Wahlkampf im Netz:Spotify und Gegenwartsgeplapper

Social-Media-Manager sind Strategen für Klicks und Likes

Während die einen auf Instagram und/oder dem Kurznachrichtendienst Twitter aktiv sind, setzen die anderen verstärkt auf das eher klassische Netzwerk Facebook.

(Foto: Robert Günther/dpa)

Im laufenden Bundestagswahlkampf nutzen die Kandidatinnen und Kandidaten die Sozialen Medien sehr unterschiedlich, um auf sich und ihre politischen Ziele aufmerksam zu machen

Von Thilo Schröder

Die Bundestagskandidatinnen und Bundestagskandidaten im Landkreis Freising nutzen Soziale Medien teils sehr unterschiedlich, um auf sich und ihre politischen Ziele aufmerksam zu machen. Während die einen vor allem auf der Bilderplattform Instagram und/oder dem Kurznachrichtendienst Twitter aktiv sind, setzen die anderen verstärkt auf das eher klassische Netzwerk Facebook. Mancher versucht sich an Youtube-Videos, allerdings mit mäßigem Zuspruch, oder ist in Podcasts zu Gast. Teils nutzen die Kandidierenden auch das Business-Netzwerk LinkedIn zu Wahlwerbezwecken.

Am meisten Menschen über Soziale Medien, so lässt eine erste Analyse vermuten, erreicht wohl AfD-Abgeordneter Johannes Huber. Auf Facebook folgen ihm 86 852 Menschen (alle Zahlen Stand 15. September 2021), auf Twitter 1672, was bei beiden Plattformen mit Abstand der Spitzenwert ist. Instagram-Spitzenreiterin ist die ÖDP-Kandidatin Emilia Kirner, ihr folgen dort 1082 Menschen. Auf diesen Plattformen am wenigsten Fans hat Eva-Maria Schmidt von der FDP (111 auf Instagram, 103 auf Twitter).

Die meisten Beiträge auf Instagram (265) hat Leon Eckert (Grüne), gefolgt von Erich Irlstorfer (CSU, 239). Eckert und Kirner veröffentlichen auf der Plattform neben Posts vor allem Instagram-Stories, Kirner interagiert darüber auch oft mit dem Publikum. Eine eigene Facebook-Seite (statt nur ein Profil, wie es auch Privatpersonen haben) nutzen mehrere Kandidaten wie Irlstorfer, Huber, Andreas Mehltretter (SPD) oder Karl Ecker (FW). Die meisten Kandidierenden sind neben den eher auf Unterhaltung ausgelegten Sozialen Plattformen im Business-Netzwerk LinkedIn registriert und nutzen es teils auch zu Wahlkampfzwecken; hier hat Eva-Maria Schmidt (FDP) die meisten und als einzige über 500 Kontakte.

Irlstorfer, Ecker und Mehltretter laden auf Youtube vereinzelt Wahlvideos hoch, jedoch fällt die Resonanz dort eher mäßig aus. Die meisten Kandidierenden haben Webseiten zur Wahl eingerichtet, auf denen sie Blog-Einträge verfassen und zum Teil wiederum Social-Media-Beiträge eingebunden sind. Freisinger Kandidierende tauchen auch vereinzelt in Podcast-Folgen der Streamingplattform Spotify auf. Irlstorfer war etwa zu Gast beim Politik-Podcast "fresh & frankly" zum Thema "Gesundheit & Corona" sowie beim Laber-Podcast "Gegenwartsgeplapper". Kirner ist im ÖDP-Podcast "Wie komme ich in den Bundestag fast?" sowie beim politischen Podcast "Woran hat's gelegen?" zu hören.

Insgesamt macht sich in den Auftritten die fortschreitende Digitalisierung bemerkbar. Von Zeit zu Zeit bauen die Kandidatinnen und Kandidaten in ihren Social-Media-Kanälen neben Bildern und Texten auch kurze Videobotschaften ein oder zeichnen Online-Debatten auf. Überraschend wirkt allerdings, dass nicht noch mehr passiert in den Sozialen Medien; auch angesichts der Umstände der Corona-Pandemie, wodurch sich vieles, was vorher analog war, ins Digitale verlagert hat.

Womöglich hängt das auch mit der Bevölkerungsstruktur und einem damit einhergehendem Informationsverhalten zusammen. Bei der anstehenden Bundestagswahl sind nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts weit mehr als Hälfte der Wahlberechtigten über 50 Jahre alt. Unter 30-jährige "Digital Natives" machen dagegen nur wenige Prozente aus. Vorrangig, so scheint es, findet wohl auch in Freising der Wahlkampf nach wie vor an Infoständen, Haustüren und bei politischen Diskussionsterminen statt.

© SZ vom 17.09.2021
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