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Wahlanalyse:Die Verlierer sind CSU und SPD

Hier legt der Chef noch selbst Hand an: Benno Zierer wird für die Freien Wähler auch weiterhin im Landtag sitzen. Seine Freude darüber war ihm am Wahlabend deutlich anzusehen, schon am Montag allerdings hatte ihn der Alltag wieder: Die Wahlplakate mussten eingesammelt werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die CSU verliert in manchen Orten über 20 Prozentpunkte, die SPD schafft es nur noch in Eching in den zweistelligen Bereich. Der 29-jährige Grünen-Kandidat dagegen erreicht fast das Ergebnis von Urgestein Christian Magerl.

Für die CSU setzt sich bei der Landtagswahl ein Negativ-Trend fort, der schon bei der Bundestagswahl im September 2017 begonnen hat: Die Partei muss im Landkreis massive Verluste von zum Teil über 20 Prozentpunkten hinnehmen. Dies zeigt, dass wohl nicht allein die Startbahn-Frage im für die CSU ohnehin schwierigen Stimmkreis Freising ausschlaggebend war. Lediglich in Rudelzhausen haben über 40 Prozent der Wähler für die Christsozialen gestimmt - bei der Landtagswahl 2013 waren sie nur in zwei der 24 Landkreis-Gemeinden unter dieser Marke geblieben.

Auch von einem Minister-Bonus war wenig zu spüren. Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann schaffte es nur in Hörgertshausen (40,5) und Rudelzhausen (42,09) über diese Grenze. Sein schlechtestes Ergebnis fuhr er erneut in Freising mit 16,83 Prozent ein, dort landete er ebenso wie in Marzling nur auf Rang drei im Vergleich der Direktkandidaten. Dabei dürfte sehr wohl eine Rolle gespielt haben, dass ihm die Startbahngegner vorwerfen, er engagiere sich öffentlich und vor allem in seiner Partei zu wenig gegen das Großprojekt am Flughafen. Florian Herrmann selbst macht unter anderem das Thema Dritte Startbahn für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich. (Was Florian Herrmann noch zu den Ergebnissen seiner Partei im Landkreis Freising sagt, lesen Sie hier).

Erstmals muss die CSU (18,85 Prozent) in Freising aber auch bei den Zweitstimmen den Grünen (34,72) den Vortritt lassen, ebenso in Marzling (31,52). Dort schieben sich sogar die Freien Wähler (21,58) knapp vor die Christsozialen (21,21).

Ist die Startbahn mal vom Tisch, werden auch seine politischen Erfolge wieder gewürdigt, hofft Florian Herrmann.

(Foto: Marco Einfeldt.)

Grüne und Freie Wähler zählen zu den Gewinnern

Die Grünen zählen auch im Landkreis zu den großen Gewinnern. Sie haben in allen Gemeinden zweistellige Werte eingefahren. In Freising konnten sie über zwölf Prozentpunkte zulegen. Aber auch in Allershausen, Au, Hallbergmoos, Langenbach oder Moosburg haben sie ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Mit 23,03 Prozent im gesamten Landkreis liegt die Ökopartei nicht nur über dem Landesdurchschnitt, sie hat auch über elf Prozentpunkte mehr erhalten als vor fünf Jahren, obwohl der langjährige Landtagsabgeordnete Christian Magerl nicht mehr kandidiert hatte. Johannes Becher zog beinahe gleich: Unterm Strich erhielt er nur etwa zwei Prozentpunkte weniger als der populäre Magerl im Jahr 2013 und kam hinter Florian Herrmann auf Platz zwei. Neben Freising schnitt Becher in seiner Heimatstadt Moosburg besonders gut ab. Dort kam er auf 30,82 Prozent. Trotzdem will Becher noch keine Freudensprünge machen - warum, ist hier nachzulesen.

Kräftig zugelegt hat FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer gegenüber 2013, er erhielt 21,2 Prozent der Erststimmen, vor fünf Jahren waren es 13,71. Vor allem im Ampertal verzeichnete er starke Zuwächse. In Kranzberg erhielt Zierer 33,95 Prozent der Erststimmen, in Kirchdorf 31,98. Bei den Zweitstimmen erreichten die Freien Wähler in Mauern mit 30,09 Prozent (2013: 13,7) ein Traumergebnis. Dort ist Listenkandidatin Maria Scharlach Zweite Bürgermeisterin. Scharlach sei sehr stolz auf das Wahlergebnis ihrer Partei, sagt sie - Benno Zierer selbst sagt, die Partei dürfe jetzt ihre Ideale nicht verraten.

Kommentar

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SPD stürzt ab, AfD bleibt unter zehn Prozent

Böse abgestürzt ist dagegen die SPD im Landkreis. Nur in Eching erreichte sie mit 10,14 Prozent ein zweistelliges Ergebnis. Vor fünf Jahren war das mit Ausnahme von Gammelsdorf noch die Regel. In Au oder Hallbergmoos fielen die Sozialdemokraten sogar hinter AfD und FDP auf Rang sechs zurück. Von den 25,7 oder den 22,36 Prozent, die die SPD noch vor fünf Jahren in Eching und Neufahrn erzielt hatte, ist die Partei inzwischen meilenweit entfernt. In Langenbach beispielsweise purzelte sie von 19,23 auf 6,08 Prozent. Direktkandidat Markus Grill bekam zwischen 2,19 Prozent in Kirchdorf und 8,48 Prozent in Eching. (Was der Freisinger Direktkandidat Markus Grill zum desaströsen Wahlergebnis seiner Partei sagt, lesen Sie hier).

Die AfD blieb ebenso wie Erststimmenkandidat Bernhard Kranich im Stimmkreis knapp unter zehn Prozent, landete aber vor der SPD. Die höchsten Zustimmungswerte erreichten Kranich und auch seine Partei in Nandlstadt mit 14,91 beziehungsweise 13,93 Prozent. Das mag auch daran liegen, dass AfD-Bundestagsabgeordneter Johannes Huber dort lebt. Über zwölf Prozent erzielte die Partei außerdem in Attenkirchen und Paunzhausen, am schlechtesten schnitt sie mit 6,51 Prozent in Kranzberg ab. Dass die AfD hinter den Wahlergebnissen der Bundestagswahl zurückblieb, erklärt sich Johannes Huber, Bundestagsabgeordneter der Partei, mit den speziellen bayerischen Verhältnissen und den Freien Wählern.

Fast überall unter fünf Prozent blieb die FDP. Mehr erhielt sie in Hallbergmoos (6,37 Prozent), Au, Eching, Hohenkammer und Neufahrn. In diesen Gemeinden schnitt auch Kandidat Jens Barschdorf am besten ab. Für ihn ist vor allem das landesweite Abschneiden der FDP enttäuschend.

Eher traurig sieht das Ergebnis für die ÖDP aus. Felix Bergauer kam nur in Neufahrn und Fahrenzhausen über zwei Prozent. Für die Linke erzielte Guido Hoyer in Freising mit 4,27 Prozent seinen besten Wert. (Wie Bayernpartei, Tierschutzpartei, ÖDP und die PARTEI bei der Landtagswahl abgeschnitten haben, ist hier nachzulesen).

Der Wahlabend in Freising

Von Freud und Leid