Aufteilung der Kosten. Dass es an allen beschrankten Bahnübergängen Überlegungen zur Beseitigung gebe, hat erst kürzlich ein Sprecher der Bahn bestätigt. Konkret wird das allerdings nur dort, wo die Kommunen auf das Tempo drücken. In Oberschleißheim etwa, wo sich die Bahn mit der stark befahrenen Bundesstraße B 471 kreuzt. Im Verkehrsministerium setzt man derweil auch, was die Flughafenanbindung anbelangt, voll und ganz auf die zweite Stammstrecke. Zusammen mit der im Bau befindlichen Neufahrner Kurve, die Nordostbayern an die Schiene anbinde, dem Erdinger Ringschluss und der geplanten zweiten Stammstrecke, werde eine Express-S-Bahn auf der S 8 verkehren.

Was die Strecke der S 1 anbelangt, versichert das Verkehrsministerium, werde zumindest bis zum Bahnhof Neufahrn mit Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke alles besser. Dann verkehre die S 1 dort ganztägig im 15-Minuten-Takt. "Dieser S-Bahn-Takt lässt sich gut mit den übrigen Zügen des Schienenpersonennahverkehrs, die im Stunden- oder Halbstundenraster fahren, vereinbaren", so der Sprecher. Weil aber auch das Bayerische Ministerium immer noch auf konkrete finanzielle Zusagen des Bundes wartet, könnte sich bis dahin der Vorschlag der Grünen im Landtag durchsetzen. Ihr Alternativkonzept S-Bahn 2030 sieht als Flughafenanbindung einen 200 Stundenkilometer schnellen Expresszug vor, der in 18 Minuten vom Hauptbahnhof zum Airport fährt. Die Gleise dafür sollen zwischen Moosach und Neufahrn parallel zur Autobahn 92 verlaufen, da, wo früher der Transrapid geplant war.